Stimmen im Kopf sind normalerweise nichts Gutes, doch ich habe gelernt, dass zwei davon durchaus – in gleichem Maße – bedenkenswert sind. Diese beiden „Stimmen“ heißen Bedacht und Demut.
Bedacht. Beim Planen und Verfolgen einer Vision sollten wir nicht impulsiv und oberflächlich vorgehen, sondern mit Bedacht und Verstand. Jesus hat uns das vorgelebt. Zu Beginn Seines Dienstes sprach Er gegenüber Seinen Jüngern davon, „die Kosten zu überschlagen“: „Stellt euch vor, jemand möchte einen Turm bauen. Wird er dann nicht vorher die Kosten überschlagen? Er wird doch nicht einfach anfangen und riskieren, dass er bereits nach dem Bau des Fundaments aufhören muss. Die Leute würden ihn auslachen und sagen: Einen Turm wollte er bauen! Aber sein Geld reichte nur für das Fundament!“ (Lk. 14,28-30).
Viele Geschäftsleute können sich nicht mit der Idee anfreunden, die Kosten zu überschlagen. Menschen neigen dazu, sich zu überschätzen. So überschätzten laut einer von David Brooks zitierten Studie 99% der Geschäftsleute ihren Erfolg.
Voller Begeisterung stürzen wir uns auf eine sich bietende Gelegenheit und gehen dabei mehr Risiken ein als gedacht. Wir begeistern uns für eine großartige Vision, doch nach 100 Metern geht uns die Luft aus.
Wir müssen uns Fragen stellen wie: Welche Ressourcen benötige ich? Welche Hindernisse könnten auftreten? Wird sich diese Entscheidung im Rückblick als impulsiv erweisen? Wer bringt eine andere Sicht ein, von wem könnte ich lernen? Bevor wir Ergebnisse bekommen, müssen wir investieren. Wir müssen Zeit investieren, um zu weisen Entscheidungen zu gelangen: „Was der Fleißige plant, bringt ihm Gewinn; wer aber allzu schnell etwas erreichen will, hat nur Verlust.“ (Spr. 21,5).
Das Gegengewicht dazu ist die Demut: Wir sollten uns nicht zu sehr auf unsere eigenen Pläne verlassen und gar arrogant werden. Bleiben wir demütig und bescheiden. Auch wenn Jesus uns ermahnt, „die Kosten zu überschlagen“, sollten wir daran denken, dass Pläne nicht in Stein gemeißelt sind.
Deutlich wird dies im neutestamentlichen Buch Jakobus, das in seiner Lehre so unmittelbar und realitätsnah ist. Hier heißt es: „Manche von euch kündigen an: Heute oder morgen wollen wir hier- und dorthin reisen. Wir wollen dort ein Jahr bleiben, gute Geschäfte machen und viel Geld verdienen. Dabei wisst ihr nicht einmal, was morgen geschieht! Was ist denn schon euer Leben? Nichts als ein leiser Hauch, der – kaum ist er da – auch schon wieder verschwindet. Darum sollt ihr lieber sagen: Wenn der Herr will und wir leben, wollen wir dieses oder jenes tun. Ihr aber seid stolz auf eure Pläne und gebt damit an. Eine solche Überheblichkeit ist verwerflich.“ (Jak. 4, 13-16).
Gott ist gut. Wenn Er will, wird er meine Sache voranbringen. Wenn Er ihr Einhalt gebietet, ist Er immer noch gut.
Demut ohne Bedacht produziert Führungskräfte, die Entscheidungen mit einem Übermaß an Emotionen treffen und Dinge nicht zu Ende bringen. Bedacht ohne Demut bringt Führungskräfte hervor, die nicht mit Fehlschlägen umgehen können und empathielos sind. Es braucht beides.
Copyright 2024. Dr. Stephen R. Graves ist Unternehmensstratege, pragmatischer Theologe und sozialer Kapitalist. Er berät Manager und Unternehmer.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de