In meiner Kindheit gab es das Sprichwort: „Stöcke und Steine können mir die Knochen brechen, aber Beleidigungen können mir nichts anhaben.“ Doch das Leben hat mich gelehrt, dass Worte uns genauso verletzen können wie Stöcke und Steine.
Besonders deutlich wird dies mit der Entwicklung und Eskalation des sogenannten „Cybermobbing“. Vor allem junge Menschen werden in den sozialen Medien, in Textnachrichten und E-Mails Opfer böswilliger verbaler Attacken. Viel zu viele Kinder und Teenager erfahren so großes Leid, was manchmal sogar zum Suizid führt.
Doch auch Erwachsene und die Arbeitswelt bleiben davon nicht verschont. An manchen Arbeitsplätzen sind Beleidigungen eine tägliche Realität. Wutausbrüche, das öffentliche Vorführen von Kollegen, rachsüchtige E-Mails und die Verunglimpfung anderer sind nur allzu häufig.
All dies ist bestenfalls kontraproduktiv, kann aber auch ernsthaften Schaden verursachen. Sowohl das Neue als auch das Alte Testament erinnern uns an die Kraft und potentielle Gefahr unserer Worte. Hier einige Beispiele, die sich auf mündliche wie schriftliche Äußerungen beziehen:
Kleine Ursache, große Wirkung. Wir sollten die Wirkung unserer Worte nicht unterschätzen und unsere Worte weise wählen. „Genauso ist es mit unserer Zunge. So klein sie auch ist, so groß ist ihre Wirkung! Ein kleiner Funke setzt einen ganzen Wald in Brand. Mit einem solchen Feuer lässt sich auch die Zunge vergleichen. Sie kann eine ganze Welt voller Ungerechtigkeit und Bosheit sein. Sie vergiftet uns und unser Leben, sie steckt unsere ganze Umgebung in Brand, und sie selbst ist vom Feuer der Hölle entzündet. “ (Jak. 3,5-6).
Zum Guten wie zum Bösen. Wie ein Hammer ein Nagel in Holz schlagen oder jemandes Daumen verletzen kann, kann die Zunge anderen dienen oder harsch kritisieren und beleidigen. „Mit unserer Zunge loben wir Gott, unseren Herrn und Vater, und mit derselben Zunge verfluchen wir unsere Mitmenschen, die doch nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Segen und Fluch kommen aus ein und demselben Mund. Aber genau das, meine lieben Brüder und Schwestern, darf es bei euch nicht geben!“ (Jak. 3,9-10).
Unter unserer Kontrolle. Worte können dazu dienen, Informationen zu kommunizieren, aber sie können auch Waffen sein. Deshalb ist es weise, die Wirkung unserer gesprochenen und geschriebenen Worte zu kalkulieren, so wie wir erst zielen, bevor wir ein Gewehr abfeuern. „Wer viele Worte macht, wird sicher schuldig – darum hält der Kluge sich zurück.“ (Spr. 10,19).
Ein Werkzeug zur Ermutigung. Bei so viel Negativität in dieser Welt fallen wir positiv auf, wenn wir uns beherrschen und bewusst darum bemühen, nur das zu äußern, was für andere und uns selber von positivem Nutzen ist. „Redet nicht schlecht voneinander. Was ihr sagt, soll für jeden gut und hilfreich sein, eine Wohltat für alle.“ (Eph. 4,29).