Gefühlt hat jeder Mensch in Deutschland sein Büro – ich jedenfalls habe zwei. Büro, Bürokratie, Bürokratismus, Bürokratisierung; da kann einem ganz schwindelig werden. 

„Büro“ kommt vom französischen bureau, das wiederum auf das spätlateinische burra (grober Wollstoff, zottiges Gewand), mit dem die Schreibtische bezogen wurden, zurückgeht. Je länger, je mehr stand das Wort nicht nur den Stoff oder den Schreitisch, sondern für die dort verrichtete Tätigkeit: Die Verwaltung. Und wenn man dann noch das griechische kratia (Herrschaft) dazusetzt, dann wissen wir: Bürokratie ist die „Herrschaft der Verwaltung“.  

„Bürokratische Strukturen und Verfahren existieren nicht nur in der öffentlichen Verwaltung, sondern auch in privaten Unternehmen, Kirchen und Non-Profit-Organisationen. Im weitesten alltagssprachlichen Sinne umfasst der Begriff alle mit Schreibarbeit und „Papierkrieg“ befassten nicht-privaten Tätigkeiten, deren Umfang seit den 1940er Jahren weltweit zugenommen hat, um heute wieder leicht abzunehmen.“ Soweit der sehr erhellende Ausflug zu Wikipedia. 

Wie sieht mein Büro aus? 

Zum einen stehen sich bis heute „Leer- und Volltischler“ gegenüber, zum anderen wird die Bürokratie, zwar langsam, aber immer „papierloser“. Außerdem würden Schreibstuben-Mitarbeiter aus dem Mittelalter heutige digitalisierte multifunktionale Büros vermutlich nicht mehr als solche identifizieren können. Mein Büro z. B. ist Besprechungsraum, Telefonzentrale, digitales Studio, Musikzimmer, Meditationsraum – und noch manches mehr,  

Verwaltet werden müssen Dinge, Abläufe, Unternehmungen aber bis heute. Und so fokussiert sie die Frage weg vom Schreibtischbezug, der burra, über die „Herrschaft des Verwaltens“, die Bürokratie, hin zur Frage: Wie sieht der Mensch aus, der verwaltet? 

Wie sehe ich im Büro aus? 

Wie genial, wie organisiert, wie chaotisch, wie strukturiert bin ich, ist meine Arbeitsweise? Ist es wichtig, ob ich Leer- oder Volltischler bin, oder doch eher, warum ich es bin? Während ich dies schreibe, unterbreche ich – und schaue mich prüfend im gesamten Raum um. Warum sieht mein Büro so aus, wie es aussieht – und nicht anders? Spiegelt die Einrichtung meines Büros, aber noch mehr meine Art des Verwaltens, mich wider? 

Es gibt im Alten Testament eine – auf den ersten Blick ermüdende – Beschreibung einer Verwaltungstätigkeit: Da wird der Tempeldienst neu geordnet, weil das bisherige System an ein Ende gekommen war. Ausführlich wird im 2. Chronikbuch, Kapitel 31, diese Neuordnung der Verwaltung beschrieben. Sehr detailliert werden Abläufe beschrieben, Namen von Verantwortlichen genannt und dadurch die Organisation der Verwaltung erkennbar. Und man liest zweimal ein Adjektiv, das es in sich hat – gewissenhaft. Die Mitarbeitenden waren gewissenhaft – und das war an den Ergebnissen abzulesen: Menschen wurden versorgt, der Wohlstand wurde vermehrt, es gab Sicherheit für viele Mitarbeitende. 

Im weiteren Bericht wird deutlich, was dem Urheber und Planer dieser Neuordnung, dem Unternehmer und König Hiskia, wichtig war: „Bei jedem Unternehmen, das er im Dienst des Hauses Gottes oder für die Weisung und die Gebote begann, um seinen Gott zu suchen, handelte er mit Hingabe seines ganzen Herzens und hatte Erfolg.“ (2. Chr. 31, 21). Er war fokussiert auf Gott und auf die Menschen, für die er Verantwortung hatte. 

Wie sehen die Ergebnisse meines Büros aus? 

Ob die Ergebnisse meines Tuns im Büro gut sind, entscheidet sich nicht an der Anzahl der Blätter, Bücher, Ordner oder Schreibgeräte. Die Früchte meiner Arbeit entscheiden sich auch nicht an der Größe, Farbe oder Aufgeräumtheit des Schreibtischs oder des gesamten Raums.  

Ob mein Tun Sinn macht, entscheidet sich an meiner Haltung zu Gott – bin ich, wie Hiskia, gut, recht und getreu vor dem HERRN“ (2. Chr. 31,20) und handle „mit Hingabe meines ganzen Herzens„?  

Ob der Output als Erfolg zu werten ist, misst sich an drei Fragen: 

  • Mache ich meine Arbeit „gewissenhaft“ (s. o.)? 
  • Ist mein Verwaltungsaufwand „genügend“, d. h. nicht zu viel und nicht zu wenig, damit Menschen versorgt, Wohlstand vermehrt und Sicherheit für Mitarbeitende entsteht? 
  • Rückt mein Tun Gott in ein gutes Licht?  

 Michael vom Ende, im März 2026
Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft