Friedrich Rominger: Wenn Gott die Richtung vorgibt

35 Jahre lang ist Friedrich Rominger international im Top-Management tätig – als Entwicklungsleiter bei Continental, mit Verantwortung für tausende Ingenieure weltweit. Dann verändert Gottes Ruf sein Leben: Statt Karriere im Konzern folgen Selbständigkeit, Ehrenamt und neue Wege, die er am Anfang seines Berufslebens nie geplant hätte. Heute engagiert er sich ehrenamtlich in einem christlichen Gemeindenetzwerk und als Vorsitzender des Vereins „Christen in der Wirtschaft e. V.“ Sein Anliegen: christliche Unternehmer und Führungskräfte unterstützen, stärken und miteinander verbinden.

Werte: der neue Trendfaktor

Warum ein Top-Manager aussteigt – und was das für die eigene Laufbahn bedeutet

Wer an Karriere denkt, der assoziiert damit in der Regel Erfolg. Gerade bei Männern ist das so. Aufstieg Schritt für Schritt und am Ende als Krönung Chef eines Unternehmens oder gar eines ganzen Konzerns – die klassischen Karriereträume über viele Generationen hinweg.

Im Hintergrund nicht selten ein falsches Leistungsdenken, das den Wert eines Menschen vor allem über seine beruflichen Erfolge definiert.

Statt reiner Karriere Suche nach Sinnstiftung

Doch diese Zeiten sind wohl vorbei, jedenfalls für die Mehrheit. Laut Arbeitsbarometer des internationalen Personaldienstleisters Randstad von Anfang 2026 sollen mittlerweile 63% der Menschen im Arbeitsprozess verstärkt auf Sinnsuche setzen und halten die klassischen Karrieremuster für überholt.

Ebenso verzeichnet die Beratungsorganisation Managerseminare vor allem bei den jüngeren Führungskräften eine starke Zuwendung zu Werten, die sie höher priorisieren als  bloße Karrierepläne.

Wertekompass ohne Leistungsdenken

Somit ist Friedrich Rominger ein echter Trendsetter. Einer, der wirklich für eine Karriere bis an die Spitze seines Unternehmens geeignet ist, und der sich aufgrund seines Wertekanons dann doch anders entscheidet.

Wenn der innere Kompass etwas anderes sagt

Das Umdenken erfolgt an einem Punkt, an dem der nächste Karriereschritt schon vorgezeichnet scheint: Spitzenposition mit globaler Verantwortung, Entwicklungsleiter in einem internationalen Unternehmen, weltweite Steuerung von Teams und Projekten.

Doch eine wachsende innere Spannung bringt Friedrich Rominger zum Umdenken:

„Ich habe gemerkt, dass meine äußere Entwicklung nicht mehr zu meiner inneren Überzeugung passt“,

beschreibt Rominger rückblickend diese Zeit im Fak+or C-Interview von Michael vom Ende auf Hope TV.

 

Weg von erfolgszentriert hin zu stimmig

Und so setzt der erfahrene Manager nicht mehr auf eine rein „erfolgszentrierte“ Karriere, sondern eine Betätigung, bei der er sich stärker und explizit für seinen christlichen Glauben engagieren kann.

Dieser Glaube spielt schon früh eine Rolle. So ist Friedrich Rominger in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Als Jugendlicher trifft er eine bewusste Entscheidung dafür. Diese persönliche Dimension seines Glaubens wird somit schon früh zum Maßstab seines beruflichen Handelns.

Glaube an Gott als Kompass

Nicht, dass die Religion seine Karriere ersetzt, aber der Glaube an einen Gott, der jeden Menschen als Unikat geschaffen hat und persönlich liebt, der für Gnade, Gerechtigkeit und Erlösung steht, wird zu einem Kompass:

Welche Aufgabe übernehme ich? Welche Ziele verfolge ich auf dieser Basis und zu welchem Preis?

Statt linear phasenorientiert

Der Schritt raus aus dem Konzern ist daher kein spontaner Ausstieg oder gar eine Flucht. Vielmehr ist er für Friedrich Rominger ein Prozess, eine Schwerpunktverlagerung, die nicht das eine gegen das andere ausspielt, sondern seinen Fokus verlagert: raus aus Sicherheiten, Status und Struktur, hin zu Selbständigkeit, ehrenamtlichem Engagement und stärkerer inhaltlicher Ausrichtung an seinen Überzeugungen.

Damit zeigt Friedrich Rominger, dass eine Karriere längst nicht mehr linear verlaufen muss, sondern dass sich das berufliche Engagement immer stärker in individuellen Entscheidungen, in Clustern und neuen Betätigungsfelder erschließt.

Glaube als gleichwertige Entscheidungsgröße

Noch immer gilt hierzulande: Religion ist Privatsache oder fokussiert sich allzu oft auf rein spirituell meditative Übungen, die den Menschen das Leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft erleichtert oder sie in erster Linie fit halten soll für den Job.

Friedrich Romingers Weg zeigt jedoch, dass vor allem der christliche Glaube Werte enthält, die breiter angelegt sind, die mit Nächsten- und Feindesliebe über ein reines Wellnessprogramm für die Seele hinausweist, und zur handlungsleitenden Kraft wird, die sich ganz praktisch im Berufsalltag auf Basis der folgenden Fragen umsetzt:

Wie lassen sich Überzeugungen im Berufsalltag leben? Wie beeinflussen sie Menschenbild, Führungsstil, Entscheidungen und Umgang mit Verantwortung?

Rominger engagiert sich heute als Vorstandsvorsitzender in dem Netzwerk „Christen in der Wirtschaft“, wo genau diese Fragen diskutiert werden. Sein Anliegen: Führungskräfte sollen nicht zwischen Karriere und Überzeugung wählen müssen – sondern beides zusammenbringen.

Karriere neu denken

Friedrich Rominger steht somit exemplarisch für einen größeren Trend: Karriere wird individueller, werteorientierter und weniger vorhersehbar.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur: „Wie komme ich nach oben?“
Sondern: „Wo will ich überhaupt hin – und warum?“

Wer darauf eine Antwort findet, hat einen Vorteil, der sich nicht allein in einem tabellarischen Lebenslauf erfassen lässt, der aber das Bild des gesamten Menschen zeichnet, der wesentlich mehr ist als die Aneinanderreihung seiner Karriereschritte und seien sie noch so respektabel.

👉 Erkenntnisse auf einen Blick – was wir von Friedrich Rominger lernen können

👉 Fünf Fragen an Friedrich Rominger

Autor: Andreas Odrich