von Steffen J. Ehl
Im Vertrieb wird gute Kommunikation mit Kunden großgeschrieben. Auch ein Pastor muss seine Zuhörer erreichen. Der Vertriebs- und Marketingprofi Steffen J. Ehl führt an, was eine gute Predigt vor allem ausmachen sollte.
Manche Predigt ist mir eine Qual. Während der Pastor beim Referieren das Zeitgefühl verliert, fühle ich mich gefangen und suche den Notausgang. Obwohl ich in meinem Leben bislang etwa 2.000 Gottesdienste besucht habe, bin ich praktisch nie gefragt worden, was bei mir ankam.
Als Vertriebsprofi finde ich das irritierend. Im Unternehmen ist uns sehr daran gelegen, dass unsere Kommunikation für Kunden verständlich ist. Es zählt nicht, was gemeint war, sondern nur, was beim Empfänger ankommt. Um die Kommunikation zu überprüfen, investieren wir in Befragungen und fördern die Rückmeldung durch Anreize – zum Beispiel Rabatte.
Wenn mich jemand fragen würde, was ich mir von einer Predigt wünschte, wäre das meine Antwort:
-
Erklärung eines Bibeltextes. Mich interessiert keine individuelle Weltsicht, garniert mit einem Bibelzitat. Klingt altmodisch? Doch genau dafür gehe ich in die Kirche. Es wäre gut, wenn jeder seine Kernkompetenz ins Visier nimmt – der Pastor also die Bibel.
-
Persönliches Erleben. Der Prediger ist Mittler zwischen Gott und mir, ob er will oder nicht. Ich will ihn und seine Herausforderungen mit der Bibel kennenlernen.
-
Konkrete Anwendbarkeit. Die investierte Zeit sollte Frucht im Alltag bringen. Sind es nur warme Gedanken für den Sonntag gewesen, war es wertlos. Gute Predigten führen zu Verhaltensänderung.
Interaktiv statt Einbahnstraße
Und zur Vortragsweise: Ich schätze es, wenn die Predigt kurz und interaktiv ist. Eine Maximaldauer von 10 bis 15 Minuten hat der verstorbene Papst Franziskus angeordnet. Auch als Freikirchler spricht er mir da aus der Seele.
Kommunikation in nur eine Richtung stirbt aus – und das ist gut so. Auch Jesus hat seine Zuhörer nicht einseitig beschallt, sondern mit Fragen geführt. Warum tun wir es ihm nicht nach und erlauben den Zuhörern eine Antwort?
Die guten Predigten wiegen die qualvollen bei weitem auf. Daher werde ich weiter hoffnungsvoll den Gottesdienst besuchen – und nur bei Feuer den Notausgang verwenden.