Hannah Brocksieper: Was Frauen im Business wirklich brauchen

Warum Hannah Brocksieper für ehrliche Vorbilder statt für Idealfiguren plädiert

Internationale Erfahrung und Begegnung mit der rauen Wirklichkeit auf mehreren Kontinenten in acht Ländern, Studium im Großkonzern, parallel Engagement gegen Menschenhandel und heute selbständige Marketingberaterin in Stuttgart: Hannah Brocksiepers Lebenslauf wirkt außergewöhnlich vielseitig. Erst als Mutter musste sich die selbständige Unternehmerin plötzlich in ihrer Rolle als Frau in der Businesswelt erklären. Daraus zog sie Erkenntnisse, Schlüsse und Konsequenzen.

 

Kindheit in außergewöhnlicher Freiheit

Barfuß oder in Flip-Flops und den ganzen Tag draußen verbringen – Hannah kann sich keine schönere Kindheit vorstellen. Zwar wird sie in Deutschland geboren, dennoch verbringt sie ihr Leben auf dem halben Globus. Frankreich ist dabei, die Schweiz und dann eben auch Kamerun, das Land mit dem Leben in Flip-Flops.

Die Erklärung für diese globale Kindheit: ihr Vater bildet christliche Pastoren aus und ist dafür vor allem im Ausland tätig.

Das bedeutet für das Kind Hannah Natur, Freiheit und ganz selbstverständlich ein Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen.

 

Sehnsucht nach der ganzen Welt

Doch damit allein will sich die Teenagerin Hannah nicht zufriedengeben. Die Neugier nach weiteren Ländern und noch mehr Kulturen ist einfach zu groß: mit 16 ein Jahr USA, später Taiwan, Guinea, und Österreich.

Ihr Ziel: alle Kontinente bereisen. Wer sie fragt, wie sie sich wohl beschreiben würde, bekommt folgerichtig diese Antwort:

„Ich wollte immer Neues entdecken. Ein Teil von mir ist bis heute sehr neugierig.“

 

Realitäts-Check in Guinea

Doch was für Außenstehende wie ein schickes, hippes Weltenbummlertum klingen mag, ist streckenweise eine harte Begegnung mit der Wirklichkeit. So wie ihr freiwilliges soziales Jahr 2015 in Guinea, als das Ebola-Virus dort viele Tote unter den Infizierten fordert.

Viele, vielleicht auch manche romantischen Vorstellungen von erfolgreicher Sozialarbeit werden damals für sie infrage gestellt, wie Hannah Brocksieper rückblickend berichtet:

„Ich war damals noch sehr idealistisch, und dachte ich könnte die Welt retten. Dort habe ich jedoch gemerkt, wie komplex vieles wirklich ist.“

So stößt sie damals immer wieder an persönliche Grenzen. Aber gleichzeitig gelangte sie auch zu einer wichtigen Erkenntnis:

„Gutes tun braucht mehr als Idealismus.“

 

Herausforderungen systematisch anpacken

Im Anschluss entscheidet sie sich für ein duales Studium bei Bosch im Bereich International Business. Was zunächst eher pragmatisch klingt, entwickelt sich schnell zu echter Begeisterung, die sie heute so beschreibt:

„Ich habe gemerkt, wie spannend es ist, Ressourcen sinnvoll einzusetzen und Organisationen zukunftsfähig zu machen.“

Im Studium durchläuft sie unterschiedlichste Unternehmensbereiche und vertieft sich im Bereich Marketing.

Anschließend startet sie ihre erste Vollzeitstelle bei Bosch und träumt davon, später einmal ihre Erfahrungen in einer Non-Profit Organisation (NPO) einzubringen.

 

Vom Großkonzern zum Non-Profit-Sektor

Gesellschaftlich bringt sie sich weiter ehrenamtlich ein. Parallel zu ihrem Masterstudium findet man sie bei der International Justice Mission (IJM) – einer Organisation, die sich gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei einsetzt. In Österreich gründet Hannah mit Freunden dafür eigens eine IJM-Regionalgruppe.

Als zur selben Zeit eine NPO nach Unterstützung im Marketing sucht, ist das der Schlüsselmoment für Hannah: Sie gründet ihre Marketingagentur und berät Organisationen aus Gemeinnützigkeit und Wirtschaft dabei, online sichtbarer zu werden.

Damit zeigt sie, dass Strategie, Kreativität und Werteorientierung wie selbstverständlich zusammenpassen.

Kollision mit dem Rollenbild als Mutter

Dann kommt durch die Geburt ihres Sohnes ein neues Thema hinzu: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ab wann kann wieder gearbeitet werden? Wie lassen sich Alltag und Karriere sinnvoll zueinander bringen, und was bedeutet das konkret für die Gestaltung des Familienlebens?

Fragen, die sich bis heute für Frauen anders stellen als für Männer:

 „Vorher habe ich kaum darüber nachgedacht, ob ich als Frau im Business anders wahrgenommen werde.“

 

Flexibilität mit individueller Ausprägung

Gemeinsam mit ihrem Mann hat Hannah Brocksieper ein flexibles Familienmodell auf die Beine gestellt, das vor allem auf variablen Arbeitszeiten für beide basiert. So lassen sich für sie Selbständigkeit und Familienleben verbinden.

Überstülpen oder gar als Allheilmittel verkaufen möchte sie ihr persönliches Familienmodell nicht. Wichtig ist ihr daher:

„Es gibt keine allgemeingültige Lösung. Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden.“

Unterstützung organisieren und offen individuelle Lösungen bleiben – das sei das Wichtigste.

 

Echte Vorbilder – wichtiger als Idealfiguren

Der Austausch mit anderen Frauen ist ihr in diesen Fragen eine wichtige Hilfe. Dabei empfindet sie einen Bruch zwischen der perfekten Social-Media-Welt und dem „echten“ Leben.

Ihre Erkenntnis:

„Man sieht online oft ein glänzendes Bild von Frauen oder Männern, die scheinbar alles schaffen. Aber das ist selten die ganze Realität.“

Vorbilder entstünden daher vor allem für Hannah durch ehrlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung.

Auf der Suche nach echten Vorbildern möchte Sie sich daher nicht von idealisierten Zerrbildern frustrieren lassen. Ein Satz, der ihr dabei immer geholfen habe, ist dieser, auch wenn es ihr selbst an Mut eigentlich kaum mangelt:

„Viele da draußen sind gar nicht besser als du – nur mutiger.“

Deshalb animiert sie immer wieder andere Frauen, eigene Projekte zu starten, Dinge auszuprobieren und sich vor allem selbst etwas zuzutrauen. Und das sei eigentlich ganz leicht:

„Einfach anfangen, und schauen, was daraus entsteht.“

 

Glaube als Konstante

Bei allem Ortswechsel und bei aller Initiative gibt es dann doch die eine Konstante, die alles trägt: Hannahs christlicher Glaube.

Besonders während ihres Austauschjahres in den USA wird ihr bewusst, dass dieser Glaube ein wichtiger Halt für sie ist.

„Ich habe gemerkt: Gott ist unabhängig von Ort und Situation da.“

Dieser Glaube sorgt für Gottvertrauen, und macht deshalb so mutig, weil Hannah weiß, dass sie ihren eigenen Wert nicht durch Leistung oder Erfolg selbst erwirtschaften muss. Sie weiß sich von Gott geliebt und angenommen, wie sie ist.

 

Dankbar bleiben für das, was man hat

Neugierig bleiben, Neues wagen, das wird das einstige Mädchen mit den Flip-Flops in Kamerun wohl immer. Aber es ist keine Strategie, die dazu zwingt, ständig etwas anderem hinterherzujagen, um eine Leere zu füllen.

Denn wie damals in ihrer Kindheit kann sie auch heute vieles wertschätzen, was sie bereits erlebt, geschafft und geschaffen hat. Hannah Brocksiepers Quintessens im faktor c-TV-Interview bei Michael vom Ende auf Hope TV lautet daher ganz schlicht:

„Immer wieder Neues wagen – und gleichzeitig dankbar bleiben für das, was man hat.“

 

👉 Erkenntnisse auf einen Blick – was wir von Hannah Brocksieper lernen können

👉 Fünf Fragen an Hannah Brocksieper