Die Geschichte von Rudolf Gombrowski oder Damit Leben in der Wirtschaft gelingt

13.03.2020

Rudolf Gombrowski schließt sich außerhalb des Dorfes in das vom ihm erbaute Brunnenhaus ein. Zuerst wirft er sein Telefon in das klare Brunnenwasser. Dann setzt er sich. Und setzt seinem Leben mit seinem Cuttermesser, das er in seiner rechten Hosentasche immer bei sich trägt, ein Ende. Er schneidet sich die Pulsadern auf. Vier Wochen später findet man ihn.

Ein deprimierendes Ende eines bewegten Wirtschaftslebens. Der mächtige Gombrowski ist der wichtigste „Influencer“ in seinem Dorf. Er muss miterleben, wie zuerst sein geerbtes Land zwangsweise in der DDR als „Volkseigentum“ in die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) integriert wird. Nach der Wende machen sie ihn, den Großbauern, zum Geschäftsführer der aus der LPG hervorgehenden „Oekologica GmbH“. Erst wirtschaftet er erfolgreich, aber dann werden die Geschäfte schlechter. Er kündigt seinen Mitarbeitern, die sich an ihm rächen. Der wirtschaftliche Neuanfang, in greifbarer Nähe, zerplatzt wie eine Seifenblase. Und dann verlässt ihn seine Frau. Das ist zuviel, obwohl er sie nicht liebt, sondern sich nur aus innerer Verpflichtung nicht scheiden lässt.

Rudolf Gombrowski ist einer der Hauptfiguren in Juli Zehs 2016 erschienenem Roman „Unterleuten“, der in den letzten Tagen als ZDF-Dreiteiler ausgestrahlt wurde. Es sind Geschichten wie die vom – fiktiven – Gombrowski, die unser Leben ausmachen. Der dritte Teil des Films endet übrigens mit diesen Worten: „Und die Menschen erzählten sich Geschichten über das, was geschehen war. Und ihre Geschichten legten sich übereinander wie Gesteinsschichten – und was geschehen war, geriet darunter zusehends in Vergessenheit. Und jeder erzählte seine eigene Geschichte und jeder glaubte sich im Recht. Und jeder hatte seine Gründe.“

Wir in der Wirtschaft haben alle unsere Geschichte zu erzählen. Wir erzählen gerne unsere Geschichte, wenn das Leben gelingt. Die dunklen Seiten behalten wir eher für uns. Aber was ist eigentlich „gelingendes Leben in der Wirtschaft“? Ist der Claim unserer Initiative „Damit Leben in der Wirtschaft gelingt.“ zu steil oder glatt, zu hohl oder hochglanzpoliert?

Claims versprechen viel. Erheben einen Anspruch. Wecken Neugierde. Können Missverständnisse hervorrufen. Fordern Leser heraus. Fordern aber auch den heraus, der mit dem Claim wirbt. Und so stellen sich Fragen: Was ist ein „gelingendes Leben“ in der Wirtschaft? Und was tut die „faktor c, eine Initiative von Christen in der Wirtschaft“, damit Leben in der Wirtschaft gelingt?

Gelingendes Leben in der Wirtschaft ist sicher Erfolg

Wohlstand, Gewinne, Einkommen, Position und Anerkennung durch Statussymbole. Natürlich sind Gewinne wichtig und entscheidend für den Unternehmenserfolg. Wer aber weiter nachdenkt über dieses Wort „Erfolg“, der sieht über sich und seine eigene Person und Position hinaus: „Unternehmenserfolg ist ein subjektiver Begriff, der zumindest die Dimensionen Gesellschaft, Geschäftsidee, Sinn, Mensch und Ökonomie umfasst. Eine objektive Feststellung, welche dieser oder weiterer Dimensionen relevant sind, ist unmöglich.“ (Andreas Zeuch). Und schon öffnet sich eine sehr differenzierte Sicht auf das Handeln in der Wirtschaft. Und auf Erfolg und „gelingendes Leben“ in der Wirtschaft.

Gelingendes Leben in der Wirtschaft ist manchmal weniger als Erfolg

Wenn die Dimension „Ökonomie“ nur ein Teil des Unternehmenserfolgs ist, scheitert gelingendes Leben in der Wirtschaft dann, wenn dieser Teil gerade fehlt oder ausbleibt? Wenn die Geschäftsidee nicht mehr trägt oder die Bedürfnisse der Gesellschaft sich verändern, wenn die richtigen Menschen fehlen, um das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen oder der Sinn der eigenen Arbeit und Anstrengung verloren geht; kann das Leben in der Wirtschaft dann trotzdem gelingen? Und wenn ja, wie? Es hängt davon ab, was für uns zu solch einem gelingenden Leben in der Wirtschaft dazugehört. Und darüber wollen und müssen wir reden. Und unsere Wirtschaftsgeschichten erzählen vom Erfolg, vom Scheitern und vom Gelingen…

Gelingendes Leben in der Wirtschaft ist bestimmt mehr als Erfolg

Die Managementdenkerin, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach Anne M. Schüller schreibt in ihrem lohnenswerten Aufsatz „Purpose statt Leitbild: Wie Unternehmen sich neu erfinden“ über „höhere Ziele und den tieferen Sinn, also den ‚Purpose‘“. Darin nennt sie Werte, die zu gelingendem Leben und gelingendem Wirtschaften beitragen, z. B. Glück, Wohlbefinden, Seelenfrieden und Sinn. Jedes dieser Worte mit seinem süßen Klang und gleichzeitig seiner Sehnsucht will gefüllt werden mit Inhalten und echten Geschichten.

Wir von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft, haben solche Geschichten. Unser faktor c heißt Christus – und es ist unsere Überzeugung, dass nur er es ermöglichen kann, dass Leben in der Wirtschaft gelingt. Er gibt denen, die im Vertrauen entgegenbringen, Würde und Wert, er blickt hinter ihre Scham und vergibt ihre Schuld, er eröffnet Zukunft und Hoffnung. Bespielgeschichten haben wir – aus der Bibel und aus unserem eigenen Leben. Wir sammeln und erzählen sie. Sie sind für uns Anlass zu forschen und darüber zu schreiben. Sie prägen und ermutigen uns. Sogar und erst recht dann, wenn der wirtschaftliche Erfolg kurzzeitig oder manchmal auch dauerhaft ausbleibt. Der fiktive Rudolf Gombrowski in „Unterleuten“ war ein Steh-Auf-Männchen und ein Siegertyp. Trotzdem ist am Ende sein Leben – nicht nur in der Wirtschaft – nicht gelungen. Wir wollen im echten Leben mithelfen, dass Leben in der Wirtschaft gelingt.

Michael vom Ende, Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft