Gott ist noch nicht fertig!

Gott ist noch nicht fertig!

Im vorletzten Kapitel der gesamten Bibel, im Buch der Offenbarung Kapitel 21, Vers 5, steht ein kurzer, inhaltsschwerer Satz. Mitten im Schlussakkord des großen und großartigen Zukunftsbildes der Weltgeschichte versteckt er sich. An ihm macht sich unsere Hoffnung fest, heute und jeden Morgen neu aufzustehen und motiviert unsere Bestimmung zu suchen und zu leben. 

Kurz ist er, dieser Satz: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21, 5) Fünf Worte, im griechischen Originaltext sind es sogar nur vier Worte: „Siehe, neu (ich) mache alles.“ – δο καιν ποι πάντα (Idou kaina poio panta). Vier Worte, die es in sich haben. Vier Gedanken zu vier Worten:  

1. Schau hin: „Siehe“ 

Mit dem Wort „SIEHE“ beginnt der Vier-Worte-Satz. Von Zeit zu Zeit müssen wir hingewiesen werden auf die Dinge, die wir vielleicht sehen, aber nicht wirklich wahrnehmen. Schau hin! Lenke deinen Fokus auf das, was wichtig ist und jetzt kommt. „Alle mal herhören!“. „Augen auf!“. „Achtung!“. „Konzentration!“. Das alles steckt in diesem ersten Wort „SIEHE“ drin. Also, aufgepasst:  

2. Es wird anders: „neu 

Alleine das Wort NEU triggert uns. Menschen zu allen Zeiten waren und sind neu-gierig. Und wenn ein Artikel, ein Produkt, ein Angebot oder eine Sache mit dem Label „neu“ versehen wird, können wir sicher sein, dass es Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und wenn „neu“ draufsteht, dann kann es vieles bedeuten: Das Produkt kann refurbished, erneuert sein – wie neu! Oder es kann „weiterentwickelt“ worden sein. Oder es hat es tatsächlich so noch nicht gegeben, eine Neuerfindung. Das Wort „neu“ triggert uns besonders dann, wenn das Bekannte, das Alte, das Bisherige nicht gut oder nicht mehr gut ist. Wenn Gott etwas NEU macht, dann kann er alles: von „refurbished“ bis „noch nie dagewesen“.   

3. Es läuft: „mache ich“ 

MACHE ICH.“ – Gott ist ein Macher. Ein Macher der besonderen Art. Er macht Dinge neu, oft aus dem Nichts. Schon das zweite Wort der (hebräischen) Bibel ist das Wort „machte, schuf“. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Er macht auch ein neues Herz, einen neuen Bund, einen neuen Himmel und eine neue Erde – und alles andere auch. Er macht, weil er die Macht hat. Er macht, weil er es mag. Er macht die Dinge selbstbewusst, sitzt am Ende der Zeiten auf dem Thron und sagt wie selbstverständlich „MACHE ICH.“ Und es gilt, was immer galt: Wenn Gott etwas sagt, dann macht er es auch!   

4. Keine Ausnahmen: „alles“ 

Unfassbar: Neu macht Gott ALLES, nicht nur einiges oder manches. Soviel Kraft und Macht hat kein Mensch, kein Volk und keine Community auf dieser Welt, dass er, es oder sie alles neu machen könnte. Wir entwickeln ein neues Produkt, gründen eine neue Firma, erneuern unsere privaten und beruflichen Schwerpunkte, entwickeln etwas Neues. Vielleicht machen wir diese Dinge nicht nur ein-, sondern mehrmals. Aber niemals schaffen wir Menschen, alleine oder mit anderen, ALLES neu zu machen.  

Am Ende der Zeiten sitzt Gott auf dem Thron und sagt diesen Satz. Der Widerhall dieses Ausspruchs wird überall zu hören sein. Und klingt sogar hinein in diesen Moment, wo wir diesen Vier-Worte-Satz heute lesen und hören. Siehe, neu mache (ich) alles“. Am Ende der Zeiten, aber auch jetzt gerade in diesem Moment. Denn Gott ist noch nicht fertig. Dieser Vier-Worte-Satz hat Kraft für heute: 

SIEHE: Achte darauf, wie Gott jetzt gerade dich verändert – in deinem Denken und Glauben, deinem Fühlen und Wollen.  

NEU: Vertraue darauf, wie Gott Haltungen und Einstellungen, aber auch Situationen und Lebensbedingungen neu macht.  

MACHE ICH: Schaue Gott zu, wie er mit seiner einzigartigen Macht in der Welt wirkt.  

ALLES: Und warte gespannt darauf, wie Gott am Ende der Geschichte, wie wir sie kennen, alles neu machen wird.  

Michael vom Ende, im Januar 2026
Geschäftsführer faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft
www.faktor-c.org 

 

Licht soll erstrahlen

Licht soll erstrahlen

In diesem Jahr ist in Norwegen ein neues Weihnachtslied entstanden.  Lyset skal stråle – Licht soll erstrahlen. Geschrieben von Hans-Olav Mørk und Tore W. Aas. Letzterer ist Chorleiter des auch über Europa hinaus bekannten Oslo Gospel Choir, und ich habe das Vorrecht, mit ihm befreundet zu sein.  

Das Lied hat eine wunderbare Botschaft für die Advents- und Weihnachtszeit, in der wir – in diesem Jahr besonders – intensiv nach Hoffnung, Freude und Frieden suchen. Die Liedschreiber haben mir die Erlaubnis gegeben, den von mir erstellten deutschen Text zu verwenden. Und so tue ich es hiermit. Am Ende hänge ich die digitalen Hinweise auf die gesungenen Versionen an; im norwegischen Original und in meiner deutschen Übersetzung. Ich wünsche Segen, Freude und einen starken Moment der Hoffnung auf Gottes Licht und seinen Frieden beim Lesen des Textes und Hören des Liedes. 

Licht soll erstrahlen (Friedenszeit) 

Refrain 

Licht soll erstrahlen,
die Dunkelheit weicht.
Jetzt strahlt die Freude wie die Dämm‘rung, die uns am Morgen erreicht.
Die Nacht ist zu Ende,
das Licht kommt von weit.
Für alle Menschen heißt die Botschaft: Friedenszeit! 

1. Strophe

Wer davon noch träumt,
dass der Tag des Friedens nah ist,
sieht ein Himmelslicht, hört die Engelsheere sing‘n.
Unterm Sternenmeer
singen sie von Hoffnung, Freude:
Gott ist hier, als Neugebor‘ner ist er uns ganz nah. 

Refrain 

Licht soll erstrahlen,
die Dunkelheit weicht.
Jetzt strahlt die Freude wie die Dämm‘rung, die uns am Morgen erreicht.
Die Nacht ist zu Ende,
das Licht kommt von weit.
Für alle Menschen heißt die Botschaft: Friedenszeit! 

2. Strophe

Zu ihm woll’n wir gehen,
wie er ruht in seiner Krippe,
Hoffnung gibt er uns, Licht in dieser dunklen Nacht.
Himmelskönigs-Sohn,
knien wir an deiner Krippe,
hängen wir an deinen Lippen: Es wird Friedenszeit. 

Refrain  

Licht soll erstrahlen,
die Dunkelheit weicht.
Jetzt strahlt die Freude wie die Dämm‘rung, die uns am Morgen erreicht.
Die Nacht ist zu Ende,
das Licht kommt von weit.
Für alle Menschen heißt die Botschaft: Friedenszeit! 

T/M: Tore W. Aas/Hans-Olav Mørk („Lyset skal stråle“)
deutsche Übersetzung: Michael vom Ende 2025
Hör-Link zum norwegischen Original: https://youtu.be/40BVfiZbd4o?si=PH1OhOVil4ied6qQ 
Hör-Link zur deutschen Übersetzung:  https://youtu.be/d6dY5-IbmYY

Michael vom Ende 
Geschäftsführer faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft
www.faktor-c.org 

Eroberer reisen in Teams

Eroberer reisen in Teams

Vier Worte. Ein Satz, der es in sich hat. Eine einfache Wahrheit. Und mir fallen sofort Beispiele ein: 

Beispiel 1: Wie geht eine erfolgreiche Kaninchenjagd? Man nehme als Team einen Bussard, ein Frettchen und zwei Menschen. Einer setzt das Frettchen an einen Kaninchenbau, in dem es dann verschwindet und die Kaninchen aus dem Bau treibt. Der zweite hält den Bussard auf der Hand und lässt ihn fliegen und jagen, sobald der andere ein aufgescheuchtes Kaninchen sichtet. „Eroberer reisen in Teams.“ 

Beispiel 2: Im Frühjahr 2019 wurde das erste Foto von einem schwarzen Loch im Weltall der staunenden Weltöffentlichkeit präsentiert. 4,5 Milliarden Menschen haben dieses Foto gesehen. Die Vorgeschichte begann vor ca. 15 Jahren. Da taten sich Forscher, Astronomen und Astrophysiker zusammen, schalteten mehrere Observatorien auf der ganzen Welt zusammen und konnten so den Traum von diesem Foto wahrmachen. „Eroberer reisen in Teams.“ 

Beispiel 3: In der höchst erfolgreichen Serie „Game of Thrones“ im letzten Jahrzehnt wurde die fiktive Geschichte von den sieben Königslanden erzählt: Haus Stark und Haus Lennister sind zwei von diesen sieben, die in Kämpfen und Intrigen, mit strategischen Hochzeiten und gezielten Morden um die Herrschaft und um das Überleben kämpfen. Als sich im Verlauf der Serie neue und gefährliche Gegner zeigen, wird immer deutlicher, dass es nur eine Zukunft gibt, wenn man ihnen gemeinsam begegnet. „Eroberer reisen in Teams.“ 

Beispiel 4: Ein Blick in die Heilige Schrift lehrt: Die ersten Menschen waren zwei. Ein Team, das den feindlichen Lebensraum erobern musste. Mose sandte vor der Eroberung des versprochenen Landes Israel ein Erkundungsteam mit 12 Mitgliedern aus. Jesus Christus schickte seine Nachfolger immer in Zweiterteams als Vorhut an verschiedene Orte: „Danach setzte der Herr zweiundsiebzig andere ein und sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er gehen wollte.“ (Lukas 10, 1) Der Völkerapostel Paulus gründete Gemeinden in Teams. Allen gemeinsam war, dass sie etwas erobern wollten: Die einen Land und Lebensraum, die anderen Herzen und Köpfe. „Eroberer reisen in Teams.“ 

Beispiel 5: Die Herausforderung der Digitalisierung, auch im deutschen Mittelstand, kann die einzelne Firma nur schwer selbst bewältigen. „Digitale Genossenschaften“ schlägt z. B. unser Mitglied Dr. Daniela Eberspächer-Roth vor. Ihren Artikel, aus dem die Überschrift dieses Textes stammt, lesen Sie gerne hier selbst noch einmal nach. „Eroberer reisen in Teams.“ 

Wenn Christinnen und Christen andere in ihrem wirtschaftlichen Umfeld beeinflussen und ihnen ihre Erfahrungen mit Gott bezeugen wollen, müssen zweierlei Bedingungen erfüllt sein: Sie haben solche Erfahrungen gemacht. Und sie suchen ihresgleichen und tun sich mit ihnen zusammen. Das legen viele Beispielgeschichten aus der Heiligen Schrift nah. Denn: „Eroberer reisen in Teams.“ Willst du erobern – ein Geschäftsfeld, Menschenherzen, ein (geografisches) Gebiet für die Guten Nachrichten von Jesus Christus, ein gesellschaftliches Thema, eine Position im Sport oder in der Politik? Dann suche Gleichgesinnte, Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die das Ziel teilen – und den Erfolg möglich machen. 

Michael vom Ende, im November 2025 
Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft 

Die Versuchung, mächtig zu werden

Die Versuchung, mächtig zu werden

Wie geht eigentlich christlich geprägte Menschenführung, wenn ich Verantwortung für Mitarbeitende, Untergebene, Kollegen, Stakeholder und andere in der Wirtschaft habe? Das ist eine Frage, die zuerst darauf abzielt, wie ich selbst bin bzw. sein muss. Hier kommt nach dem ersten Versuch einer Antwort mit „Die Versuchung, unentbehrlich zu werden“ und einem zweiten mit „Die Versuchung, beliebt zu werden“ der dritte Teil dazu.  

Die Versuchung, mächtig zu werden 

Wer führt, hat Macht. Eine Firma führen, Mitarbeitende führen, die Geschäfte führen, das alles geht nicht ohne Macht. Gleichzeitig ist Macht eine scharfe Waffe, um gegen andere zu kämpfen, seine eigene Position zu festigen, zu verteidigen oder auszubauen. Macht zu haben ist nötig, Macht haben zu wollen eine Versuchung! 

Henri J. M. Nouwen, der niederländische katholische Theologe, Priester und Psychologe macht in seinem leider vergriffenen Buch „Seelsorge, die aus dem Herzen kommt – Christliche Menschenführung in der Zukunft“ eine interessante Gegenüberstellung: Er stellt die drei Versuchungen von Jesus durch den Teufel (Matthäus 4, 1 – 11) den drei Fragen von Jesus an Petrus (Johannes 21, 15 – 19) gegenüber. In diesem dritten Teil schreibe ich über die Versuchung, mächtig zu werden. Diese Versuchung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen zwei Sorgen: mächtig zu führen – und ohn-mächtig geführt zu werden. Dieses dritte Spannungsfeld mag wieder überraschen.  

Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“ (Matth. 4, 8 – 9) So lautete die zweite Versuchung des Teufels in der o. g. biblischen Geschichte.  Die radikale Botschaft: Anerkenne nicht Gott im Himmel, sondern seinen Gegenspieler, den Satan, als den Herrn – und werde mächtig, weil er dir dann Macht verleiht. 

Wer verleiht mir Macht – und wie gehe ich mit ihr um? 

Ohne Macht geht es nicht in dieser Welt. Wer verleiht sie uns? Meine Position, ich selbst, mein Erfolg, Gott? Macht wird zum Führen ge-, aber auch missbraucht. Wie gehen wir mit unserer Macht um? Aus der Fürsorge des Stärkeren wird schnell das Recht des Stärkeren. Richtig führen kann ich nur, wenn ich um die Notwendigkeit von Macht einerseits, aber auch um die Gefahr andererseits weiß. Es ist gut, die Antworten auf die Fragen in diesem Abschnitt zu suchen und zu kennen! 

Bin ich bereit, mich von anderen führen zu lassen? 

Jesus Christus macht ein geheimnisvolles Verhältnis auf von „führen – und geführt werden“: Wer andere führt, setzt seine Macht ein. Wer sich von anderen führen lässt, gibt seine Macht ab, wird ohn-mächtig. Jesus setzte bei einer der letzten Begegnungen mit seinem Jünger Petrus, der sich – so im Neuen Testament immer wieder nachzulesen – auf seine Macht mit Worten, Taten und Waffen verließ, ein deutlich anderes Signal: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.“ (Johannes 21, 18) 

Die Botschaft ist klar: Nur wer sich ohn-mächtig führen lassen kann, kann richtig mit seiner eigenen Macht über andere umgehen. Nur wer Ohnmacht kennt, kennt die Untiefen der Macht. Wer sich von Jesus Christus darin trainieren lässt, sich von ihm – und dann auch von anderen – führen zu lassen, der kann andere führen und entgeht der Gefahr, seine Macht zu missbrauchen.  

So also könnte die dritte Antwort auf die Frage aussehen, wie christlich geprägte Menschenführung geht, wenn ich Verantwortung für andere in der Wirtschaft habe: Sich dauerhaft von Jesus Christus formen, prägen und führen zu lassen und sich darin zu üben, auch sich von anderen führen zu lassen.  

Michael vom Ende, im Oktober 2025 
Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft 

Die Versuchung, beliebt zu werden

Die Versuchung, beliebt zu werden

Wie geht christlich geprägte Menschenführung, wenn ich Verantwortung für Mitarbeitende, Untergebene, Kollegen, Stakeholder und andere in der Wirtschaft habe? Das ist eine Frage, die zuerst darauf abzielt, wie ich selbst bin bzw. sein muss. Hier ist nach dem ersten Antwortversuch mit „Die Versuchung, unentbehrlich zu werden“ der zweite Teil dazu. Der dritte und letzte Teil folgt im Oktober 2025. 

Die Versuchung, beliebt zu werden 

Unpopuläre Entscheidungen zu treffen und mitzuteilen, mag keiner gerne! Wer kennt als Verantwortlicher in der Wirtschaft nicht die Versuchung, den vermeintlich leichteren Weg zu wählen und sich bei seinen Kollegen und Untergebenen beliebt zu machen, indem er oder sie gegen seine eigene Überzeugung oder besseres Wissen falsche Entscheidungen kommuniziert? 

Henri J. M. Nouwen, der niederländische katholische Theologe, Priester und Psychologe macht in seinem leider vergriffenen Buch „Seelsorge, die aus dem Herzen kommt – Christliche Menschenführung in der Zukunft“ eine interessante Gegenüberstellung: Er stellt die drei Versuchungen von Jesus durch den Teufel (Matthäus 4, 1 – 11) den drei Fragen von Jesus an Petrus (Johannes 21, 15 – 19) gegenüber. Hier schreibe ich in diesem zweiten Teil über die Versuchung, beliebt zu werden. Diese Versuchung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen zwei Sorgen: beliebt zu werden – und Schuld eingestehen können. Diese zweite Sorge mag wieder überraschen.  

Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 

6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« (Matthäus 4, 5 – 6). So lautete die zweite Versuchung des Teufels.  Tu etwas, was Applaus einbringt und was dich beliebt macht, weil du Superkräfte hast.  

Mögen mich die anderen? 

Die Menschen sind sicher alle sehr unterschiedlich, was die „Anfälligkeit“ für das Gefühl angeht, be- und geliebt zu sein. Aber sie sind alle empfänglich für dieses Gefühl. Es ist wichtig für unser Selbstwertgefühl und auch für die Einschätzung, wo unser Platz im Team ist und wie wir mit ihm harmonieren. Auch deshalb ist Teamwork wichtig. Wir lernen, uns als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen und den Fokus nicht ausschließlich auf uns selbst zu richten. 

Jesus hatte das erkannt, als er am See Genezareth dreimal zu seinem Jünger Petrus sagte: „Weide meine Schafe!“ (Joh. 21, 15 – 17) Petrus wusste, dass Jesus dabei das Team wichtig war und er die Jünger immer in Zweierteams im Einsatz sehen wollte. Also: Kümmert euch um die anderen – und macht das im Team! 

Kann ich Schuld eingestehen – und verzeihen? 

Das ist er Ansatz gegen die Versuchung beliebt zu werden: Setze den Fokus auf das Team. Dort erhältst du Zustimmung und Applaus. Aber du kannst und musst ihn auch geben. Wo ist dein Team? Wo ist dein Übungsplatz, wo du Fehler machst und lernen musst, Schuld einzugestehen? Weil wir eben nicht Superman oder Super Woman sind, machen wir Fehler. Im Team können wir lernen, Schuld einzugestehen. Und wir haben ein hervorragendes Übungsfeld, anderen ihre Fehler zu verzeihen. Auch das hilft zu einem guten Teamwork. 

Wir sollten nicht proaktiv dagegen arbeiten, beliebt zu werden. Aber wir sollten auch nicht proaktiv dafür arbeiten, beliebt zu werden! Jesus Christus selbst lehrt uns, dass beliebt werden zu wollen ein falsches Ziel ist. Hier helfen Teamwork und die Übung, Schuld einzugestehen und zu verzeihen. 

So also könnte die zweite Antwort auf die Frage aussehen, wie christlich geprägte Menschenführung geht, wenn ich Verantwortung für andere in der Wirtschaft habe: Sich im Team um andere kümmern. Sich gleichzeitig verwundbar machen, seine Schwächen eingestehen und anderen verzeihen.  

Michael vom Ende, im September 2025 
Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft 

Die Versuchung, unentbehrlich zu werden

Die Versuchung, unentbehrlich zu werden

Wie geht eigentlich christlich geprägte Menschenführung, wenn ich Verantwortung für Mitarbeitende, Untergebene, Kollegen, Stakeholder und andere in der Wirtschaft habe? Das ist eine Frage, die zuerst darauf abzielt, wie ich selbst bin bzw. sein muss. Sind Sie bereit für die Suche nach der Antwort auf diese Frage? Hier ist der erste Teil dazu. Die beiden nächsten Teilen folgen im September und Oktober 2025.  

Die Versuchung, unentbehrlich zu werden 

Aus gegebenem Anlass will ich einige Gedanken weitergeben, die mich selbst in den letzten 35 Jahren geprägt haben. Sie stammen von Henri J. M. Nouwen, dem niederländischen katholischen Theologen, Priester und Psychologen. Er hat in seinem leider vergriffenen Buch „Seelsorge, die aus dem Herzen kommt – Christliche Menschenführung in der Zukunft“ die drei Versuchungen von Jesus durch den Teufel (Matthäus 4, 1 – 11) den drei Fragen von Jesus an Petrus (Johannes 21, 15 – 19) gegenübergestellt. In diesem ersten Teil geht es um die Versuchung, unentbehrlich zu werden. Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen zwei Sorgen: gebraucht zu werden – und beten zu können. Diese zweite Sorge mag überraschen.  

Ein kürzlich veröffentlichter Brief gab den Auslöser für meinen heutigen Beitrag:
„Ich bin im 84. Lebensjahr und leide an sogenannten Altersdepressionen. Da macht man sich auch Gedanken darüber, ob man überhaupt noch gebraucht wird.“ Dieser Satz stammt aus dem öffentlich gemachten Brief des langjährigen und bekannten Unternehmers Wolfgang Grupp, den er als Ruheständler im Juli 2025 nach einem Suizidversuch an seine ehemalige trigema-Belegschaft schrieb. Zunächst ist natürlich der Hinweis auf die Altersdepression als Krankheit so wichtig, dass er selbst im PS. seines Briefes schreibt: „Meine Bitte an alle, die an Depressionen leiden: Suchen Sie sich professionelle Hilfe und begeben Sie sich in Behandlung.“ Daneben ist aber die von ihm aufgegriffene Frage existenziell: Werde ich (noch) gebraucht? Diese Frage steht für die erste große Versuchung an alle, die Verantwortung für andere haben, unentbehrlich zu werden. 

Werde ich (noch) gebraucht? 

Diese Sorge betrifft unsere eigene Wichtigkeit, ja unsere Identität. Diese Sorge gehört zu uns, aber sie kann ein Hinweis darauf sein, dass wir unsere Bedeutung festmachen an unserer Position, unser Funktion und unserer Rolle im Blick auf die Verantwortung für andere. Das Wissen gebraucht zu werden, tut gut und kann uns zutiefst erfüllen. Aber es hat dann eine gefährliche Untiefe, wenn dieses Wissen schwankt oder zeitweise oder ganz verschwindet. 

Der Nachfolger (Jünger) und spätere Apostel Petrus wurde, so beschreibt es die Bibel, gebraucht. Er sollte eine leitende Verantwortung für die wachsende, international aufgestellte Gruppe der Christinnen und Christen übernehmen. Aber vorher stellte Jesus Christus ihm in einem Klärungsgespräch eine überraschende, aber richtungsweisende Frage: „Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ (Joh. 21, 15) Jesus zuhören, seine Fragen aufnehmen, eine Antwort finden – das ist der Inbegriff von Beten. Und so lautet die zweite, viel wichtigere Sorge: 

Kann ich beten? 

Das zuhörende, Jesus betrachtende Gebet ist keine Leistungsschau der eigenen Stärken, keine jammernde Ansammlung der eigenen Schwächen, sondern eine intensive und fokussierte Beschäftigung mit Jesus Christus – durch Nachlesen in der Bibel, durch Nachdenken, durch Nachsprechen vor formulierten Gebeten, durch Nachvollziehen, wie das Wesen und die Art von Jesus sind. Spätestens, wenn die Frage „Werde ich überhaupt (noch) gebraucht“ fordernd an unser Leben klopft, wird entscheidend sein, ob wir uns für unentbehrlich halten. Gebraucht zu werden, ist gut. Beten zu können ist besser! 

So also könnte die erste Antwort auf die Frage aussehen, wie christlich geprägte Menschenführung geht, wenn ich Verantwortung für andere in der Wirtschaft habe: Es genießen, gebraucht zu werden. Und gleichzeitig geübt sein zu beten, auch wenn ich nicht (mehr) gebraucht werde. Denn es lehrt uns, dass wir nicht unentbehrlich sind. 

Michael vom Ende, im Juli 2025 
Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft