Gesehen werden. Und Gehört. 

Gesehen werden. Und Gehört. 

Vor einiger Zeit bin ich eingeladen worden, eine regelmäßige Interviewreihe im bundesweiten – und via Internet weltweiten – Fernsehen und weiteren digitalen Verbreitungswegen zu moderieren. Der Sender, Hope TV, war angetan von dem Gedanken, Christinnen und Christen zu ihren Erfahrungen, Einsichten, Werten und Überzeugungen im Bereich der Wirtschaft sichtbar und hörbar zu machen.  

 Bisher hatte ich das Vorrecht, 45 Unternehmerinnen und Unternehmer oder leitende Führungskräfte als Gäste begrüßen zu dürfen. Darunter waren z. B. Martin Daum, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Daimler Truck, die Unternehmerin Nora Oelkers, die mit Gottes Hilfe und zu seiner Ehre zwei *****Hotels führt, Friedrich Rominger, der zuletzt den Entwicklungsbereich von Continental Automotive leitete und aktuell der Vorsitzende von faktor c ist, Hanna Brocksieper, die nach einigen Jahren Wirtschaftserfahrung sich als junge Unternehmerin selbstständig macht oder Christian Filseth, der  Verantwortung für das europäische Auslandsgeschäft bei der Sicherheitsfirma Abus trägt.

Eines der auffälligsten Zwischen-Fazite nach der ersten Staffel ist dieses: Dass Menschen „Gesehen werden. Und gehört“ werden, wurde in den Gesprächen überdurchschnittlich oft erwähnt und betont im Blick auf Verantwortung und Führung.

 
Gesehen werden. 
Nicht jede oder jeder, der einen Raum betritt, erfüllt ihn gleich mit ihrer oder seiner Aura. Nicht jeder fällt gleichermaßen bei der Führung eines Teams oder der Suche nach dem richtigen Menschen für eine zu besetzende Stelle auf. Aber jede und jeder hat das Recht, gesehen zu werden. Wahrgenommen – und ernstgenommen. Mit der eigenen Geschichte, den Fähigkeiten, den (Fach-)Kenntnissen, den Stärken und Schwächen.  

Die Bibel erzählt sehr detailliert und intim auf ihren Anfangsseiten von einer Frau, deren Namen wir bis heute kennen. Sie heißt Hagar – und leidet genau darunter, dass sie in ihrem „Eingeklemmt sein“ zwischen zu erfüllenden Pflichten und eigenen Träumen nicht als Mensch wahr- und ernstgenommen wird. Sie flüchtet sprichwörtlich aus ihrer Situation und begegnet Gott, dem sie das Leid klagt, dass er schon lange sieht. Da fühlt sie sich ernstgenommen. Ihr tiefer Wunsch geht in Erfüllung, gesehen zu werden. Und sie spricht es in dieser Gottesbegegnung aus: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (Genesis 16, 13)

Und Gehört.
Es ist so eine Sache mit der Stimme. Die eine hat eine sehr laute, den anderen hört man kaum beim Reden. Die Stimme des einen klingt schrill, die der anderen piepsig. Unsere Stimme ist das Ergebnis von körperlicher Entwicklung, aber auch von Psyche und Übung. Glauben Sie mir, ich kann das als staatlich geprüfter Chorleiter aus vielen Erfahrungen so schreiben. Der eine kann die anderen niederbrüllen, die andere schafft es nicht, in der Diskussion gehört zu werden. 

Die Bibel erzählt sehr detailliert und intim in ihrem ältesten Evangelium, dem von Markus, von einem Mann, dessen Namen wir bis heute kennen. Er heißt Bartimäus – und leidet darunter, dass er in seinem „Eingeklemmt sein“ zwischen der ewigen Dunkelheit seines Blindseins und dem Wunsch nach sehenden Augen nicht wahr- und ernstgenommen wird. Er muss sich täglich zum Betteln auf die Straße setzen und begegnet Jesus Christus, dem er hinterherschreit. Der hört ihn und geht zu ihm. Seine Sehnsucht findet ihr Ziel, gehört zu werden. Wir lesen beim Evangelisten über Bartimäus: „Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ (Markus 10, 48) 

Es gehört zu unseren großen Bedürfnissen, gesehen zu werden. Und gehört.  Und die Kehrseite? Wenn alle das Bedürfnis haben, gesehen zu werden und gehört, dann ist es für Christinnen und Christen eine wunderbare Steilvorlage, wie Jesus als „Vormacher“, Mitarbeitende und Marktteilnehmer, Machtbesessene und Mutlose, zu sehen und zu hören. 

Sehen. Und Hören. 
Wer sehen will muss die Augen öffnen, den Blick schärfen, genau zu schauen. Das braucht den Willen, die Anstrengung und die Zeit. Sehen, zur Schärfung vielleicht mit Brille und Lupe, mit geübtem Blick hinter das Vordergründige, mit einem Herzen, das verstehen und den anderen wahrnehmen will. 

Wer hören will, muss feine Gehörgänge haben, die Geräusche und die suchen, konzentriert hinzuhören. Das braucht den Willen, die Anstrengung und die Zeit. Hören, vielleicht mit Ohrspülung und Kopfhörer, mit feinem Sensor für die Zwischentöne und die versteckten Botschaften, mit einem Herzen, das hören, verstehen und den anderen wahrnehmen will. 

Das ist eine Anstrengung, aber für die und den anderen eine Wohltat. 

Zum christlichen Menschenbild gehört die Menschenwürde. Jesus Christus kennt unser Bedürfnis, gesehen zu werden. Und gehört. Und es steht uns gut an, die Würde des anderen zu respektieren, indem wir ihn sehen. Und hören.  

  

Michael vom Ende, im Juni 2026
Geschäftsführer faktor c, eine Initiative von Christen in der Wirtschaft
www.faktor-c.org 

 

 

Geschäfte und das „christliche Menschenbild“

Geschäfte und das „christliche Menschenbild“

Geschäfte 

„Ein Vermieter streitet vor Gericht um Miete und Nutzungsentschädigung für einen Gewerberaum. Der für den Rechtsstreit zuständige Einzelrichter regte in der mündlichen Verhandlung an, dass die beiden Parteien den Rechtsstreit durch einen Vergleich erledigen könnten. Einer der Prozessbevollmächtigten des Vermieters bezeichnete diese Erwägung als „rührselig“.“  

So beginnt ein Artikel vom Mai 2026* über ein Gerichtsverfahren bezüglich eines Mietgeschäfts. Diesen Sachverhalt gibt es im Juristischen immer wieder. Nun aber wird es spannend, denn der Artikel fährt fort:  

„Daraufhin erwiderte der Richter, er orientiere seine Entscheidungen an seinem christlichen Menschenbild, was die Klägerseite möglicherweise als übergriffig empfinde, sollte zu diesen Werten keine Beziehung bestehen.“ 

 

Das „christliche Menschenbild“ 

Jetzt wird es in dreierlei Hinsicht spannend: Zum einen kommt das „christliche Menschenbild“ ins Thema, zum anderen wird schon die mögliche inhaltliche Spannung der Übergriffigkeit und der Vergleich von Wertesystemen angesprochen und zum dritten stellt sich jetzt die Frage, welche Auswirkungen die Vermischung von Geschäft und christlichem Menschenbild hat – in diesem konkreten Fall und grundsätzlich. 

Es kommt, wie es kommen muss: „Der Vermieter lehnte den Richter nach dieser Aussage wegen Besorgnis der Befangenheit ab. Die zuständigen Mitglieder des 2. Zivilsenats am OLG Frankfurt am Main haben seinen Antrag nun zurückgewiesen.“ 

Die Mitglieder des Zivilsenats begründen ihre Zurückweisung so: „Es sei nicht zu beanstanden, dass der Richter angegeben habe, seine Entscheidungen an einem christlichen Menschenbild zu orientieren…“ 

Dann gehen die Mitglieder des Zivilsenats noch einen Schritt weiter, verweisen auf das Grundgesetz und stärken die Position des Richters noch einmal deutlich: „Entgegen der Auffassung des Vermieters widerspreche dies nicht der Bindung des Richters an das Gesetz aus Art 97 Abs 1. GG. Eine Orientierung an christlichen Werten sei sogar geboten. Das christliche Menschenbild bilde einen wichtigen geistesgeschichtlichen Hintergrund – insbesondere für das Grundgesetz – und sei damit prägend für das Verständnis der Menschenwürdegarantie und der Grundrechte, so das Gericht. Es sei anerkannt, dass sich sowohl die Grundrechte als auch die Menschenwürdegarantie auf die Auslegung und Anwendung zivilrechtlicher Generalklauseln und unbestimmter Rechtsbegriffe auswirke.  

Nach der Rechtsprechung des BVerfG könne umgekehrt ein Grundrechtsverstoß vorliegen, wenn ein Zivilgericht diesen grundrechtlichen Einfluss überhaupt nicht oder unzutreffend berücksichtige. Gerade bei der Auslegung und Anwendung mietrechtlicher Vorschriften müssten die Gerichte die grundrechtlichen Wertungen berücksichtigen und einen angemessenen Ausgleich zwischen den grundrechtlich geschützten Positionen herstellen.“ 

 

Geschäfte und das „christliche Menschenbild“ 

Herzlichen Glückwunsch an alle Nichtjuristen, die bis hierher gelesen haben. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Das deutsche Recht betont im Blick auf Streit bei Geschäften, dass eine „Orientierung an christlichen Werten geboten sei“!  

 Deshalb zum Schluss: Hier sind christliche Werte im Blick auf den Menschen, hier sind Kernpunkte des „christlichen Menschenbildes“. Ich nenne sechs – und füge beispielhaft jeweils eine zentrale Stelle aus der Heiligen Schrift dazu: 

  •  von Gott geschaffen (Genesis 1, 27), 
  • mit unverlierbarer Würde ausgestattet (Psalm 8, 5 – 6), 
  • als Ebenbild Gottes geschaffen (Jakobus 3, 9),  
  • zu Beziehung, Verantwortung und Liebe berufen (Matthäus 22, 37 – 39), 
  • zugleich fehlbar und erlösungsbedürftig (Römer 3, 23), 
  • aber von Gott gewollt und geliebt (Johannes, 3, 16)! 

 

* Alle kursiv gedruckten Texte dieses Blog-Artikels habe ich dem Text zum skizzierten Rechtsstreit entnommen (https://www.beck-aktuell.de/heute-im-recht/rechtsprechung/olg-ffm-2U17424-befangenheit-richter-christliches-menschenbild-2026-05-05).  

 Michael vom Ende, im Mai 2026
www.faktor-c.org 

Ist der Mensch „des Menschen Wolf“?

Ist der Mensch „des Menschen Wolf“?

Der Wolf im Einkaufszentrum 

Folgende Geschichte aus dem Frühjahr 2026 erinnerte mich wieder an eine alte Redewendung: Ein Wolf hat in einer Einkaufspassage in Hamburg-Altona eine Frau angegriffen und im Gesicht verletzt. Solch einen Angriff gab es fast 30 Jahre in Deutschland nicht mehr. Das junge Tier hatte sich in der Stadt verirrt, reagierte panisch und biss eine Frau ins Gesicht, als sie dem verängstigten Tier helfen wollte. Der Wolf wurde dann aus der Binnenalster gefischt und nach Begutachtung „auf Bewährung“ knapp einen Monat später wieder ausgesetzt. Der Wolf und der Mensch – beide fanden schon vor langer Zeit Eingang in ein messerscharfes Zitat:   

 „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ 

Dieser Satz ist eine Übersetzung aus dem Lateinischen, im Original: Homo homini lupus est. – „Der Mensch ist des Menschen Wolf“. Es stammt vom englischen Philosophen Thomas Hobbes, der im 17. Jahrhundert als einer der einflussreichsten Denker galt. Der Wolf selbst war schon seit Urzeiten bekannt als Jäger, der Beute reißt. So greift schon ein Zitat im Alten Testament in der Heiligen Schrift dies auf: „Die Oberen in seiner Mitte sind wie reißende Wölfe, Blut zu vergießen und Menschen umzubringen um ihrer Habgier willen.“ (Hesekiel 22, 27) Und die Formulierung von Thomas Hobbes war nicht dazu angetan, das Bild des Wolfs positiver zu zeichnen – und das des Mitmenschen erst recht nicht. Er verstärkte damit die permanente Angst, von den eigenen Zeitgenossen ausgenutzt, betrogen und tief verletzt zu werden. „Der Mensch ist des Menschen Wolf.“ 

   

Vorsicht vor „reißenden Wölfen“ 

Aber: Nicht jeder ist ein Wolf! Sondern nur der, der habgierig und machthungrig, der „böse, gefährlich oder täuschend“ (Wikipedia) ist! Nicht jeder Mensch ist ein Wolf – auch wenn das Hobbes’sche Zitat das nahelegt. Aber es gibt sie, die „Wölfe im Schafspelz“. Auch diese deutsche Redensart geht auf die Bibel zurück, wenn Jesus Christus in seiner berühmten „Bergpredigt“ selbst seine Nachfolger vor irregeleiteten religiösen Führern mit den Worten warnt: „Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. (Matth. 7, 15) 

 

„Wölfe“ in der Wirtschaft 

Ich widerstehe hier ausdrücklich und bewusst der Versuchung, über „Wölfe“ in der Politik zu sprechen – auch wenn ich viele Beispiele dafür vor Augen habe. 

 Gehen wir also zur Wirtschaft: Kennen Sie den Film “The Wolf of Wall Street“ von 2013? Falls nicht, sollten Sie ihn sich ansehen. Nach einer wahren Geschichte wird die Habgier der filmischen Hauptperson geweckt und genährt – und zerstört am Ende ihn und die Menschen um ihn herum.  Und vermutlich gibt es keinen unter uns, der bei Anderen Habgier gespürt und sich auf Sicherheitsabstand zurückgezogen hat. Und vermutlich gibt es keinen unter uns, der schon einmal von seinem eigenen Hang zu dieser Gier überrascht wurde und sich ihr stellen musste. 

  

Ist der Mensch „des Menschen Wolf“? 

Nein, er ist es nicht grundsätzlich. Sonst könnte es kein Vertrauen in den Beziehungen zwischen Völkern und Menschen geben, kein Vertrauen im Persönlichen und beim Wirtschaften. Ja, er ist es dann, wenn Hab- und Machtgier Besitz von einem Menschen, einer Regierung, einer Organisation oder einer Firma ergreifen. Üben wir uns also miteinander in der Kunst, mit gesundem Vertrauen und gleichzeitig gesundem Misstrauen anderen zu begegnen, immer bereit, mehr und mehr Vertrauen aufzubauen. Ja, es ist tatsächlich eine Kunst! 

  

Nachtrag 1: Die Vorlage für Hobbes‘ Wolf-Zitat 

„Homo homini lupus est“ – Der Mensch ist des Menschen Wolf. Diese Redewendung von Thomas Hobbes geht auf ein Zitat des Komödiendichters Plautus (254 – 184 v. Chr.) zurück, der ursprünglich so gedichtet hatte: „Lupus est homo homini, non homo, quom qualitas sit non novit.“ – Ein Wolf ist der Mensch der Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist. 


Nachtrag 2: „Wölfe – und die Christen“ 

Jesus Christus dreht einmal unser Denken um, das vor Wölfen warnt und zu größtmöglicher Distanz zu ihnen aufruft. Er schickt einmal seine 72 engsten Mitarbeitenden zu den Menschen in den umliegenden Orten und Städten mit den Worten: „Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.“ (Lukas 10, 3). Mit einer Friedensbotschaft zu anderen gehen – und gleichzeitig mit Ablehnung, Gegenwehr und inneren und äußeren Verletzungen zu rechnen; das ist die Königsdisziplin, zu der Jesus Christus alle herausfordert, die sich als seine Nachfolger und Mitarbeitenden verstehen. Nur gut, dass er gleichzeitig versprochen hat, unsichtbar dabei zu sein!  

 

 

Michael vom Ende, im April 2026
Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft
www.faktor-c.org

 

Wie sieht mein Büro aus? 

Wie sieht mein Büro aus? 

 

Gefühlt hat jeder Mensch in Deutschland sein Büro – ich jedenfalls habe zwei. Büro, Bürokratie, Bürokratismus, Bürokratisierung; da kann einem ganz schwindelig werden. 

„Büro“ kommt vom französischen bureau, das wiederum auf das spätlateinische burra (grober Wollstoff, zottiges Gewand), mit dem die Schreibtische bezogen wurden, zurückgeht. Je länger, je mehr stand das Wort nicht nur den Stoff oder den Schreitisch, sondern für die dort verrichtete Tätigkeit: Die Verwaltung. Und wenn man dann noch das griechische kratia (Herrschaft) dazusetzt, dann wissen wir: Bürokratie ist die „Herrschaft der Verwaltung“.  

„Bürokratische Strukturen und Verfahren existieren nicht nur in der öffentlichen Verwaltung, sondern auch in privaten Unternehmen, Kirchen und Non-Profit-Organisationen. Im weitesten alltagssprachlichen Sinne umfasst der Begriff alle mit Schreibarbeit und „Papierkrieg“ befassten nicht-privaten Tätigkeiten, deren Umfang seit den 1940er Jahren weltweit zugenommen hat, um heute wieder leicht abzunehmen.“ Soweit der sehr erhellende Ausflug zu Wikipedia. 

Wie sieht mein Büro aus? 

Zum einen stehen sich bis heute „Leer- und Volltischler“ gegenüber, zum anderen wird die Bürokratie, zwar langsam, aber immer „papierloser“. Außerdem würden Schreibstuben-Mitarbeiter aus dem Mittelalter heutige digitalisierte multifunktionale Büros vermutlich nicht mehr als solche identifizieren können. Mein Büro z. B. ist Besprechungsraum, Telefonzentrale, digitales Studio, Musikzimmer, Meditationsraum – und noch manches mehr,  

Verwaltet werden müssen Dinge, Abläufe, Unternehmungen aber bis heute. Und so fokussiert sie die Frage weg vom Schreibtischbezug, der burra, über die „Herrschaft des Verwaltens“, die Bürokratie, hin zur Frage: Wie sieht der Mensch aus, der verwaltet? 

Wie sehe ich im Büro aus? 

Wie genial, wie organisiert, wie chaotisch, wie strukturiert bin ich, ist meine Arbeitsweise? Ist es wichtig, ob ich Leer- oder Volltischler bin, oder doch eher, warum ich es bin? Während ich dies schreibe, unterbreche ich – und schaue mich prüfend im gesamten Raum um. Warum sieht mein Büro so aus, wie es aussieht – und nicht anders? Spiegelt die Einrichtung meines Büros, aber noch mehr meine Art des Verwaltens, mich wider? 

Es gibt im Alten Testament eine – auf den ersten Blick ermüdende – Beschreibung einer Verwaltungstätigkeit: Da wird der Tempeldienst neu geordnet, weil das bisherige System an ein Ende gekommen war. Ausführlich wird im 2. Chronikbuch, Kapitel 31, diese Neuordnung der Verwaltung beschrieben. Sehr detailliert werden Abläufe beschrieben, Namen von Verantwortlichen genannt und dadurch die Organisation der Verwaltung erkennbar. Und man liest zweimal ein Adjektiv, das es in sich hat – gewissenhaft. Die Mitarbeitenden waren gewissenhaft – und das war an den Ergebnissen abzulesen: Menschen wurden versorgt, der Wohlstand wurde vermehrt, es gab Sicherheit für viele Mitarbeitende. 

Im weiteren Bericht wird deutlich, was dem Urheber und Planer dieser Neuordnung, dem Unternehmer und König Hiskia, wichtig war: „Bei jedem Unternehmen, das er im Dienst des Hauses Gottes oder für die Weisung und die Gebote begann, um seinen Gott zu suchen, handelte er mit Hingabe seines ganzen Herzens und hatte Erfolg.“ (2. Chr. 31, 21). Er war fokussiert auf Gott und auf die Menschen, für die er Verantwortung hatte. 

Wie sehen die Ergebnisse meines Büros aus? 

Ob die Ergebnisse meines Tuns im Büro gut sind, entscheidet sich nicht an der Anzahl der Blätter, Bücher, Ordner oder Schreibgeräte. Die Früchte meiner Arbeit entscheiden sich auch nicht an der Größe, Farbe oder Aufgeräumtheit des Schreibtischs oder des gesamten Raums.  

Ob mein Tun Sinn macht, entscheidet sich an meiner Haltung zu Gott – bin ich, wie Hiskia, „gut, recht und getreu vor dem HERRN“ (2. Chr. 31,20) und handle „mit Hingabe meines ganzen Herzens„?  

Ob der Output als Erfolg zu werten ist, misst sich an drei Fragen: 

  • Mache ich meine Arbeit „gewissenhaft“ (s. o.)? 
  • Ist mein Verwaltungsaufwand „genügend“, d. h. nicht zu viel und nicht zu wenig, damit Menschen versorgt, Wohlstand vermehrt und Sicherheit für Mitarbeitende entsteht? 
  • Rückt mein Tun Gott in ein gutes Licht?  

 Michael vom Ende, im März 2026
Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft

Angeschlagen, aber noch nicht geschlagen

Angeschlagen, aber noch nicht geschlagen

„Angeschlagen, aber noch nicht geschlagen“ – groß prangte kürzlich diese Überschrift über einem Artikel in der Tageszeitung. Es ging um die Rolle der Kirchen, unter Druck von der Welt und der Gesellschaft im Großen, von der Politik im Kleinen. „Angeschlagen, aber noch nicht geschlagen“. Im Artikel standen Sätze wie „Wer betet, wird auffällig.“ Und „Christentum und Autoritarismus vertragen sich nicht.“, aber auch, dass in den Kirchen „eine Kraft steckt, die sich für das eigene Leben nutzen ließe.“  

Was hier über die Kirche geschrieben wurde, löste bei mir Nachdenken aus: Wäre solch eine Artikel-Überschrift nicht auch passend für die aktuelle Wirtschaft – und die Christinnen und Christen, die in ihr aktiv sind? 

Angeschlagene Wirtschaft 

Ja, die Wirtschaft ist in der Summe massiv angeschlagen und sucht, schlingernd, ihren Kurs. Viele Ursachen liegen in ihr selbst, in den menschlichen und organisatorischen Beharrungskräften, die einen Aufbruch verhindern. Vieles liegt aber auch an (welt)politischen Umständen, auf die sie nur begrenzt Einfluss hat. Manche Branchen wie z. B. die Zunft der Wirtschaftsübersetzer drohen wegdigitalisiert zu werden, manchen Branchen wie z. B. der metallverarbeitenden, der Möbel-Industrie oder der Landtechnik droht die Luft auszugehen, manche Branchen wie z. B. die Lebensmittelindustrie hält sich tapfer, weil Essen und Trinken immer gehen. Und, auch das muss der Vollkommenheit und der Ehrlichkeit halber gesagt werden, wittern manche Branchen wie z. B. die IT-Dienstleistungen Morgenluft und steigern Einsatz und Gewinn. Trotzdem gilt: In der Summe ist die Wirtschaft angeschlagen.  

Angeschlagene Christen in der Wirtschaft 

Und wenn wir auf die Christinnen und Christen in der Wirtschaft schauen, zeigt sich genau solch ein unterschiedliches Bild. Aber: Eine angeschlagene Branche muss nicht gleich angeschlagene Christen in ihr bedeuten. Bei manchen ist die Branche und ihr Unternehmen angeschlagen, aber sie selbst haben den Kopf „über Wasser“. Genauso gilt: Bei manchen steigen Einsatz, Umsatz und Gewinn, und trotzdem gehen sie als Christinnen und Christen fast unter. Fakt ist, dass es solche christlichen Schwestern und Brüder gibt, die angeschlagen sind. Und die Berichte von ihnen oder über sie häufen sich. Ich bekam es kürzlich eindrücklich erzählt – einem Unternehmer drohte das Ende seines Unternehmens und er überlegte sich auf der Brücke, ob er springen sollte. Was sich so leicht schreibt, beschreibt unaussprechliche Tiefen und Schmerzen der Seele, des Geistes und des Körpers.  

Aber noch nicht geschlagen? 

Angeschlagen, aber noch nicht geschlagen. Kann das tatsächlich möglich sein, dass eine angeschlagene Wirtschaft, Branche und eine angeschlagene Firma nicht automatisch angeschlagene Christinnen und Christen bedeuten muss? Und falls dem so ist, woran könnte es liegen? Gibt es Tipps, Tricks und Geheimnisse, um angeschlagen, aber noch nicht geschlagen zu sein? Viel wäre zu schreiben, von Work-Life-Balance, von seelischer Gesundheitspflege, körperlichem Ausgleich, guter Fachberatung und Unterstützungsangeboten von vertrauenswürdigen Menschen im eigenen Umfeld. 

Aber nicht geschlagen! 

Und ganz am Ende gibt es einen Hinweis, der in seine Tiefe, Weisheit und Ermutigung unüberbietbar ist. Im Neuen Testament gibt es eine bemerkenswerte Passage, in der der einflussreiche Paulus von Tarsus als der Gestalter des sich in alle Welt ausbreitenden Christentums in sein Herz blicken lässt. Sie ist nachzulesen seines zweiten Briefes an die Christen in der Wirtschafts- und Hafenstadt Korinth im heutigen Griechenland. Darin heißt es: „Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht“ (2. Kor. 4, 8). Es lohnt sich, die ganze Passage zu lesen, die gipfelt und endet mit dieser Überzeugung, dass Christinnen und Christen beschenkt sind mit dem „weiten Blick“, der weit über den Tag, das Leben und sogar die Welt hinausweist: „Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.  Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ (2. Kor. 4, 16 – 18) 

Wer sich in diesem Weitblick übt, kann daraus Kraft, Resilienz, Klarheit und Durchhaltevermögen ziehen. Angeschlagen, aber nicht geschlagen! 

 Michael vom Ende, im Januar 2026
Geschäftsführer faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft
www.faktor-c.org 

 

 

Gott ist noch nicht fertig!

Gott ist noch nicht fertig!

Im vorletzten Kapitel der gesamten Bibel, im Buch der Offenbarung Kapitel 21, Vers 5, steht ein kurzer, inhaltsschwerer Satz. Mitten im Schlussakkord des großen und großartigen Zukunftsbildes der Weltgeschichte versteckt er sich. An ihm macht sich unsere Hoffnung fest, heute und jeden Morgen neu aufzustehen und motiviert unsere Bestimmung zu suchen und zu leben. 

Kurz ist er, dieser Satz: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21, 5) Fünf Worte, im griechischen Originaltext sind es sogar nur vier Worte: „Siehe, neu (ich) mache alles.“ – ἰδοὺ καινὰ ποιῶ πάντα (Idou kaina poio panta). Vier Worte, die es in sich haben. Vier Gedanken zu vier Worten:  

1. Schau hin: „Siehe“ 

Mit dem Wort „SIEHE“ beginnt der Vier-Worte-Satz. Von Zeit zu Zeit müssen wir hingewiesen werden auf die Dinge, die wir vielleicht sehen, aber nicht wirklich wahrnehmen. Schau hin! Lenke deinen Fokus auf das, was wichtig ist und jetzt kommt. „Alle mal herhören!“. „Augen auf!“. „Achtung!“. „Konzentration!“. Das alles steckt in diesem ersten Wort „SIEHE“ drin. Also, aufgepasst:  

2. Es wird anders: „neu 

Alleine das Wort NEU triggert uns. Menschen zu allen Zeiten waren und sind neu-gierig. Und wenn ein Artikel, ein Produkt, ein Angebot oder eine Sache mit dem Label „neu“ versehen wird, können wir sicher sein, dass es Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und wenn „neu“ draufsteht, dann kann es vieles bedeuten: Das Produkt kann refurbished, erneuert sein – wie neu! Oder es kann „weiterentwickelt“ worden sein. Oder es hat es tatsächlich so noch nicht gegeben, eine Neuerfindung. Das Wort „neu“ triggert uns besonders dann, wenn das Bekannte, das Alte, das Bisherige nicht gut oder nicht mehr gut ist. Wenn Gott etwas NEU macht, dann kann er alles: von „refurbished“ bis „noch nie dagewesen“.   

3. Es läuft: „mache ich“ 

„MACHE ICH.“ – Gott ist ein Macher. Ein Macher der besonderen Art. Er macht Dinge neu, oft aus dem Nichts. Schon das zweite Wort der (hebräischen) Bibel ist das Wort „machte, schuf“. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Er macht auch ein neues Herz, einen neuen Bund, einen neuen Himmel und eine neue Erde – und alles andere auch. Er macht, weil er die Macht hat. Er macht, weil er es mag. Er macht die Dinge selbstbewusst, sitzt am Ende der Zeiten auf dem Thron und sagt wie selbstverständlich „MACHE ICH.“ Und es gilt, was immer galt: Wenn Gott etwas sagt, dann macht er es auch!   

4. Keine Ausnahmen: „alles“ 

Unfassbar: Neu macht Gott ALLES, nicht nur einiges oder manches. Soviel Kraft und Macht hat kein Mensch, kein Volk und keine Community auf dieser Welt, dass er, es oder sie alles neu machen könnte. Wir entwickeln ein neues Produkt, gründen eine neue Firma, erneuern unsere privaten und beruflichen Schwerpunkte, entwickeln etwas Neues. Vielleicht machen wir diese Dinge nicht nur ein-, sondern mehrmals. Aber niemals schaffen wir Menschen, alleine oder mit anderen, ALLES neu zu machen.  

Am Ende der Zeiten sitzt Gott auf dem Thron und sagt diesen Satz. Der Widerhall dieses Ausspruchs wird überall zu hören sein. Und klingt sogar hinein in diesen Moment, wo wir diesen Vier-Worte-Satz heute lesen und hören. Siehe, neu mache (ich) alles“. Am Ende der Zeiten, aber auch jetzt gerade in diesem Moment. Denn Gott ist noch nicht fertig. Dieser Vier-Worte-Satz hat Kraft für heute: 

SIEHE: Achte darauf, wie Gott jetzt gerade dich verändert – in deinem Denken und Glauben, deinem Fühlen und Wollen.  

NEU: Vertraue darauf, wie Gott Haltungen und Einstellungen, aber auch Situationen und Lebensbedingungen neu macht.  

MACHE ICH: Schaue Gott zu, wie er mit seiner einzigartigen Macht in der Welt wirkt.  

ALLES: Und warte gespannt darauf, wie Gott am Ende der Geschichte, wie wir sie kennen, alles neu machen wird.  

Michael vom Ende, im Januar 2026
Geschäftsführer faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft
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