Frank Benner: Vom Krankenpfleger zum Unternehmer mit Weitsicht
Ohne Galvanik, der Veredelung von Oberflächen, wären die meisten Dinge, die uns umgeben, gar nicht brauchbar. Vom Silberbesteck über Bauteile in der Autoindustrie bis hin zu hochempfindlichen Instrumenten in der Medizintechnik. Doch welches Kind weiß schon, dass es den Beruf des Galvaniseurs gibt? Auch nicht Frank Benner. Er ist Intensiv-Krankenpfleger, bis er eines Tages im Galvanikbetrieb seines Schwiegervaters aushilft. Dort arbeitet er sich von der Werkbank bis zum geschäftsführenden Gesellschafter hoch, macht aus dem Betrieb eine Unternehmensgruppe. Und die will jetzt auch Wasserstoff produzieren, um den eigenen großen Energiebedarf zu decken.
Vom Handwerksbetrieb zum industriellen Komplettanbieter
B+T prangt in kursiven Lettern über dem Firmensitz in Hüttenberg, mitten in Mittelhessen: Benner und Töchter. Mit derzeit 125 Mitarbeitenden an zwei Standorten zählt B+T zu den großen von rund 900 – 1000 Galvanikbetrieben in Deutschland, wie der Zentralverband Oberflächentechnik auf seiner Homepage vorrechnet, und die wie B+T meist unternehmer- und familiengeführt sind
Bis 1954 reichen die Wurzeln von B+T zurück. Mit den Jahren wird aus dem Handwerksbetrieb ein Komplettanbieter für Galvano- und Oberflächentechnik, der sich über die Jahre fest in der Region etabliert.
Wenn bei B+T die Maschinen laufen, werden Bauteile für die Automobil- und die Elektroindustrie, für den Sondermaschinenbau und für die Medizintechnik in chemischen Tauchbädern und Trocknungsanlagen beschichtet. Hierzu gehören Schrauben und Muttern, ebenso Sicherheitsbauteile, Bauteile für Airbags und Sicherheitsgurte. Seit rund zweieinhalb Jahren gehören auch Teile für die Medizintechnik dazu.
Außerdem übernimmt das Unternehmen für seine Kunden Aufgaben wie etwa das Härten von Teilen und die Materialprüfung. Für die Auslieferung der fertigen Teile sorgt eine eigene Fahrzeugflotte. Zudem stehen Digitalisierung, Effizienzsteigerung und moderne Industrieprozesse als Dauerthemen auf der Tagesordnung.
Kurioser Karrieresprung
Doch anders als in vielen Familienunternehmen ist der geschäftsführende Gesellschafter von B+T, Frank Benner, nicht in den eigenen Werkshallen aufgewachsen, sondern kommt erst viel später als Quereinsteiger hinzu.
Und zwar aus einer völlig anderen Richtung. Benner beginnt seine berufliche Laufbahn als Krankenpfleger auf einer internistischen Intensivstation und bildet sich in der Herzchirurgie weiter – ein Aufgabengebiet mit Spezialwissen und Zukunftsperspektive.
Als er jedoch den Anstellungsträger wechselt und dafür zwei Monate überbrücken muss, schlüpft er im Betrieb seines Schwiegervaters unter – dem heutigen Galvanik-Unternehmen B+T.
Leistung aus eigener Kraft zeigen
Allerdings macht er es sich nicht einfach in der Büroetage bequem, sondern fängt ganz unten als Hilfsarbeiter an. Über diesen sehr bewussten Schritt sagt er im TV-Interview mit Michael vom Ende auf Hope TV:
„Ich wollte Leistung aus eigener Kraft zeigen, und nicht einfach von Beruf Schwiegersohn werden.“
Schnell wird aus dem Hilfsarbeiterjob mehr. Frank Benners Interesse an der Galvanik entflammt, und so absolviert er in verkürzter Zeit seine Gesellen- und Meisterprüfung und bildet sich zudem in Betriebswirtschaft weiter.
Krankenpfleger und jetzt Betriebswirtschaftler und Galvaniseur – zwei völlig verschiedene paar Schuhe? Ja und nein, denn manch wichtiges Handwerkszeug bringt Frank Benner aus seiner Zeit als Krankenpfleger mit. Für den Unternehmer, der letztlich Dienstleister und somit Helfer für seine Auftraggeber ist, ist eine Tugend ganz wichtig, die er in der Krankenpflege gelernt hat: Das Zuhörenkönnen. Frank Benner:
„Menschen verstehen, zuhören, herausfinden, wo etwas wehtut, wo Schwierigkeiten liegen und wie man helfen kann. Diese Fähigkeit habe ich in der Krankenpflege gelernt.“
Empathie statt Profitdenken
2011 übernimmt Frank Benner schließlich als geschäftsführender Gesellschafter den Betrieb des Schwiegervaters. Das Unternehmen wächst und wird zur Unternehmensgruppe. Frank Benner versucht stets, neue Felder zu erschließen.
Das erfordert Weitblick aber auch eine klare Linie und zuweilen Durchsetzungsvermögen.
Wo bei manchen Unternehmern das Profitdenken das Tempo für ihre Handlungen bestimmt, ist es bei dem bekennenden Christen Frank Benner sein Gottvertrauen. Das habe er schon bei seinen Eltern gelernt, und es trägt ihn nach eigener Aussage nicht nur Erfolge und Höhen, sondern auch in krisenhaften Zeiten.
Das persönliche „Jericho“: Wenn nur noch Beten hilft
Und diese bewältigt Frank Benner so ganz anders, als es wohl die meisten in vergleichbarer Lage tun würden. In seiner Zeit als angestellter Geschäftsführer in einem Betrieb in Langenfeld, wo er außerhalb des schwiegerväterlichen Betriebes Erfahrungen sammelt, gerät das Unternehmen in eine tiefe Krise. Um diese aufzufangen, wird am Ende an sieben Tagen die Woche verzweifelt geschuftet. Trotzdem platzen Liefertermine und die Qualität sinkt. Doch statt seine Mitarbeitenden zu immer weiteren Höchstleistungen anzutreiben und nach Schuldigen zu suchen, lässt sich Frank Benner von der biblischen Erzählung der fallenden Mauern von Jericho inspirieren. An einem weiteren von Chaos geprägten Morgen umschreitet er siebenmal betend das Firmengelände.
Segnen statt Schreien und Toben
Er segnet die Mitarbeiter, segnet die Kunden, segnet den Betrieb.
Danach beruhigt sich die Situation im Werk spürbar, berichtet Benner. Es sei das letzte Mal gewesen, dass das Unternehmen am Wochenende arbeiten muss. Diese Erfahrung prägt seine Überzeugung von der praktischen Kraft des Gebets auch in der Arbeitswelt.
Intergenerationale Innovativkraft
Bewusst stehen bei B+T die Initialen für „Benner und Töchter“. 2015 braucht Frank Benner im Zuge eine Werkserweiterung und des Ausstiegs eines Geschäftspartners Verstärkung. Weit suchen muss er nicht. Er findet sie bei seinen Töchtern Annalina und Sarah. Anders als er haben beide schon während der Schulzeit im Unternehmen mitgearbeitet. Abläufe und Prozesse sind ihnen ebenso vertraut wie strategisches Denken und innovative Entwicklungen.
Mittlerweile sind Annalina und Sarah Benner als Gesellschafterinnen aktiv am Unternehmen beteiligt. Immer hat Frank Benner Wert darauf gelegt, dass beide Frauen auch außerhalb des Unternehmens berufliche Erfahrungen sammeln, und so neue Perspektiven mit ins Unternehmen bringen. Das zahlt sich aus.
Errichtung eines eigenen Wasserstoffcampus
Wie etwa in einem völlig neuen Projekt, das gerade in Planung ist – die Errichtung eines Wasserstoffcampus auf dem eigenen Firmengelände, um so kostengünstig Energie für die energieintensive Galvanik zu gewinnen, die unabhängig von den Leistungsschwankungen der Wind- und Solarenergie arbeiten können muss. Wärmeüberschüsse bei der Wasserstoffproduktion sollen in das Energienetz der Ortsgemeinde Hüttenberg eingespeist werden, zu der B+T gehört. „Die Technik steht, aber der bürokratische Wahnsinn in Deutschland setzt immer wieder neue Stoppschilder,“ berichtet Benner. Dennoch sieht er gelassen in die Zukunft: „Mal schauen, wo wir am Ende stehen.“
Gesellschaftliche Verantwortung: christliches Wertefundament
Aktiv sucht Frank Benner mit B+T daher immer wieder den Kontakt mit der Politik, lädt Abgeordnete in sein Unternehmen ein, um Themen wie Energiekosten am Standort Deutschland oder das Thema Mindestlohn zu diskutieren.
Nicht raushalten, sondern einbringen, nicht passiv beobachten und nörgeln, sondern aktiv gestalten – das ist seine Devise.
„Wir Christen sitzen oft lieber am Rand und beobachten das Geschehen. […] Wir haben ein sehr klares Wertefundament. Und ich glaube, genau nach solchen Werten sehnen sich viele Menschen in unserer Gesellschaft.“
Für Benner gehört es daher zur unternehmerischen Verantwortung als Christ, auch im politischen Raum offen über den christlichen Glauben zu sprechen und bei Gleichgesinnten auch das gemeinsame Gebet zu suchen.
„Pflanzen statt kleben“: Hoffnungszeichen für die nächste Generation
Dabei setzt er auch auf praktisch sichtbare Zeichen außerhalb des Unternehmens und knüpft bereits bei den Jugendlichen an. Etwa als Vorsitzender des Fördervereins der Theodor-Heuss-Schule in Wetzlar, der einen Zukunftsgarten unter dem Motto „Pflanzen statt Kleben“ betreibt. Eine Reaktion auf die sogenannten Klimakleber, die sich vor ein paar Jahren auf Straßen und Kreuzungen festklebten, um mit dieser drastischen Protestform für eine radikal veränderte Klimapolitik zu demonstrieren.
Mittlerweile ist aus der Aktion „Pflanzen statt Kleben“ eine rund300 Meter lange Allee, der „Zukunftsgarten I“, entstanden, auf dem Frank Benner gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler Apfelbäume gepflanzt hat. So sollen die Jugendlichen lernen, sich aktiv einzubringen aber auch Geduld zu üben, bis Erfolg sichtbar und spürbar wird. Inzwischen sind aber auch schon in einem „Zukunftsgarten II“ die ersten 400 Liter Apfelsaft geflossen, deren Verkaufserlös der Schule zugutekommt.
Einladung, den Glauben zu bekennen
Neugier, Gestaltungsfreude und die Offenheit, Dinge ganz anders anzupacken – das zeichnet den Karriereweg von Frank Benner aus. Seinen christlichen Glauben will er bewusst zeigen und leben, und andere Christen in der Wirtschaft dazu ermuntern, das gleiche zu tun, wie er abschließend im Faktor C-TV-Interview sagt:
„Als Christ mutig sein, zum Glauben stehen. Wir haben häufig Angst, aus der Reserve zu kommen, und ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich mich als Christ oute und die Leute dadurch verstehen, warum ich so bin, wie ich bin, dann ist es viel einfacher.“
Andreas Odrich
👉Fünf Fragen an Frank Benner