Das neue faktor c Jahresheft ist da!

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Die Wirtschaft verändert sich – und stellt uns vor neue Chancen und Herausforderungen. Das faktor c Jahresheft 2026 erzählt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, mutig vorangehen und ihren Glauben mitten im Berufsleben leben.

Dich erwarten persönliche Geschichten und neue Perspektiven auf Führung, künstliche Intelligenz, globale Wirtschaft, Mentoring und gelebtes Christsein und Vieles mehr. Hier digital lesen und weiterempfehlen. 

Frank Benner: Vom Krankenpfleger zum Unternehmer mit Weitsicht

Frank Benner: Vom Krankenpfleger zum Unternehmer mit Weitsicht

Frank Benner: Vom Krankenpfleger zum Unternehmer mit Weitsicht

Ohne Galvanik, der Veredelung von Oberflächen, wären die meisten Dinge, die uns umgeben, gar nicht brauchbar. Vom Silberbesteck über Bauteile in der Autoindustrie bis hin zu hochempfindlichen Instrumenten in der Medizintechnik. Doch welches Kind weiß schon, dass es den Beruf des Galvaniseurs gibt? Auch nicht Frank Benner. Er ist Intensiv-Krankenpfleger, bis er eines Tages im Galvanikbetrieb seines Schwiegervaters aushilft. Dort arbeitet er sich von der Werkbank bis zum geschäftsführenden Gesellschafter hoch, macht aus dem Betrieb eine Unternehmensgruppe. Und die will jetzt auch Wasserstoff produzieren, um den eigenen großen Energiebedarf zu decken.

 

Vom Handwerksbetrieb zum industriellen Komplettanbieter

B+T prangt in kursiven Lettern über dem Firmensitz in Hüttenberg, mitten in Mittelhessen: Benner und Töchter. Mit derzeit 125 Mitarbeitenden an zwei Standorten zählt B+T zu den großen von rund 900 – 1000 Galvanikbetrieben in Deutschland, wie der Zentralverband Oberflächentechnik auf seiner Homepage vorrechnet, und die wie B+T meist unternehmer- und familiengeführt sind

Bis 1954 reichen die Wurzeln von B+T zurück. Mit den Jahren wird aus dem Handwerksbetrieb ein Komplettanbieter für Galvano- und Oberflächentechnik, der sich über die Jahre fest in der Region etabliert.

Wenn bei B+T die Maschinen laufen, werden Bauteile für die Automobil- und die Elektroindustrie, für den Sondermaschinenbau und für die Medizintechnik in chemischen Tauchbädern und Trocknungsanlagen beschichtet. Hierzu gehören Schrauben und Muttern, ebenso Sicherheitsbauteile, Bauteile für Airbags und Sicherheitsgurte. Seit rund zweieinhalb Jahren gehören auch Teile für die Medizintechnik dazu.

Außerdem übernimmt das Unternehmen für seine Kunden Aufgaben wie etwa das Härten von Teilen und die Materialprüfung. Für die Auslieferung der fertigen Teile sorgt eine eigene Fahrzeugflotte. Zudem stehen Digitalisierung, Effizienzsteigerung und moderne Industrieprozesse als Dauerthemen auf der Tagesordnung.

 

Kurioser Karrieresprung

Doch anders als in vielen Familienunternehmen ist der geschäftsführende Gesellschafter von B+T, Frank Benner, nicht in den eigenen Werkshallen aufgewachsen, sondern kommt erst viel später als Quereinsteiger hinzu.

Und zwar aus einer völlig anderen Richtung. Benner beginnt seine berufliche Laufbahn als Krankenpfleger auf einer internistischen Intensivstation und bildet sich in der Herzchirurgie weiter – ein Aufgabengebiet mit Spezialwissen und Zukunftsperspektive.

Als er jedoch den Anstellungsträger wechselt und dafür zwei Monate überbrücken muss, schlüpft er im Betrieb seines Schwiegervaters unter – dem heutigen Galvanik-Unternehmen B+T.

Leistung aus eigener Kraft zeigen

Allerdings macht er es sich nicht einfach in der Büroetage bequem, sondern fängt ganz unten als Hilfsarbeiter an. Über diesen sehr bewussten Schritt sagt er im TV-Interview mit Michael vom Ende auf Hope TV:

„Ich wollte Leistung aus eigener Kraft zeigen, und nicht einfach von Beruf Schwiegersohn werden.“

Schnell wird aus dem Hilfsarbeiterjob mehr. Frank Benners Interesse an der Galvanik entflammt, und so absolviert er in verkürzter Zeit seine Gesellen- und Meisterprüfung und bildet sich zudem in Betriebswirtschaft weiter.

Krankenpfleger und jetzt Betriebswirtschaftler und Galvaniseur – zwei völlig verschiedene paar Schuhe? Ja und nein, denn manch wichtiges Handwerkszeug bringt Frank Benner aus seiner Zeit als Krankenpfleger mit. Für den Unternehmer, der letztlich Dienstleister und somit Helfer für seine Auftraggeber ist, ist eine Tugend ganz wichtig, die er in der Krankenpflege gelernt hat: Das Zuhörenkönnen. Frank Benner:

„Menschen verstehen, zuhören, herausfinden, wo etwas wehtut, wo Schwierigkeiten liegen und wie man helfen kann. Diese Fähigkeit habe ich in der Krankenpflege gelernt.“

 

Empathie statt Profitdenken

2011 übernimmt Frank Benner schließlich als geschäftsführender Gesellschafter den Betrieb des Schwiegervaters. Das Unternehmen wächst und wird zur Unternehmensgruppe. Frank Benner versucht stets, neue Felder zu erschließen.

Das erfordert Weitblick aber auch eine klare Linie und zuweilen Durchsetzungsvermögen.

Wo bei manchen Unternehmern das Profitdenken das Tempo für ihre Handlungen bestimmt, ist es bei dem bekennenden Christen Frank Benner sein Gottvertrauen. Das habe er schon bei seinen Eltern gelernt, und es trägt ihn nach eigener Aussage nicht nur Erfolge und Höhen, sondern auch in krisenhaften Zeiten.

 

Das persönliche „Jericho“: Wenn nur noch Beten hilft

Und diese bewältigt Frank Benner so ganz anders, als es wohl die meisten in vergleichbarer Lage tun würden. In seiner Zeit als angestellter Geschäftsführer in einem Betrieb in Langenfeld, wo er außerhalb des schwiegerväterlichen Betriebes Erfahrungen sammelt, gerät das Unternehmen in eine tiefe Krise. Um diese aufzufangen, wird am Ende an sieben Tagen die Woche verzweifelt geschuftet. Trotzdem platzen Liefertermine und die Qualität sinkt. Doch statt seine Mitarbeitenden zu immer weiteren Höchstleistungen anzutreiben und nach Schuldigen zu suchen, lässt sich Frank Benner von der biblischen Erzählung der fallenden Mauern von Jericho inspirieren. An einem weiteren von Chaos geprägten Morgen umschreitet er siebenmal betend das Firmengelände.

 

Segnen statt Schreien und Toben

Er segnet die Mitarbeiter, segnet die Kunden, segnet den Betrieb.

Danach beruhigt sich die Situation im Werk spürbar, berichtet Benner. Es sei das letzte Mal gewesen, dass das Unternehmen am Wochenende arbeiten muss. Diese Erfahrung prägt seine Überzeugung von der praktischen Kraft des Gebets auch in der Arbeitswelt.

 

Intergenerationale Innovativkraft

Bewusst stehen bei B+T die Initialen für „Benner und Töchter“. 2015 braucht Frank Benner im Zuge eine Werkserweiterung und des Ausstiegs eines Geschäftspartners Verstärkung. Weit suchen muss er nicht. Er findet sie bei seinen Töchtern Annalina und Sarah. Anders als er haben beide schon während der Schulzeit im Unternehmen mitgearbeitet. Abläufe und Prozesse sind ihnen ebenso vertraut wie strategisches Denken und innovative Entwicklungen.

Mittlerweile sind Annalina und Sarah Benner als Gesellschafterinnen aktiv am Unternehmen beteiligt. Immer hat Frank Benner Wert darauf gelegt, dass beide Frauen auch außerhalb des Unternehmens berufliche Erfahrungen sammeln, und so neue Perspektiven mit ins Unternehmen bringen. Das zahlt sich aus.

 

Errichtung eines eigenen Wasserstoffcampus

Wie etwa in einem völlig neuen Projekt, das gerade in Planung ist – die Errichtung eines Wasserstoffcampus auf dem eigenen Firmengelände, um so kostengünstig Energie für die energieintensive Galvanik zu gewinnen, die unabhängig von den Leistungsschwankungen der Wind- und Solarenergie arbeiten können muss. Wärmeüberschüsse bei der Wasserstoffproduktion sollen in das Energienetz der Ortsgemeinde Hüttenberg eingespeist werden, zu der B+T gehört. „Die Technik steht, aber der bürokratische Wahnsinn in Deutschland setzt immer wieder neue Stoppschilder,“ berichtet Benner. Dennoch sieht er gelassen in die Zukunft: „Mal schauen, wo wir am Ende stehen.“

 

Gesellschaftliche Verantwortung: christliches Wertefundament

Aktiv sucht Frank Benner mit B+T daher immer wieder den Kontakt mit der Politik, lädt Abgeordnete in sein Unternehmen ein, um Themen wie Energiekosten am Standort Deutschland oder das Thema Mindestlohn zu diskutieren.

Nicht raushalten, sondern einbringen, nicht passiv beobachten und nörgeln, sondern aktiv gestalten – das ist seine Devise.

„Wir Christen sitzen oft lieber am Rand und beobachten das Geschehen. […] Wir haben ein sehr klares Wertefundament. Und ich glaube, genau nach solchen Werten sehnen sich viele Menschen in unserer Gesellschaft.“

Für Benner gehört es daher zur unternehmerischen Verantwortung als Christ, auch im politischen Raum offen über den christlichen Glauben zu sprechen und bei Gleichgesinnten auch das gemeinsame Gebet zu suchen.

 

„Pflanzen statt kleben“: Hoffnungszeichen für die nächste Generation

Dabei setzt er auch auf praktisch sichtbare Zeichen außerhalb des Unternehmens und knüpft bereits bei den Jugendlichen an. Etwa als Vorsitzender des Fördervereins der Theodor-Heuss-Schule in Wetzlar, der einen Zukunftsgarten unter dem Motto „Pflanzen statt Kleben“ betreibt. Eine Reaktion auf die sogenannten Klimakleber, die sich vor ein paar Jahren auf Straßen und Kreuzungen festklebten, um mit dieser drastischen Protestform für eine radikal veränderte Klimapolitik zu demonstrieren.

Mittlerweile ist aus der Aktion „Pflanzen statt Kleben“ eine rund300 Meter lange Allee, der „Zukunftsgarten I“, entstanden, auf dem Frank Benner gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler Apfelbäume gepflanzt hat. So sollen die Jugendlichen lernen, sich aktiv einzubringen aber auch Geduld zu üben, bis Erfolg sichtbar und spürbar wird. Inzwischen sind aber auch schon in einem „Zukunftsgarten II“ die ersten 400 Liter Apfelsaft geflossen, deren Verkaufserlös der Schule zugutekommt.

 

Einladung, den Glauben zu bekennen

Neugier, Gestaltungsfreude und die Offenheit, Dinge ganz anders anzupacken – das zeichnet den Karriereweg von Frank Benner aus. Seinen christlichen Glauben will er bewusst zeigen und leben, und andere Christen in der Wirtschaft dazu ermuntern, das gleiche zu tun, wie er abschließend im Faktor C-TV-Interview sagt:

 

„Als Christ mutig sein, zum Glauben stehen. Wir haben häufig Angst, aus der Reserve zu kommen, und ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich mich als Christ oute und die Leute dadurch verstehen, warum ich so bin, wie ich bin, dann ist es viel einfacher.“

 

Andreas Odrich

👉Fünf Fragen an Frank Benner

Auf einen Blick: Was Frank Benner auszeichnet

Beruflich noch einmal alles völlig neu denken: Als Intensivkrankenpfleger mit Spezialwissen steigt Frank Benner in den Galvanikbetrieb seines Schwiegervaters ein und arbeitet sich von der Werkbank zum Geschäftsführer hoch, indem er nochmal eine völlig neue Ausbildung startet, weil er nicht „von Beruf Schwiegersohn“ sein will

Zuhören und Empathie zeigen – echte Unternehmerqualität: Als Krankenpfleger hat er gelernt, auf Menschen einzugehen und ihnen zuzuhören. Das wendet er heute auch auf seine Kunden an, und weiß so, was diese wirklich wollen

Unkonventionell Beten und Segnen: Als ein Betrieb, in dem er geschäftsführend tätig ist, in schwere Turbulenzen gerät, betet Frank Benner sichtbar für die Mitarbeitenden und die Kunden und segnet sie, in dem er nach dem Jericho-Prinzip siebenmal das Gebäude umrundet. Danach hätten sich die Turbulenzen spürbar geglättet

Mit der nachfolgenden Generation im Unternehmen auf Augenhöhe agieren: Als geschäftsführender Gesellschafter von B+T bindet Frank Benner seine Töchter frühzeitig in die Unternehmensführung ein, die fortan gemeinsam geschieht. Aktuell plant das energieintensive Galvanikunternehmen den Aufbau einer eigenen Wasserstoffproduktion, und hält trotz bürokratischer Hürden an den Plänen fest

Nicht zuschauen, sondern als Christ aktiv gestalten: Glaube muss aktiv gelebt werden und sichtbar in die Gesellschaft hineinwirken, sagt Frank Benner. So geht er als Unternehmer etwa in Energiefragen bewusst auf Politiker und Abgeordnete zu, und pflanzt im Ehrenamt mit Schülerinnen und Schülern Apfelbäume, um die Jugendlichen anzuregen, sich aktiv in die Gesellschaft und in die Zukunft einzubringen statt nur zuzuschauen

Business braucht Beziehung

Business braucht Beziehung

Ania und Stefan Lindner: Business braucht Beziehung

Leckeres Essen und engagierte Gespräche über Businessthemen – Ania und Stefan Lindner aus Frankfurt am Main müssen dafür nicht weit laufen. Treffpunkt ist der gemeinsame Küchentisch. Schließlich kommen beide aus der Lebensmittelbranche und tragen jeweils Managementverantwortung, wenn auch auf unterschiedlichen Feldern. Gerade das macht ihre Gespräche so spannend. Ania kommt aus dem internationalen Personalmanagement eines großen Lebensmittelkonzerns, Stefan ist Geschäftsführer eines Lebensmittelgroßhändlers mit Spezialisierung auf Obst und Gemüse auf dem Frankfurter Großmarkt, dem Frischezentrum. So gehen ihnen die Themen nie aus – und beide schätzen die Meinung des anderen und empfinden sich jeweils als „Super Berater“.

 

Beste Geschäftsgrundlage: guter Umgang mit Menschen

Das liegt aber auch daran, dass beide viele gemeinsame Anliegen vertreten. Beiden sind zum Beispiel der Umgang mit Menschen und gute, vertrauensvolle Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitenden wichtig. Mehr noch:

beide sind davon überzeugt, dass ein gutes und ehrliches Miteinander Arbeits- und Geschäftsbeziehungen erst tragfähig macht.

Stefan hat dies von Kindesbeinen an gelernt. Schon als Kind und Jugendlicher hat er in den Ferien viele Stunden auf dem Großmarkt verbracht, und konnte beobachten, wie Menschen in geschäftlichen Dingen kommunizieren, und was eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden ausmacht. Anders hätte sich der elterliche, mittelständische Frischegroßhandel sicher nicht so nachhaltig etablieren können.

 

Ania: Gastronomie als Schule des Lebens

Ania hat nach ihrem Soziologiestudium in Polen, wo sie aufwuchs, ihr Betriebswirtschafts- und Marketingstudium in England durch Kellnern finanziert und trug zudem mehrere Jahre als Managerin in einer Londoner Restaurantkette Verantwortung für einen reibungslosen Restaurantbetrieb. Customer Focus, also die absolute Ausrichtung auf die Kunden, und vor allem den Umgang mit Konflikten könne man kaum besser lernen als in der Gastronomie, verrät sie Moderator Michael vom Ende in einem Talk bei faktor c auf Hope TV mit einem kleinen Augenzwinkern.

 

Stefan: Studieren ohne Druck schafft Begeisterung

Auch Stefan hat als „Frankfurter Bub“ internationale Luft geschnuppert und sich während seines Freiwilligen sozialen Jahres in einem Drogenrehazentrum in Brasilien engagiert. Das anschließende Studium der Betriebswirtschaft in Deutschland mit begleitenden Auslandsaufenthalten habe er mit „Freude und Begeisterung“ und aus freien Stücken absolviert. Dass der heutige Mittdreißiger einmal in die Geschäftsleitung des elterlichen Betriebes einsteigen würde, war zu diesem Zeitpunkt nicht intendiert. So hat er erstmal außerhalb des Familienunternehmens Erfahrungen gesammelt und dann doch die Entscheidung für den elterlichen Betrieb getroffen.

Ania: Gott führt unbemerkt Regie

Beide sehen ihre Entwicklung nicht als bloßen Zufall an. Trotzdem empfindet Ania ihr geistliches Leben im Rückblick nicht als gradlinig, sondern als Achterbahnfahrt. Als Kind einer christlichen Familie habe sie Gott eher als strafenden Gott kennengelernt. Als Jugendliche hatte sich auf Basis dieses Gottesbildes bei ihr eingebrannt, dass sie „sowieso scheitern würde“. Und so schob Ania Gott buchstäblich auf die Seite. „Ich habe ihm praktisch gesagt: Gott, schön, dass du da bist, aber ich bin nicht dabei.“ Erst in London habe sie ihren Weg zu Gott zurückgefunden, „Gottes Liebe gespürt“ und „gemerkt, dass er gar nicht so böse ist“.

„Wo andere Zufall sagen, sage ich Heiliger Geist“,

fasst Ania ihre Entwicklung rückblickend zusammen, die letztlich ihrem großen Wunsch entsprach, sich beruflich stetig weiterzuentwickeln. Als sie nach Deutschland kam, habe sie sich daher bewusst einen christlichen Freundeskreis gesucht.

 

Stefan: Gott schenkt Entfaltungsmöglichkeiten

So traf sie auch auf Stefan. In einer christlichen Schule aufgewachsen, gestaltete er schon als Jugendlicher gerne Andachten. Heute, als Erwachsener, hat er sich bewusst dazu entschieden, Prädikant zu werden, eine Art ehrenamtlicher Pastor, der Gottesdienste hält.  Stefans Glaubensmotto atmet Freiheit: „Ich darf das…“, sagt er über sein Engagement.

 

Ania: Transparenz wird geschätzt

Die Werte, nach denen beide ihre Arbeit gestalten, haben daher ihre Wurzeln auch im christlichen Glauben.

Ania versucht im Personalmanagement Transparenz zu leben. Sie ist davon überzeugt, dass dies Menschen „am besten hilft, weiterzukommen“. Dabei stößt sie auch an Grenzen. Denn manchmal fällt es ihr schwer, einer Bewerberin oder einem Bewerber eine Absage zu erteilen.

„Eine negative Rückmeldung zu geben, ist nicht immer so einfach. Den Mut zu haben, transparent zu sein, wird aber letztlich geschätzt“,

fasst sie ihre Erfahrungen zusammen. Bei Bewerbungsgesprächen versucht sie daher zu begründen, warum jemand für eine Aufgabe doch nicht so geeignet sei, wie zunächst erhofft. Selbst, wenn die Menschen verständlicherweise enttäuscht seien, wären sie „später doch dankbar“.

 

Stefan: Zehn Gebote als Kompass im Geschäftsleben

Auch für Stefan haben Transparenz und Ehrlichkeit im Lebensmittelbereich einen absolut essenziellen Stellenwert. Denn so wie er seinen Lieferanten vertrauen können müsse, müssten auch seine Kunden auf ihn vertrauen können. Wenn eine Ware versehentlich in schlechtem Zustand sei, habe es keinen Sinn, falsche Behauptungen aufzustellen, um die Situation kurzfristig zu retten:

„Fehler sollten einfach beim Namen genannt werden.“

Nur das schaffe absolut verlässliche Qualität. Tricks, die er in seiner Branche durchaus schon erlebt habe, seien letztlich kontraproduktiv. Habe jemand versehentlich zu viel bestellt, habe es keinen Zweck, ältere, schon verdorbene Ware zu fotografieren und dann so zu tun, als sei die neue Lieferung schlecht. Stefan Lindner hat hingegen schnell dies gelernt:

„Ein ehrlicher Umgang zwischen Geschäftspartnern schafft ein Vertrauensverhältnis, das es ermöglicht, dass man sich auch in Krisenzeiten gegenseitig hilft und Lösungen findet, wenn etwas schiefgelaufen ist“.

Basis für ihn sind dabei die zehn Gebote:

„Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten – besser kann man es nicht zusammenfassen.“

 

Gute Beratung ist viel Wert

Herausforderungen ehrlich und transparent anzusprechen, das ist Stefan Lindner und seinem Vater wichtig. So haben sie sich bei der Generationenübergabe des Unternehmens gezielt beraten lassen. Zusätzlich bezahlt das Familienunternehmen einen Berater, an den sich die Mitarbeiter bei beruflichen und privaten Problemen wenden können. Wie beim Thema Nachtschichten und familienfreundliche Arbeitszeiten, die bei der Arbeit auf dem Lebensmittelgroßmarkt schnell zu Reibungspunkten führen.

 

Gegenseitiges Coaching am Küchentisch

So wollen Ania und Stefan Lindner ihren Glauben im Handeln und im Umgang mit Mitarbeitenden und Geschäftspartnern praktisch und einladend vorleben. Dafür haben sie eine ganz einfache Formel und Ausrichtung für sich gefunden:

„Jesus soll dabei sein.“

Über all das sprechen sie immer wieder am Küchentisch. Denn schließlich ist es ihnen als beruflich viel beschäftigtes Ehepaar und mittlerweile auch als Eltern wichtig, „gegenseitig mitzubekommen, wie es dem anderen geht, und den fachlichen Austausch zu genießen“.

👉 Erkenntnisse auf einen Blick – was wir von Ania und Stefan Lindner lernen können

👉 Fünf Fragen an Ania und Stefan Lindner

Autor: Andreas Odrich

Fünf Fragen an Prinz Constantin zu Salm-Salm: „Worin 2026 investieren?“

Fünf Fragen an Prinz Constantin zu Salm-Salm

„Worin sollte ein Unternehmer oder ein Unternehmen 2026 klug investieren?“

In der neuen Serie, „Fünf Fragen an…“, befragen wir zukünftig Mitglieder von Faktor C und wollen vor allem ihre unternehmerische und wirtschaftliche Expertise für alle nutzbar machen. Davon versprechen wir uns einen neuen Netzwerkeffekt. Jeder profitiert von jedem.

Den Anfang im Januar macht Prinz Constantin zu Salm-Salm, Unternehmer, Weinbauer und Vermögensberater aus Walhausen bei Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz).

 

Immobilien – Risiken dieser Anlageklasse endlich sichtbar

Frage 1: Wie siehst du das Thema Immobilien aktuell?

Immobilienpreise sind deutlich zurückgekommen, und es würde mich nicht überraschen, wenn wir weitere Abschläge sehen. Der Druck auf dem Immobilienmarkt ist hoch, und ich bin nicht sicher, ob alle Bewertungsanpassungen bereits verarbeitet sind. Hinzu kommt eine zunehmende Regulierung, etwa durch Mietpreisbremse und Mieterschutz, die Investitionen komplexer und riskanter macht. Immobilien müssen heute sehr selektiv betrachtet werden. Ehrlich gesagt begrüße ich es, dass die Risiken dieser Anlageklasse endlich sichtbar geworden sind, nachdem Immobilien lange als vermeintlich sicheres Investment galten. 

Kapital nicht unverzinst herumliegen lassen

Frage 2: Welche Rolle spielt Liquidität für Unternehmen und Unternehmer?

Liquidität ist immer wichtig. Meine Beobachtung ist jedoch, dass sehr viel Liquidität nicht arbeitet. Sowohl in Unternehmen als auch bei privaten Unternehmern liegt Kapital unverzinst auf Konten und wird durch Inflation kontinuierlich entwertet. In Deutschland haben wir strukturell das Problem, dass zu viel Kapital passiv bei Banken liegt. Viele wären überrascht, wie groß dieser Bodensatz an ungenutzter Liquidität tatsächlich ist. Dieses Kapital sollte am Kapitalmarkt angelegt werden. An Aktien führt dabei kein Weg vorbei.

KI – wer sich nicht kümmert, verliert Anschlussfähigkeit

Frage 3: Sollten Unternehmen 2026 in Digitalisierung, Automatisierung und KI investieren?

Ja, unbedingt, unabhängig von der Unternehmensgröße. Man muss sich intensiv mit KI beschäftigen, weil die Effizienzgewinne enorm sind. Ich vergleiche das gerne mit dem Lernen einer neuen Sprache. Wer sie nicht regelmäßig übt, wird sie nie beherrschen. Unternehmen sollten deshalb früh, tief und praxisnah einsteigen. Wer wartet, verliert wertvolle Zeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Gute Mitarbeiter: das eigentliche Kapital – jetzt Nachfolge in Familienunternehmen sichern

Frage 4: Wie siehst du Unternehmensinvestitionen, Wachstum und M&A?

Für mich verlagert sich der Fokus von Investitionen immer stärker auf Menschen, auf gute Mitarbeiter, Führungskräfte und Partner. Wir haben eine junge, ambitionierte Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Mit diesen Menschen gemeinsam Wachstum, Projekte oder auch M&A umzusetzen, kann sehr sinnvoll sein. Gerade beim Thema Unternehmensnachfolge sehe ich aktuell eine Vielzahl an Chancen, vorausgesetzt, man traut sich und übernimmt Verantwortung.

Diversifizierter Vermögensaufbau auch außerhalb des eigenen Unternehmens unerlässlich

Frage 5: Was ist aus deiner Sicht der wichtigste Punkt in finanziellen Angelegenheiten für Unternehmer persönlich?

Der wichtigste Punkt ist, auf privater Ebene Vermögen aufzubauen, idealerweise breit diversifiziert. Das ist entscheidend für Nachfolgefragen, aber auch für Krisensituationen im Unternehmen. Ich sehe viele Unternehmer, die vollständig im eigenen Unternehmen investiert sind und weder für schwierige Phasen noch für einen Insolvenzfall vorbereitet sind. Deshalb rate ich klar dazu, außerhalb des Unternehmens vorzusorgen, etwa über eine professionelle Vermögensverwaltung oder eine saubere private Vermögensplanung. An Aktien führt dabei kein Weg vorbei, und zwar global investiert und nicht nur in Deutschland. Unternehmerisches Risiko braucht immer ein privates Sicherheitsnetz. Das gilt im Übrigen auch für Mitarbeiter, denn vielen ist nicht bewusst, dass für ihre Rente bislang noch kein Cent zurückgelegt wurde.