Business braucht Beziehung

Business braucht Beziehung

Ania und Stefan Lindner: Business braucht Beziehung

Leckeres Essen und engagierte Gespräche über Businessthemen – Ania und Stefan Lindner aus Frankfurt am Main müssen dafür nicht weit laufen. Treffpunkt ist der gemeinsame Küchentisch. Schließlich kommen beide aus der Lebensmittelbranche und tragen jeweils Managementverantwortung, wenn auch auf unterschiedlichen Feldern. Gerade das macht ihre Gespräche so spannend. Ania kommt aus dem internationalen Personalmanagement eines großen Lebensmittelkonzerns, Stefan ist Geschäftsführer eines Lebensmittelgroßhändlers mit Spezialisierung auf Obst und Gemüse auf dem Frankfurter Großmarkt, dem Frischezentrum. So gehen ihnen die Themen nie aus – und beide schätzen die Meinung des anderen und empfinden sich jeweils als „Super Berater“.

Beste Geschäftsgrundlage: guter Umgang mit Menschen

Das liegt aber auch daran, dass beide viele gemeinsame Anliegen vertreten. Beiden sind zum Beispiel der Umgang mit Menschen und gute, vertrauensvolle Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitenden wichtig. Mehr noch:

beide sind davon überzeugt, dass ein gutes und ehrliches Miteinander Arbeits- und Geschäftsbeziehungen erst tragfähig macht.

Stefan hat dies von Kindesbeinen an gelernt. Schon als Kind und Jugendlicher hat er in den Ferien viele Stunden auf dem Großmarkt verbracht, und konnte beobachten, wie Menschen in geschäftlichen Dingen kommunizieren, und was eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden ausmacht. Anders hätte sich der elterliche, mittelständische Frischegroßhandel sicher nicht so nachhaltig etablieren können.

 

Ania: Gastronomie als Schule des Lebens

Ania hat nach ihrem Soziologiestudium in Polen, wo sie aufwuchs, ihr Betriebswirtschafts- und Marketingstudium in England durch Kellnern finanziert und trug zudem mehrere Jahre als Managerin in einer Londoner Restaurantkette Verantwortung für einen reibungslosen Restaurantbetrieb. Customer Focus, also die absolute Ausrichtung auf die Kunden, und vor allem den Umgang mit Konflikten könne man kaum besser lernen als in der Gastronomie, verrät sie Moderator Michael vom Ende in einem Talk bei faktor c auf Hope TV mit einem kleinen Augenzwinkern.

 

Stefan: Studieren ohne Druck schafft Begeisterung

Auch Stefan hat als „Frankfurter Bub“ internationale Luft geschnuppert und sich während seines Freiwilligen sozialen Jahres in einem Drogenrehazentrum in Brasilien engagiert. Das anschließende Studium der Betriebswirtschaft in Deutschland mit begleitenden Auslandsaufenthalten habe er mit „Freude und Begeisterung“ und aus freien Stücken absolviert. Dass der heutige Mittdreißiger einmal in die Geschäftsleitung des elterlichen Betriebes einsteigen würde, war zu diesem Zeitpunkt nicht intendiert. So hat er erstmal außerhalb des Familienunternehmens Erfahrungen gesammelt und dann doch die Entscheidung für den elterlichen Betrieb getroffen.

Ania: Gott führt unbemerkt Regie

Beide sehen ihre Entwicklung nicht als bloßen Zufall an. Trotzdem empfindet Ania ihr geistliches Leben im Rückblick nicht als gradlinig, sondern als Achterbahnfahrt. Als Kind einer christlichen Familie habe sie Gott eher als strafenden Gott kennengelernt. Als Jugendliche hatte sich auf Basis dieses Gottesbildes bei ihr eingebrannt, dass sie „sowieso scheitern würde“. Und so schob Ania Gott buchstäblich auf die Seite. „Ich habe ihm praktisch gesagt: Gott, schön, dass du da bist, aber ich bin nicht dabei.“ Erst in London habe sie ihren Weg zu Gott zurückgefunden, „Gottes Liebe gespürt“ und „gemerkt, dass er gar nicht so böse ist“.

„Wo andere Zufall sagen, sage ich Heiliger Geist“,

fasst Ania ihre Entwicklung rückblickend zusammen, die letztlich ihrem großen Wunsch entsprach, sich beruflich stetig weiterzuentwickeln. Als sie nach Deutschland kam, habe sie sich daher bewusst einen christlichen Freundeskreis gesucht.

 

Stefan: Gott schenkt Entfaltungsmöglichkeiten

So traf sie auch auf Stefan. In einer christlichen Schule aufgewachsen, gestaltete er schon als Jugendlicher gerne Andachten. Heute, als Erwachsener, hat er sich bewusst dazu entschieden, Prädikant zu werden, eine Art ehrenamtlicher Pastor, der Gottesdienste hält.  Stefans Glaubensmotto atmet Freiheit: „Ich darf das…“, sagt er über sein Engagement.

 

Ania: Transparenz wird geschätzt

Die Werte, nach denen beide ihre Arbeit gestalten, haben daher ihre Wurzeln auch im christlichen Glauben.

Ania versucht im Personalmanagement Transparenz zu leben. Sie ist davon überzeugt, dass dies Menschen „am besten hilft, weiterzukommen“. Dabei stößt sie auch an Grenzen. Denn manchmal fällt es ihr schwer, einer Bewerberin oder einem Bewerber eine Absage zu erteilen.

„Eine negative Rückmeldung zu geben, ist nicht immer so einfach. Den Mut zu haben, transparent zu sein, wird aber letztlich geschätzt“,

fasst sie ihre Erfahrungen zusammen. Bei Bewerbungsgesprächen versucht sie daher zu begründen, warum jemand für eine Aufgabe doch nicht so geeignet sei, wie zunächst erhofft. Selbst, wenn die Menschen verständlicherweise enttäuscht seien, wären sie „später doch dankbar“.

 

Stefan: Zehn Gebote als Kompass im Geschäftsleben

Auch für Stefan haben Transparenz und Ehrlichkeit im Lebensmittelbereich einen absolut essenziellen Stellenwert. Denn so wie er seinen Lieferanten vertrauen können müsse, müssten auch seine Kunden auf ihn vertrauen können. Wenn eine Ware versehentlich in schlechtem Zustand sei, habe es keinen Sinn, falsche Behauptungen aufzustellen, um die Situation kurzfristig zu retten:

„Fehler sollten einfach beim Namen genannt werden.“

Nur das schaffe absolut verlässliche Qualität. Tricks, die er in seiner Branche durchaus schon erlebt habe, seien letztlich kontraproduktiv. Habe jemand versehentlich zu viel bestellt, habe es keinen Zweck, ältere, schon verdorbene Ware zu fotografieren und dann so zu tun, als sei die neue Lieferung schlecht. Stefan Lindner hat hingegen schnell dies gelernt:

„Ein ehrlicher Umgang zwischen Geschäftspartnern schafft ein Vertrauensverhältnis, das es ermöglicht, dass man sich auch in Krisenzeiten gegenseitig hilft und Lösungen findet, wenn etwas schiefgelaufen ist“.

Basis für ihn sind dabei die zehn Gebote:

„Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten – besser kann man es nicht zusammenfassen.“

 

Gute Beratung ist viel Wert

Herausforderungen ehrlich und transparent anzusprechen, das ist Stefan Lindner und seinem Vater wichtig. So haben sie sich bei der Generationenübergabe des Unternehmens gezielt beraten lassen. Zusätzlich bezahlt das Familienunternehmen einen Berater, an den sich die Mitarbeiter bei beruflichen und privaten Problemen wenden können. Wie beim Thema Nachtschichten und familienfreundliche Arbeitszeiten, die bei der Arbeit auf dem Lebensmittelgroßmarkt schnell zu Reibungspunkten führen.

 

Gegenseitiges Coaching am Küchentisch

So wollen Ania und Stefan Lindner ihren Glauben im Handeln und im Umgang mit Mitarbeitenden und Geschäftspartnern praktisch und einladend vorleben. Dafür haben sie eine ganz einfache Formel und Ausrichtung für sich gefunden:

„Jesus soll dabei sein.“

Über all das sprechen sie immer wieder am Küchentisch. Denn schließlich ist es ihnen als beruflich viel beschäftigtes Ehepaar und mittlerweile auch als Eltern wichtig, „gegenseitig mitzubekommen, wie es dem anderen geht, und den fachlichen Austausch zu genießen“.

👉 Erkenntnisse auf einen Blick – was wir von Ania und Stefan Lindner lernen können

👉 Fünf Fragen an Ania und Stefan Lindner

Autor: Andreas Odrich

Fünf Fragen an Prinz Constantin zu Salm-Salm: „Worin 2026 investieren?“

Fünf Fragen an Prinz Constantin zu Salm-Salm

„Worin sollte ein Unternehmer oder ein Unternehmen 2026 klug investieren?“

In der neuen Serie, „Fünf Fragen an…“, befragen wir zukünftig Mitglieder von Faktor C und wollen vor allem ihre unternehmerische und wirtschaftliche Expertise für alle nutzbar machen. Davon versprechen wir uns einen neuen Netzwerkeffekt. Jeder profitiert von jedem.

Den Anfang im Januar macht Prinz Constantin zu Salm-Salm, Unternehmer, Weinbauer und Vermögensberater aus Walhausen bei Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz).

 

Immobilien – Risiken dieser Anlageklasse endlich sichtbar

Frage 1: Wie siehst du das Thema Immobilien aktuell?

Immobilienpreise sind deutlich zurückgekommen, und es würde mich nicht überraschen, wenn wir weitere Abschläge sehen. Der Druck auf dem Immobilienmarkt ist hoch, und ich bin nicht sicher, ob alle Bewertungsanpassungen bereits verarbeitet sind. Hinzu kommt eine zunehmende Regulierung, etwa durch Mietpreisbremse und Mieterschutz, die Investitionen komplexer und riskanter macht. Immobilien müssen heute sehr selektiv betrachtet werden. Ehrlich gesagt begrüße ich es, dass die Risiken dieser Anlageklasse endlich sichtbar geworden sind, nachdem Immobilien lange als vermeintlich sicheres Investment galten. 

Kapital nicht unverzinst herumliegen lassen

Frage 2: Welche Rolle spielt Liquidität für Unternehmen und Unternehmer?

Liquidität ist immer wichtig. Meine Beobachtung ist jedoch, dass sehr viel Liquidität nicht arbeitet. Sowohl in Unternehmen als auch bei privaten Unternehmern liegt Kapital unverzinst auf Konten und wird durch Inflation kontinuierlich entwertet. In Deutschland haben wir strukturell das Problem, dass zu viel Kapital passiv bei Banken liegt. Viele wären überrascht, wie groß dieser Bodensatz an ungenutzter Liquidität tatsächlich ist. Dieses Kapital sollte am Kapitalmarkt angelegt werden. An Aktien führt dabei kein Weg vorbei.

KI – wer sich nicht kümmert, verliert Anschlussfähigkeit

Frage 3: Sollten Unternehmen 2026 in Digitalisierung, Automatisierung und KI investieren?

Ja, unbedingt, unabhängig von der Unternehmensgröße. Man muss sich intensiv mit KI beschäftigen, weil die Effizienzgewinne enorm sind. Ich vergleiche das gerne mit dem Lernen einer neuen Sprache. Wer sie nicht regelmäßig übt, wird sie nie beherrschen. Unternehmen sollten deshalb früh, tief und praxisnah einsteigen. Wer wartet, verliert wertvolle Zeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Gute Mitarbeiter: das eigentliche Kapital – jetzt Nachfolge in Familienunternehmen sichern

Frage 4: Wie siehst du Unternehmensinvestitionen, Wachstum und M&A?

Für mich verlagert sich der Fokus von Investitionen immer stärker auf Menschen, auf gute Mitarbeiter, Führungskräfte und Partner. Wir haben eine junge, ambitionierte Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Mit diesen Menschen gemeinsam Wachstum, Projekte oder auch M&A umzusetzen, kann sehr sinnvoll sein. Gerade beim Thema Unternehmensnachfolge sehe ich aktuell eine Vielzahl an Chancen, vorausgesetzt, man traut sich und übernimmt Verantwortung.

Diversifizierter Vermögensaufbau auch außerhalb des eigenen Unternehmens unerlässlich

Frage 5: Was ist aus deiner Sicht der wichtigste Punkt in finanziellen Angelegenheiten für Unternehmer persönlich?

Der wichtigste Punkt ist, auf privater Ebene Vermögen aufzubauen, idealerweise breit diversifiziert. Das ist entscheidend für Nachfolgefragen, aber auch für Krisensituationen im Unternehmen. Ich sehe viele Unternehmer, die vollständig im eigenen Unternehmen investiert sind und weder für schwierige Phasen noch für einen Insolvenzfall vorbereitet sind. Deshalb rate ich klar dazu, außerhalb des Unternehmens vorzusorgen, etwa über eine professionelle Vermögensverwaltung oder eine saubere private Vermögensplanung. An Aktien führt dabei kein Weg vorbei, und zwar global investiert und nicht nur in Deutschland. Unternehmerisches Risiko braucht immer ein privates Sicherheitsnetz. Das gilt im Übrigen auch für Mitarbeiter, denn vielen ist nicht bewusst, dass für ihre Rente bislang noch kein Cent zurückgelegt wurde.