Die Präambel christlicher Führung: In Verantwortung vor Gott und den Menschen

In der Wirtschaft sprechen wir viel über Prozesse, Ziele, Effizienz, Kennzahlen und Verantwortung. All das ist wichtig. Gerade in der Automobilbranche, in der ich seit über zehn Jahren tätig bin, geht es oft um komplexe Systeme, enge Termine, hohe Kundenerwartungen und klare Ergebnisse.

Über mehrere Jahre war und bin ich in Führungsverantwortung unterwegs. Teilweise mit disziplinarischer Mitarbeiterverantwortung, teilweise in fachlicher Führung ohne direkte Personalunterstellung. Gerade diese unterschiedlichen Formen von Führung haben mir gezeigt: Führung beginnt nicht erst dort, wo Menschen offiziell unterstellt sind. Führung beginnt dort, wo jemand Verantwortung übernimmt, Orientierung gibt und andere durch komplexe Situationen begleitet.

Dabei habe ich immer wieder erlebt: Führung ist nie neutral. Sie prägt Menschen. Sie prägt Kultur. Sie prägt Vertrauen.

In meiner beruflichen Welt spielt User Experience eine wichtige Rolle. Dort geht es um die Frage, ob Produkte und Systeme wirklich für Menschen funktionieren. Nicht nur für Präsentationen. Nicht nur für Managementziele. Nicht nur für interne Prozesse. Sondern für die Menschen, die am Ende damit arbeiten, fahren, entscheiden oder leben müssen.

Diese Frage beschäftigt mich inzwischen weit über die Produktentwicklung hinaus:

Für wen führen, entwickeln und entscheiden wir eigentlich?

Für Prozesse? Für Kennzahlen? Für unsere eigene Absicherung? Oder für Menschen, die von unseren Entscheidungen betroffen sind?

Als Christ kann ich diese Frage nicht rein wirtschaftlich beantworten. Der Mensch ist für mich nicht zuerst Ressource, Rolle oder Leistungsträger. Er ist Geschöpf Gottes. Er hat Würde, bevor er Leistung bringt. Er bleibt wertvoll, auch wenn er Fehler macht, Grenzen hat oder nicht in jedes System passt.

Das verändert Führung.

Christliche Führung bedeutet für mich nicht, weich, beliebig oder konfliktscheu zu sein. Gute Führung braucht Klarheit. Sie muss Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und manchmal auch unbequeme Dinge ansprechen. Aber sie tut das in dem Bewusstsein, dass der Mensch nicht Mittel zum Zweck ist.

Gerade im wirtschaftlichen Druck zeigt sich, worauf Führung gegründet ist. Wenn Termine eng werden, Fehler sichtbar sind oder Erwartungen steigen, ist es leicht, nur noch funktional zu denken. Dann wird der Mitarbeiter schnell zur Kapazität, das Team zur Ressource und der Mensch zum Faktor im Projektplan.

Christlicher Glaube erinnert mich daran, anders hinzusehen.

  • Diene ich den Menschen, die mir anvertraut sind?
  • Gebe ich Orientierung oder erzeuge ich nur Druck?
  • Bin ich ehrlich, auch wenn es unbequem ist?
  • Schütze ich Menschen, wenn es schwierig wird?
  • Übernehme ich Verantwortung oder schiebe ich sie weiter?

Ich habe gelernt: Man kann Menschen führen, ohne formale Macht über sie zu haben. Und man kann formale Macht haben, ohne wirklich zu führen. Echte Führung entsteht nicht allein durch Position, sondern durch Vertrauen, Klarheit, Verlässlichkeit und Haltung.

Für Christen in der Wirtschaft liegt darin eine große Verantwortung. Unser Glaube ist nicht für den Sonntag reserviert. Er gehört auch in den Montagmorgen. In Meetings. In Zielkonflikte. In Mitarbeitergespräche. In Entscheidungen, bei denen niemand zusieht. In die Art, wie wir über Menschen sprechen, mit Fehlern umgehen und unter Druck reagieren.

Ich schreibe das nicht aus einer sicheren Distanz, sondern auch als persönliches Bekenntnis. Wenn ich ehrlich bin, war ich in meiner eigenen Führungslaufbahn zu oft lauwarm. Zu oft habe ich nicht klar genug Stellung bezogen. Zu oft habe ich abgewogen, ob ein klares Wort jetzt beruflich klug, passend oder bequem ist. Und wenn ich zurück blicke, würde ich sicherlich einiges anders machen.

Denn unser Schweigen ist nicht immer neutral. Manchmal ist gerade unser Schweigen das Schlimmste, was wir tun können. Wenn wir schweigen, wo Wahrheit gebraucht wird. Wenn wir uns zurückhalten, wo Menschen Orientierung brauchen. Wenn wir unser Licht verstecken, obwohl Gott uns genau dort hingestellt hat: in Teams, in Unternehmen, in Verantwortung.

Das bedeutet nicht, jeden Besprechungsraum zur Kanzel zu machen. Aber es bedeutet, erkennbar zu leben. Wahrhaftig zu sprechen. Menschen würdig zu behandeln. Für das Richtige einzustehen, auch wenn es unbequem wird.

Wir brauchen Christen in der Wirtschaft, die nicht lauwarm bleiben. Christen, die sich neu anzünden lassen. Die nicht aus eigener Kraft glänzen wollen, sondern Licht bringen, weil Christus in ihnen lebt.

  • Seid mutig und stark.
  • Seid nicht lauwarm.
  • Lasst euch anzünden.
  • Bringt Licht in die Dunkelheit.

Michael Hayer ist Portfoliomanager bei der EDAG GmbH, selbstständiger Unternehmer und seit über zehn Jahren im Automotive-Umfeld tätig. Er verfügt über fachliche und disziplinarische Führungserfahrung und beschäftigt sich aus christlicher Überzeugung mit der Frage, wie Digitalisierung, Führung und Produktentwicklung dem Menschen dienen können – in Verantwortung vor Gott und den Menschen.

Im Buch „User Centered Politics – Warum Demokratie ohne Werte scheitert“ (M. & S. Hayer Verlag | lesen.mhayer.de) überträgt er Prinzipien aus User Experience und nutzerzentrierter Entwicklung auf größere gesellschaftliche Systeme. Seine These: Systeme scheitern, wenn sie am Menschen vorbeigebaut werden und ihr Wertefundament verlieren.

Mit #ByFaith möchte er Christen ermutigen, ihren Glauben auch im Berufsalltag sichtbar zu leben. Auf https://byfaith.network können Interessierte ihr Profilbild kostenlos mit einem #ByFaith-Badge versehen und so ein klares, verbindendes Zeichen für den Glauben im Alltag setzen.

 

„Wenn der Ofen ausgeht“ – History Snack aus 1974 von Peter Oswald

Wenn der Ofen ausgeht

Peter Oswald

Nach der Ölkrise Alles in allem gesehen, haben uns die Ölscheichs nicht nur einen Streich gespielt. Die politisch bedingte Ölkrise rückte uns nur einige Jahre früher ein Problem vor Augen, das unausweichlich auf uns zukommt, sobald die Ölquellen erschöpft sind.

Supervergeuder USA „Daran schuld ist eine Menschheit“, so der italienische Fachexperte Martinoli, „die, um in einem immer hektischeren Klima zu überleben, die vorgegebenen Energiequellen blindlings verpulvert“. An dieser Vergeudung sind alle schuld. Wenn man den Energieverbrauch pro Kopf im Rahmen der industriellen Entwicklung betrachtet – er hat sich seit 14 Jahren verdoppelt, und dürfte im Jahr 2000 viermal so hoch sein wie im Jahr 1970 –, dann sticht in die Augen, daß die Supervergeuder die USA sind. Angesichts dieser Tatsache hat S. T. Freeman, Direktor der Ford-Gründung für Energiepolitik gesagt: „Wir haben nicht die Natur zu tadeln (wegen der knappen Ölreserven), sondern Onkel Sam.“ Der amerikanische Lebensstil zeigt nämlich einen Energieverbrauch auf, der pro Kopf sechsmal höher liegt als der Durchschnitt der Weltbevölkerung. So verfügen die USA, die nur sechs Prozent der Menschheit ausmachen, über etwa ein Drittel der Weltenergie.

Wenn die Quellen versiegt sind … Die Berechnungen über die bekannten Energiereserven besagen, daß es Erdöl noch für 37 Jahre, Erdgas für 43 Jahre und Kohle für 448 Jahre geben wird. Wenn also das Erdöl zuerst ausgeht, so ist es klar, daß wir auf der Stelle die anderen Energiequellen entwickeln müssen. Zu diesem Thema schlagen die Fachleute neue Verbrennungsmethoden von gereinigten Kohlearten vor, außerdem die Vergasung der Kohle und die Herstellung von Erdöl aus Kohle, erdölhaltigem Sand oder erdpechhaltigen Schichten, die vielerorts vorkommen. Aber das alles genügt nicht. Man wird noch andere Energiequellen nutzbar machen müssen, zum Beispiel die Energie in Form der großen Hitze des Erdinnern, die Sonnen-, Meeres- und Windenergie. Dazu sind aber lange Forschungsarbeiten nötig. Die Ergebnisse werden jedenfalls nicht rechtzeitig kommen, als daß sie der Energiekrise begegnen könnten, der wir entgegeneilen.

Wohin mit dem „Atommüll“? Die Atomenergie scheint die naheliegendste Lösung des Problems zu sein. Der Energiespender dafür, das Uran, findet sich in den USA, der Sowjetunion, Australien, Kanada, Südamerika und Afrika. Es besteht also keine Gefahr eines Lieferungsmonopols. Den Gebrauch dieses neuen Energiespenders sollte man jedoch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der größte Nachteil sind die Schlacken, die beim „Verbrennen“ von angereichertem Uran in den Atommeilern anfallen, der sogenannte „Atommüll“. Der Mensch ist wie der berühmte Zauberlehrling. Er ist fähig, eine Kettenreaktion in Gang zu setzen, die Atomenergie erzeugt. Aber er kennt keinen chemischen oder physikalischen Weg, die radioaktive Strahlung des Atommülls aufzuheben. Die Radioaktivität verringert sich nur mit Ablauf der Zeit. Dazu sind Jahrhunderte und Jahrtausende nötig, während nichts anderes zu tun bleibt, als den Atommüll abzulagern. Welche sicheren Orte gibt es aber? Früher dachte man an den Meeresgrund. Dann aber entdeckten die Russen, daß die radioaktiven Substanzen die Meerestiere verseuchten. Durch den Verzehr von radioaktiv kontaminiertem Fisch wird dann doch der Mensch wieder erfaßt. Heute verschließt man den Atommüll in Metallbehältern und lagert ihn auf eigens dafür eingerichteten „Friedhöfen“. Der Zutritt dazu ist streng untersagt. Aber diese Metallbehälter gehen mit der Zeit kaputt. Jeweils nach 20 Jahren müssen sie ausgegraben und der Atommüll in neue Metallbehälter umgefüllt werden, ein mühsames Unternehmen. Dabei nehmen die Gefahren ständig zu. Wenn nämlich die Energiegewinnung immer mehr durch Kernspaltung geschieht, wird es auch mehr Atommüll geben. Der Anstieg erfolgt, mathematisch gesehen, in einer geometrischen Reihe. So werden dann für Jahrhunderte und Jahrtausende alle 20 Jahre immer mehr Metallbehälter auszuwechseln sein. Deshalb denken die „Umweltschützer“ daran, das Problem in den kommenden Jahren dadurch aus der Welt zu schaffen, daß sie den Atommüll auf die Sonne schießen; auf die reinigende Wirkung dieses riesigen Feuerherdes vertrauend.

Radioaktive Strahlen aus dem Atommeiler

Jedoch liegt die Gefahr nicht nur im Atommüll, sondern auch in den radioaktiven Strahlungen die der Atommeiler von sich gibt und die die Umgebung erreichen können. Freilich ist die einzelne Dosis an Radioaktivität so gering, daß sie praktisch unschädlich ist. Aber es ist auch wahr, daß viele kleine Strahlendosen sich summieren können und so, auf die Dauer gesehen, doch ernste Schäden hervorrufen können, vor allem auf genetischem Gebiet, also für die kommenden Generationen.

Die schwerwiegendste Folge aber bedeutet es, daß Atomreaktoren nach 20 bis 30 Jahren betriebsunfähig werden, und verlassen werden müssen. Wie uns E. S. Schumacher erklärte, können sie weder abgebaut noch abtransportiert werden. Sie müssen jahrhundertelang dort bleiben, wo sie stehen und geben still ihre unsichtbaren Strahlen in die Luft, ins Wasser und in den Boden ab. Es sind $\alpha$-, $\beta$- und $\gamma$-Strahlen, die Krebs erzeugen und bei den späteren Generationen zu Mißbildungen in der Art und Weise des Contergans führen können.

Was sagen die Futurologen?

An diesem Punkt ist es schwierig, die Vorausschau des Futurologen A. Peccei vom „Club of Rome“ zu ignorieren. Peccei rechnet mit etwa 24000 in Betrieb befindlichen atomaren Zentren am Ende unseres Jahrhunderts. Er sieht die Welt wie ein unermessliches Feld, auf dem zigtausend Menschen die Atomanlagen bewachen. Denn diese stellen eine Gefahr wie potentielle Atombomben dar. Andere Tausendschaften sind damit beauftragt, die radioaktiven Strahlungen zu überprüfen, und andere, auf die unschädlichste Art und Weise die Berge von radioaktiven Schlacken abzutragen. Die Aussichten – auch wenn man optimistischer gestimmt ist als Peccei – sind sicherlich nicht rosig. Schließlich steht man doch vor der Alternative: Entweder Atommeiler bauen, oder die Industrie einschränken. G. Martinoli, den wir eingangs erwähnten, hat vorgeschlagen, für einige Jahrzehnte auf den alten Rohstoff Kohle als Energiequelle zurückzugreifen. Er hat jedoch zugeben müssen, daß auch dabei die natürliche Umwelt und die Bevölkerung durch die Luftverschmutzung zu leiden hat.

Wie wir auch das Blatt drehen und wenden, die Krise, in die wir hineingeraten sind, läßt sich nicht auf einem bequemen Weg überwinden. Welche Straße wir auch einschlagen, ohne ein „blaues Auge“ kommen wir nicht davon. Eines muß man aber sagen: Es genügen nicht die technischen Lösungen, um uns aus der Sackgasse herauszuhelfen, wenn wir nicht gleichzeitig eine Lebensweise überwinden, die uns in dieses Dilemma geführt hat; wenn wir nicht ein neues Modell für die menschliche und gesellschaftliche Entwicklung finden, aus dem die selbstzerstörerischen Grundthesen des Konsumdenkens gestrichen sind.

Jesus spricht:

Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Joh. 8.12

Wenn Gott die Richtung vorgibt

Wenn Gott die Richtung vorgibt

Friedrich Rominger: Wenn Gott die Richtung vorgibt

35 Jahre lang ist Friedrich Rominger international im Top-Management tätig – als Entwicklungsleiter bei Continental, mit Verantwortung für tausende Ingenieure weltweit. Dann verändert Gottes Ruf sein Leben: Statt Karriere im Konzern folgen Selbständigkeit, Ehrenamt und neue Wege, die er am Anfang seines Berufslebens nie geplant hätte. Heute engagiert er sich ehrenamtlich in einem christlichen Gemeindenetzwerk und als Vorsitzender des Vereins „Christen in der Wirtschaft e. V.“ Sein Anliegen: christliche Unternehmer und Führungskräfte unterstützen, stärken und miteinander verbinden.

Werte: der neue Trendfaktor

Warum ein Top-Manager aussteigt – und was das für die eigene Laufbahn bedeutet

Wer an Karriere denkt, der assoziiert damit in der Regel Erfolg. Gerade bei Männern ist das so. Aufstieg Schritt für Schritt und am Ende als Krönung Chef eines Unternehmens oder gar eines ganzen Konzerns – die klassischen Karriereträume über viele Generationen hinweg.

Im Hintergrund nicht selten ein falsches Leistungsdenken, das den Wert eines Menschen vor allem über seine beruflichen Erfolge definiert.

Statt reiner Karriere Suche nach Sinnstiftung

Doch diese Zeiten sind wohl vorbei, jedenfalls für die Mehrheit. Laut Arbeitsbarometer des internationalen Personaldienstleisters Randstad von Anfang 2026 sollen mittlerweile 63% der Menschen im Arbeitsprozess verstärkt auf Sinnsuche setzen und halten die klassischen Karrieremuster für überholt.

Ebenso verzeichnet die Beratungsorganisation Managerseminare vor allem bei den jüngeren Führungskräften eine starke Zuwendung zu Werten, die sie höher priorisieren als  bloße Karrierepläne.

Wertekompass ohne Leistungsdenken

Somit ist Friedrich Rominger ein echter Trendsetter. Einer, der wirklich für eine Karriere bis an die Spitze seines Unternehmens geeignet ist, und der sich aufgrund seines Wertekanons dann doch anders entscheidet.

Wenn der innere Kompass etwas anderes sagt

Das Umdenken erfolgt an einem Punkt, an dem der nächste Karriereschritt schon vorgezeichnet scheint: Spitzenposition mit globaler Verantwortung, Entwicklungsleiter in einem internationalen Unternehmen, weltweite Steuerung von Teams und Projekten.

Doch eine wachsende innere Spannung bringt Friedrich Rominger zum Umdenken:

„Ich habe gemerkt, dass meine äußere Entwicklung nicht mehr zu meiner inneren Überzeugung passt“,

beschreibt Rominger rückblickend diese Zeit im Fak+or C-Interview von Michael vom Ende auf Hope TV.

 

Weg von erfolgszentriert hin zu stimmig

Und so setzt der erfahrene Manager nicht mehr auf eine rein „erfolgszentrierte“ Karriere, sondern eine Betätigung, bei der er sich stärker und explizit für seinen christlichen Glauben engagieren kann.

Dieser Glaube spielt schon früh eine Rolle. So ist Friedrich Rominger in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Als Jugendlicher trifft er eine bewusste Entscheidung dafür. Diese persönliche Dimension seines Glaubens wird somit schon früh zum Maßstab seines beruflichen Handelns.

Glaube an Gott als Kompass

Nicht, dass die Religion seine Karriere ersetzt, aber der Glaube an einen Gott, der jeden Menschen als Unikat geschaffen hat und persönlich liebt, der für Gnade, Gerechtigkeit und Erlösung steht, wird zu einem Kompass:

Welche Aufgabe übernehme ich? Welche Ziele verfolge ich auf dieser Basis und zu welchem Preis?

Statt linear phasenorientiert

Der Schritt raus aus dem Konzern ist daher kein spontaner Ausstieg oder gar eine Flucht. Vielmehr ist er für Friedrich Rominger ein Prozess, eine Schwerpunktverlagerung, die nicht das eine gegen das andere ausspielt, sondern seinen Fokus verlagert: raus aus Sicherheiten, Status und Struktur, hin zu Selbständigkeit, ehrenamtlichem Engagement und stärkerer inhaltlicher Ausrichtung an seinen Überzeugungen.

Damit zeigt Friedrich Rominger, dass eine Karriere längst nicht mehr linear verlaufen muss, sondern dass sich das berufliche Engagement immer stärker in individuellen Entscheidungen, in Clustern und neuen Betätigungsfelder erschließt.

Glaube als gleichwertige Entscheidungsgröße

Noch immer gilt hierzulande: Religion ist Privatsache oder fokussiert sich allzu oft auf rein spirituell meditative Übungen, die den Menschen das Leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft erleichtert oder sie in erster Linie fit halten soll für den Job.

Friedrich Romingers Weg zeigt jedoch, dass vor allem der christliche Glaube Werte enthält, die breiter angelegt sind, die mit Nächsten- und Feindesliebe über ein reines Wellnessprogramm für die Seele hinausweist, und zur handlungsleitenden Kraft wird, die sich ganz praktisch im Berufsalltag auf Basis der folgenden Fragen umsetzt:

Wie lassen sich Überzeugungen im Berufsalltag leben? Wie beeinflussen sie Menschenbild, Führungsstil, Entscheidungen und Umgang mit Verantwortung?

Rominger engagiert sich heute als Vorstandsvorsitzender in dem Netzwerk „Christen in der Wirtschaft“, wo genau diese Fragen diskutiert werden. Sein Anliegen: Führungskräfte sollen nicht zwischen Karriere und Überzeugung wählen müssen – sondern beides zusammenbringen.

Karriere neu denken

Friedrich Rominger steht somit exemplarisch für einen größeren Trend: Karriere wird individueller, werteorientierter und weniger vorhersehbar.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur: „Wie komme ich nach oben?“
Sondern: „Wo will ich überhaupt hin – und warum?“

Wer darauf eine Antwort findet, hat einen Vorteil, der sich nicht allein in einem tabellarischen Lebenslauf erfassen lässt, der aber das Bild des gesamten Menschen zeichnet, der wesentlich mehr ist als die Aneinanderreihung seiner Karriereschritte und seien sie noch so respektabel.

👉 Erkenntnisse auf einen Blick – was wir von Friedrich Rominger lernen können

👉 Fünf Fragen an Friedrich Rominger

Autor: Andreas Odrich

Fünf Fragen an Friedrich Rominger

Fünf Fragen an Friedrich Rominger

Status und Geld sind nicht alles bei der Karriereplanung, Sinnerfüllung und nachhaltige Ziele sind mindestens genauso wichtig, sagt Friedrich Rominger, Vorstandsvorsitzender von Fak+or C und selbst Jahrzehnte lang in einem internationalen Konzern in der Leitung tätig, bevor er noch einmal im Nonprofitbereich neue Akzente gesetzt hat. Wie aus seiner Sicht eine gute Karriereplanung aussehen kann, schildert er hier in unserer Rubrik „Fünf Fragen an…“:

 

faktor c:

Fünf Fragen an Friedrich Rominger

Status und Geld sind nicht alles bei der Karriereplanung, Sinnerfüllung und nachhaltige Ziele sind mindestens genauso wichtig, sagt Friedrich Rominger, Vorstandsvorsitzender von faktor c und selbst Jahrzehnte lang in einem internationalen Konzern in der Leitung tätig, bevor er noch einmal im Nonprofitbereich neue Akzente gesetzt hat. Wie aus seiner Sicht eine gute Karriereplanung aussehen kann, schildert er hier in unserer Rubrik „Fünf Fragen an…“:

 

Was raten Sie jemandem, der am Anfang seiner Karriere den nächsten Schritt plant?

Grundsätzlich alle Aufgaben, die anstehen, mit Freude und Elan ausführen und ausfüllen. Nicht nur auf den nächsten Karriereschritt fokussieren, sondern durch Leistung und Begeisterung auffallen und damit signalisieren, da ist jemand, der für die nächste Stufe bereit ist. Ich habe immer meine Aufgaben mit Elan und Begeisterung erledigt und dann kam der nächste Karriereschritt automatisch, natürlich bei entsprechender Eignung, so selbstkritisch muss man sein.

Und, was vielleicht komisch klingt in dieser Situation: zufrieden und dankbar sein mit der Rolle, die man zurzeit hat – nicht nur die nächste Stufe erzwingen wollen, was sogar das Gegenteil bewirken könnte.

 

Welche Werte sind Ihnen wichtig, wenn Sie jetzt auf ein erfülltes Berufsleben zufrieden zurückblicken?

Authentisch sein, loyal sein, ehrlich sein – keine krummen Dinge zulassen bzw. mitmachen. Nicht die Ellenbogen benützen, sondern als Teamplayer mit anderen zusammenarbeiten und nicht gegen sie agieren. Als Vorgesetzter nicht Macht ausüben, sondern die Mitarbeitenden auf Augenhöhe mit einbeziehen und fair behandeln.

 

Wie würden Sie konkret Gott in die Karriereplanung einbinden?

Gebet ist sehr wichtig – wir brauchen die Unterstützung und den Beistand von Gott. Auf dem Gebet liegt so viel Verheißung und Macht. Auch Gott klar fragen, wo soll es hingehen und um Weisheit für die richtige Entscheidung bitten. Er hilft dann, Klarheit zu bekommen.

 

Wie weit sind christliche Werte in einem weltumspannenden Konzern tragfähig, wieweit sind sie lebbar und wo sind Sie damit an Grenzen gestoßen?

Die sind sehr wohl lebbar und tragfähig, vor allem im eigenen Team kann man die schon durchsetzen bzw. einfordern. Das christliche Weltbild und die Konzernwerte waren aus meiner Sicht nicht konträr zueinander.

 

Sie haben Anfang des Jahres 2026 in einem Video-Statement werbend auf die Regionalgruppen von faktor c hingewiesen. Warum halten Sie den Austausch und die Begegnungen dort für wertvoll?

Als Vorgesetzter, speziell im Senior Executive Bereich oder als Unternehmer hat man sehr häufig Herausforderungen oder Problemstellungen, welche normalerweise niemand aus der Ortsgemeinde oder der lokalen Kleingruppe (zu der man hoffentlich zugehörig ist) versteht, und mit dem man sich da im christlichen Umfeld austauschen kann.
Die Themen wiederum verstehen Kollegen auf selbem Level, aber die haben häufig ein anderes Wertesystem als wir als Christen.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass christliche Führungskräfte und Unternehmer eine Gruppe haben, die dieselbe Sprache sprechen, die einen verstehen und auch unterstützen können, und die einen im Gebet begleiten können. Ich hätte mir als Senior Executive gewünscht, so eine Gruppe zu haben – hatte ich aber nicht. Deshalb werbe ich bei faktor c jetzt so intensiv für diese Gruppen. Es ist so einfach und so hilfreich, so eine Gruppe zu starten und aufzubauen.

 

 

 

Was wir von Friedrich Rominger lernen können

Friedrich Romingers Entscheidung, am Ende seiner Laufbahn nochmal etwas völlig anderes zu tun, ist ein Gegenentwurf zur reinen Leistungslogik. Für Menschen, die sich mit ihrer Karriereplanung beschäftigen, lassen sich daraus verschiedene Erkenntnisse ziehen:

Früh klären, was wirklich zählt
Eigene Werte bestimmen das Handeln. Am Anfang der Karriere und auch zwischendrin sollten diese Werte geklärt werden, weil sich aus ihnen folgerichtig und stimmig die fälligen Entscheidungen ableiten.

Sinnstiftung entscheidender Faktor
Status, Titel und Kontostand lassen sich messen. Zufriedenheit, Kongruenz mit den eigenen Werten und ein sinnstiftendes Leben sind schwerer messbar aber oftmals am Ende der entscheidende Faktor beim persönlichen Rückblick auf ein gelungenes Leben.

Innere Signale ernst nehmen
Es muss nicht immer die totale Unzufriedenheit sein – aber wenn sich das Gefühl, dass „irgendetwas nicht mehr passt“, sich immer wieder einschleicht, ist es ratsam, die Ursachen dafür zu ergründen und gegebenenfalls konkrete Schritte zu unternehmen, um einen neuen, stimmigeren Weg einzuschlagen.

Mut zur Kurskorrektur
Karrierewege sind veränderbar. Ein Richtungswechsel ist kein Scheitern, sondern oft ein Zeichen von Klarheit und Selbstanalyse.

Gott als Karriereplaner
Gott bei der Karriereplanung mit ins Boot zu holen, klingt gerade für Außenstehende nahezu verrückt. Selbst Christen scheuen davor zurück. Friedrich Rominger hat diesen Schritt gewagt. Sein Beispiel ist keine Garantie für eine geradlinige Karriere für Dritte, sein stimmiges Leben ist aber ein Beleg dafür, wenn sich jemand in Gott verankert weiß.  

Zugang bedeutet Macht (Chris Simpson)

Zugang bedeutet Macht (Chris Simpson)

Ein Büro am Montagvormittag. Das Klackern der Tastaturen, Konkurrenzdenken hinter höflichem Lächeln. Soweit alles normal, neutral. Oder doch nicht? Jeder Arbeitsplatz ist eine Art Tempel mit eigenen Ritualen. Erfolg wird angebetet und erfährt seine Krönung in Beförderungen und Titeln. Sicherheit versteckt sich hinter Einkommen und Rentenplänen. Sie sind die Götter unserer Zeit, klein, glänzend und unerbittlich.

Und dann kommt Jesus herein. Während Seiner Zeit auf der Erde mied Er die Zentren der Macht nicht. Er begab sich mitten hinein in die Synagogen, Tempelvorhöfe, die Orte, an denen Kultur und Überzeugung miteinander kollidierten. Dort lehrte und heilte Er, konfrontierte das Zerbrochene. Und als der Tempel von Gier geflutet wurde, warf Er die Tische um (Mt. 21,12-13). Macht war für Jesus keine Gefahr, die es zu meiden galt, sondern ein Auftrag Seines Vaters.

Auch Apostel Paulus sprach nicht nur in Synagogen, sondern auch auf dem Marktplatz in Athen, einem Zentrum der Geschäfte und Ideen (Apg. 17,17). Später stand er vor Statthaltern und Königen und erzählte kompromisslos von Jesus (Apg. 24-26). Er suchte weder eine Plattform noch Ruhm. Er nutzte die Zugänge, die sich ihm boten. Sein Ziel:  „Alles menschliche Denken nehmen wir gefangen und unterstellen es Christus, weil wir ihm gehorchen wollen.“ (2. Kor. 10,5).  

Das ist keine Theorie, das ist ein ganz normaler Arbeitstag, im Büro, im Klassenzimmer, in der Klinik, im Gerichtssaal. Wenn Gott uns Türen öffnet, um gesellschaftlich oder beruflich Einfluss zu nehmen, geschieht das nicht zufällig. Wir sind nicht da, um schneller die Leiter zu erklimmen, sondern um Sein Königreich zu verherrlichen.  

Jesus verglich dieses mit Sauerteig (Mt. 13,33): still, verborgen, aber nicht aufzuhalten. Wahrer Einfluss hat nicht mit Umfang oder Sichtbarkeit zu tun, sondern mit Präsenz. Exzellenz, die Respekt verdient. Integrität, die etwas kostet, uns aber auch authentisch werden lässt. Mut, das Falsche zu benennen und das Richtige zu leben. Geduld, treu zu bleiben, auch wenn sich Dinge schmerzhaft langsam verändern.  

So ging es Daniel in Babylon (Daniel 6) und Josef in Ägypten (1. Mose 41). Beide lebten im Ausland, trugen aber Gottes Weisheit bis in die höchsten Führungsebenen. Sie waren nicht laut, blieben aber auch nicht still, als die Wahrheit eine Stimme forderte. Ihr Glaube formte Reiche, ohne sich vor ihnen zu beugen.

Die Arbeitswelt ist nach wie vor erfüllt vom Lärm ihrer eigenen Götter – Erfolg, Bequemlichkeit und Kontrolle –, doch der Geist Jesu sendet uns als Seine Botschafter direkt in diesen götzendienerischen Lärm hinein. Hier kommt der Zugang ins Spiel. Wir tragen Seine Präsenz in Räume, in denen andernfalls niemals Sein Name erwähnt würde. Wenn Sie morgen also Ihren Laptop öffnen oder in ein Meeting gehen, denken Sie daran: Sie betreten einen Tempel.

Arbeiten Sie mit Überzeugung. Führen Sie mit Integrität. Verweigern Sie sich den Götzen. Unser Glaube ist nicht laut, er ist lebendig. Macht bedeutet nicht Status, sondern Verantwortung. Die Frage ist nicht, ob wir irgendwo Zugang haben, sondern was wir mit dem Zugang machen, den wir haben. Denn Jesus will dort sichtbar werden, wo Er uns hinsendet.   

 

©2026. Tief bewegt von der transformatorischen Kraft des Evangeliums ist es das Anliegen von Christopher C. Simpson, den Glauben in der Geschäftswelt zu verbreiten. Christopher ist Präsident von CBMC International; zuvor diente er 28 Jahre lang in der US Marine und beim Secret Service, wo er für den Schutz von 7 Präsidenten zuständig war. Mit seiner Frau Ana lebt er in Boca Raton, Florida, USA.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.