Wird Führung überbewertet? (Robert J. Tamasy)

09.03.2020

In der Geschäfts- und Arbeitswelt wird früher oder später fast jedem die Teilnahme an einer Fortbildung für Führungskräfte nahegelegt. Ob es sich dabei um ein einstündiges Treffen, einen Workshop, ein Seminar oder sogar eine Konferenz handelt, das Ziel ist dabei immer, Sie zu einer effektiveren Führungskraft zu machen.

Aber finden Sie nicht auch, dass Führung überbewertet wird? Ich meine, haben Sie schon einmal an einer Fortbildung teilgenommen, in der es darum ging, wie man folgt?

Der amerikanische Berater Brian Kight sprach dies vor kurzem in den sozialen Medien an: „Sie müssen nicht führen. Nicht jeder ist dazu geeignet. Das bedeutet nicht, dass Sie nicht auch Großartiges bewirken können. Teams brauchen jede Rolle. Führung ist nur eine davon. Verlieben Sie sich in die Rolle, die Sie haben.“

Das mag seltsam klingen, ist aber wahr. Wir können nicht alle Führungskräfte sein. Was würden Sie von einer Armee halten, in der jeder General ist, aber niemand als Soldat kämpft?

Vor Jahren war ich bei einem Unternehmen für Veröffentlichungen zuständig. Da ich nur sehr wenige Mitarbeiter hatte, erledigte ich einen großen Teil des Tagesgeschäftes selber. Ich genoss meinen Job als Autor und Herausgeber und hatte keinerlei Problem damit.

Eines Tages rief mich einer der Vorgesetzten in sein Büro und fragte, wo ich mich in fünf Jahren sehe würde. Meine Antwort war einfach: Ich sah mich das tun, was ich bisher getan hatte, da ich meine Arbeit sehr mochte und sie als erfüllend erlebte. Viele Menschen lobten meine Arbeit, und so sah ich keinen Grund für Veränderungen.

Dabei fehlte es mir nicht an Ehrgeiz oder Bereitschaft, neue Ziele zu erreichen. Es war einfach so, dass ich kein Bedürfnis nach einer Führungsrolle verspürte. Statt meine Arbeit zu delegieren, zog ich es vor, die Ärmel hochzukrempeln und mich selber um die Veröffentlichungen zu kümmern.

Wie Kight sagte, ist nicht jeder zur Führungsverantwortung geeignet. Viele Menschen sind damit zufrieden, ihre jeweiligen Aufgaben zu erledigen; sie verstehen, dass sie damit zur Erreichung eines größeren Zieles beitragen. In der Bibel macht uns Jesus Christus dies perfekt vor. Er war der unbestrittene Führer; was Er wollte, waren treue, hingebungsvolle Nachfolger. Hier sind einige Beispiele dazu, was die Bibel zum Thema Folgen sagt:

Die Führungsperson gibt den Takt vor. Jesus suchte für Sein Team Menschen mit Vision – und mit der Bereitschaft, zu folgen. „Da forderte Jesus sie auf: Kommt, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschen machen, die andere für Gott gewinnen.“ (Matthäus 4,19).

Folgen hat einen Preis. Es ist nicht immer einfach, selbst einer mächtigen Führungspersönlichkeit zu folgen. Manchmal bedeutet es, ein Opfer zu bringen, seine eigenen Ambitionen für ein höheres Ziel hintanzustellen. „Danach wandte sich Jesus an alle: Wer mein Jünger sein will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen.“ (Lukas 9,23).

Die besten Führungskräfte sind auch gute Nachfolger. Eine der prominentesten Führungskräfte der frühen Kirche war der Apostel Paulus. Er hatte großen Einfluss, vergaß aber dennoch nie, wem er folgte, wer seinen Kurs bestimmte. „Folgt meinem Beispiel, so wie ich dem Vorbild folge, das Christus uns gegeben hat.“ (1. Korinther 11,1).

 

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© 2020. Robert J. Tamasy ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher. Er bloggt alle 14 Tage unter www.bobtamasy.blogspot.com.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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