Von Taten, Konsequenzen und Vergebung (Luis Cervino)

12.04.2021

Als Geschäftsleute, Manager und Unternehmer haben wir täglich mit Mitarbeitern zu tun. Wir stellen sie ein, geben ihnen Zuständigkeiten und entlohnen sie. Doch wie viele von ihnen kennen wir wirklich?


Lebensläufe verraten uns etwas über Ausbildung und frühere Beschäftigungen der Mitarbeiter. Wir können ihr Verhalten beobachten, wie sorgfältig sie ihre Arbeit erledigen und wie sie mit Kollegen und Kunden umgehen.

Doch auch dann können wir nicht sicher sein, sie wirklich zu kennen. Sie können loyal erscheinen, aber sobald eine Krise auftritt, sie unter Stress stehen oder sich einer starken Versuchung ausgesetzt sehen, kommt ihr wahrer Charakter zum Vorschein. Was machen wir, wenn der scheinbar so verlässliche Mitarbeiter lügt, falsche Gerüchte verbreitet, stiehlt oder gar betrügt? Traurigerweise kommt das vor.

Selbstverständlich müssen Unternehmensrichtlinien und Gesetze befolgt werden. Aber die noch größere Frage ist, wie wir mit der betreffenden Person umgehen sollen.

Unsere erste Reaktion ist wahrscheinlich Schock, Enttäuschung und dann Ärger. Wir fühlen uns hintergangen. Wenn wir Jesus Christus nachfolgen, sollten wir uns fragen: „Was würde Jesus tun?“ Denn Jesus reagierte häufig ganz anders, als es den üblichen Erwartungen entsprach. Wenn wir voller Wut sind, sollten wir an die biblische Ermahnung denken: „Wenn ihr zornig seid, dann ladet nicht Schuld auf euch, indem ihr unversöhnlich bleibt.“ (Epheser 4,26).

Wenn jemand klar gegen Richtlinien oder Gesetze verstoßen hat, sind Disziplinarmaßnahmen bzw. Strafen erforderlich. Doch es ist ebenso wichtig zu fragen, ob Vergebung möglich ist. Wir sehen dies in Matthäus 18,21-22: „Da wandte sich Petrus an Jesus und fragte ihn: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder oder meiner Schwester vergeben, wenn sie mir Unrecht tun? Ist siebenmal genug? Nein, antwortete ihm Jesus. Nicht nur siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

Darauf könnten wir antworten: „Nun, das bezieht sich auf persönliche Beziehungen. Doch hier geht es ums Geschäft. Es gibt Regeln und Gesetze, die eingehalten werden müssen. Wenn ich dem Übeltäter vergebe, kann er oder sie weiter Menschen oder Unternehmen Schaden zufügen!“

Das ist richtig. Falsche Taten haben Konsequenzen. Wir können und sollten Übeltäter nicht vor den Folgen ihres Handelns bewahren. Doch als Christen, denen von anderen und vor allem von unserem Vater im Himmel vergeben wurde, sind wir dazu berufen, anderen zu vergeben. Weiter oben in der gerade genannten Bibelstelle sagt Jesus: „Wenn dein Bruder oder deine Schwester Schuld auf sich geladen hat, dann geh zu dieser Person hin und stell sie unter vier Augen zur Rede. Wenn sie auf dich hört, hast du deinen Bruder oder deine Schwester zurückgewonnen.“ (Matthäus 18,15).

Strafe und Wiedergutmachung müssen sein, doch aus geistlicher Sicht können Vergehen dennoch vergeben werden. Wir können einen Groll hegen, wir können aber auch vergeben. Ich wähle die Vergebung, denn das ist gesünder. Sie befreit uns von Ärger und Bitterkeit und ebnet den Weg zur Versöhnung.

 

 

Luis Cervino ist Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg und lebt mit Frau und zwei Kindern in Torreon, Coahuila,
Mexico. Seit 1999 übersetzt er den Montags Impuls ins Spanische.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
CBMC InternatIonal: Jim Firnstahl, President. Tel.: +1 402 431 0002 – Fax: +1 402 431 1749 Address: 1065 n. 115th
Street, Suite 210, Omaha, Nebraska 68154, uSA E-Mail: jmarple@cbmcint.org –
Internet: www.cbmcint.org (IVCG-Manna Nr. 911/ 15. KW 2021)