Lernen außerhalb der Komfortzone (Sergio Fortes)

27.04.2020

In vergangenen Montags Mannas schrieb ich darüber, wie schwierig es sein kann, Angst zu überwinden und die Komfortzone zu verlassen.

Jetzt kommen wir zu einer wahren Oase, dem Lernen. Dieses ist mit Herausforderungen verbunden, bietet aber auch wundervolle Chancen, neue Fähigkeiten an uns zu entdecken, die wir innerhalb unserer Komfortzone oft nicht kennenlernen.

Im Prozess des Lernens werden durch Studium, Erfahrung, Übung, Reflexion und Beobachtung neue Fähigkeiten, Kenntnisse, Verhaltensweisen und / oder Werte angeeignet, je nach den individuellen Eigenschaften und Lernstilen jedes Menschen. Sehr wichtig sind geeignete Werkzeuge, die zu den angestrebten Zielen passen.

Lernen führt normalerweise zu mehr Glück und Erfüllung, denn wenn neue Chancen entdeckt werden und sich neue Welten erschließen, entwickelt die lernende Person eine neue Angewohnheit, nämlich lebenslanges Lernen. Es gibt viele Lernansätze; die effektivste ist, andere zu lehren.

Im Unternehmensumfeld ist dieser Ansatz gemeinhin als Mentoring bekannt. Der Mentor und sein Mentee machen sich zusammen auf die Reise und teilen Erfahrungen durch eine besondere Beziehung, in der sie beide lernen. Ich bedauere, dass ich selbst erst mit 30 Jahren das Privileg erfuhr, einen Mentor zu haben. Hätte ich schon früher von einem Mentor profitieren dürfen, hätte ich wohl viele Fehler nicht gemacht und bessere Entscheidungen getroffen.

Seitdem habe ich erkannt, dass erfolgreiches Lernen starkes Engagement sowohl des Mentors als auch des Mentees erfordert. Der Mentor sollte die Demut eines Studierenden haben und sein Bestes geben. Und der Mentee sollte den Eifer eines Schatzsuchers haben.

Mentoring-Beziehungen gehen bis in biblische Zeiten zurück. In einem christlichen Kontext sind sie besser bekannt als „Jüngerschaft“. Dabei lernt ein Mensch und wird so Nachfolger Jesu Christi, und der andere lernt, wie man Jesus
nachfolgt, indem er lehrt.

So wichtig war dieses Konzept, dass es sich in den letzten Worten Jesu Christi auf der Erde wiederfindet. Er sagte: „Deshalb geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen dazu auf, meine Jünger zu werden!… Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe.“ (Matthäus 28,19-20). Dieser „Missionsbefehl“ entspricht dem „Kerngeschäft“ eines Unternehmens, den wahren Auftrag. Der wahre Auftrag eines jeden Jesus-Nachfolgers ist, zur  Jüngerschaft aufzurufen. Die Reichweite ist die ganze Welt, der Modus operandi das Lehren.

Doch Lernen und Lehren sind nicht auf geistliche Prozesse beschränkt. Jedes Unternehmen, das in die Fortbildung seiner Mitarbeitenden investiert, wird belohnt werden. Genauso wird eine Person, die sich aufs Lernen einlässt, ungeahnte Möglichkeiten entdecken. Lernen hat etwas mit Teilen zu tun. Wer sein Wissen für sich behalten will, ist selbstsüchtig. Der Apostel Paulus schrieb an seinen Schützling Timotheus: „Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das gib an zuverlässige Christen weiter, die wiederum fähig sind, andere im Glauben zu unterweisen.“ (2. Korinther 2,2).

Mit dieser Expertise können wir in unserer persönlichen und beruflichen Entwicklung wachsen. Darum wird es in einem zukünftigen Montags Manna gehen.

Sergio Fortes ist Berater für strategisches Management und Konzernführung sowie Mitglied des CBMC Brasilien.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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