Kommunikationsfallen (Robert J. Tamasy)

30.03.2020

Als ich im College unterrichtete, definierte ich Kommunikation oft als „den erfolgreichen Austausch von Bedeutung“. Doch trotz all den „Fortschritten“ der modernen Kommunikationstechnologie scheint es schwieriger als je zuvor zu sein, klar und effektiv zu kommunizieren.

Vor einigen Wochen teilte mir Henry, einer meiner Nachbarn mit, dass er und seine Frau übers Wochenende verreist seien, und bat mich, in dieser Zeit ein Auge auf sein Grundstück zu haben. Das sagte ich zu.

Ungefähr eine Woche später schrieb ich Henry eine Textnachricht: „Habe ein Auge auf dein Haus. Es tut sich nichts. Hoffe, du hast eine gute Reise!“ Nachdem ich keine Antwort von ihm bekam, schrieb ich einige Tage später wieder: „Schade, dass wir uns nicht sehen konnten. Bestimmt treffen wir uns mal vor dem Haus. Hoffe, bald mit dir sprechen zu können.“ Immer noch keine Antwort.

Bald darauf beschloss ich, Henry anzurufen. Als eine Frau ans Telefon ging, fragte ich, ob sie Cathy sei, Henrys Frau. „Nein“, antwortete sie, „und mit wem spreche ich?“ Ich erklärte, dass ich eigentlich meinen Nachbarn sprechen wollte.

Die Frau erklärt mir, dass sie Henrys ehemaliges Diensthandy übernommen hatte, als dieser aus seinem alten Unternehmen ausschied. Später bekam ich dann Henrys korrekte Telefonnummer, aber als ich über die von mir versandten Texte nachdachte, fragte ich mich, was sich die Frau wohl gedacht haben mag: „Habe ein Auge auf dein Haus… Hoffe, du hast eine gute Reise! Bestimmt treffen wir uns mal…“ Bestimmt hielt sie mich für eine Art Stalker!

Ich befürchte, dass solch eine fehlgeleitete Kommunikation im digitalen Zeitalter, in dem wir Texte, E-Mails und Nachrichten abschicken, ohne groß darüber nachzudenken, keine Seltenheit ist. Doch die Gefahren gedankenloser Kommunikation waren sogar schon zu biblischen Zeiten bekannt:

Zu viele Worte, nicht genug sorgfältiges Abwägen. Wir hören sie in Talkshows, in Nachrichten und überall in den sozialen Medien: Menschen, die viel reden, ohne sich über die Auswirkungen dessen, was sie sagen, Gedanken zu machen. „Wer viele Worte macht, wird sicher schuldig – darum hält der Kluge sich zurück.“ (Sprüche 10,19).

Zu viel Geschwätz, zu wenig Aufmerksamkeit. Viele Menschen hören kaum noch auf das, was andere zu sagen haben; sie warten bis die andere Person ruhig ist, damit sie wieder reden können. „Denkt daran, liebe Brüder und Schwestern: Seid sofort bereit, jemandem zuzuhören; aber überlegt genau, bevor ihr selbst redet. Und hütet euch vor unbeherrschtem Zorn!“ (Jakobus 1,19).

Zu viele Verletzungen, nicht genug Heilung. Bei der Masse an Kommunikation, die jeden Tag auf uns einstürzt, sind Verletzungen – bewusst oder unbewusst – kaum zu vermeiden. Wir müssen lernen, genauso schnell, wie wir unsere Meinung von uns geben, auch um Verzeihung zu bitten. „Die Worte eines gedankenlosen Schwätzers verletzen wie Messerstiche; was ein weiser Mensch sagt, heilt und belebt.“ (Sprüche 12,18).

Den aktuellen Montags-Gedanken als PDF zum ausdrucken

© 2020. Robert J. Tamasy ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher. Er bloggt alle 14 Tage unter www.bobtamasy.blogspot.com.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
CBM C INTE RNAT IONA L: Jim Firnstahl, President. Tel.: +1 402 431 0002 – Fax: +1 402 431 1749 Address: 1065 N. 115th Street, Suite 210,
Omaha, Nebraska 68154, USA E-Mail: jmarple@cbmcint.org – Internet: www.cbmcint.org (IVCG-Manna Nr. 858/ 14. KW 2020)