Jeder für sich selbst – wirklich? (Jim Mathis)

22.06.2020

Welcher Handlungsweise sollten wir folgen, während wir für unseren Lebensunterhalt in der heutigen Geschäftswelt sorgen:
„Jeder für sich selbst“ oder „Wir gehören alle zur gleichen Mannschaft“? Das könnte eine der fundamentalen Fragen unserer Gesellschaft sein. Ein Grundprinzip des Kapitalismus geht davon aus, dass jeder sein eigenes Rennen macht. Selbst in der Bibel benutzt der Apostel Paulus das Rennen als Lebensmetapher. In 1. Korinther 9,24 schreibt er: „Ihr kennt das doch: Von allen Läufern, die im Stadion zum Wettlauf starten, gewinnt nur einer den Siegeskranz. Lauft so, dass ihr ihn gewinnt!“

Es scheint als würde er jeden ermutigen, sein eigenes Rennen zu machen ohne sich um die Belange anderer zu kümmern. Aber bedeutet es das wirklich? In den meisten industrialisierten Ländern wurden die Menschen in den letzten 200 Jahren dazu ermutigt, für sich selbst zu sorgen. Es geht um die Verantwortung des Einzelnen, und wenn jemand zurückfällt, ist es sein Problem, nicht meins.

Leider hat diese Einstellung zu vieler Art Gemeinheiten geführt. Unter dem allgemeinen Verständnis von laissez-faire sind im Kapitalismus Rassismus, Sklaverei und räuberisches Kreditgeschäft möglich – alles um nur für sich zu sorgen. Selbst Christen sprechen von „persönlicher Beziehung zu Jesus Christus“ und deuten damit an, dass es nur um sie und Jesus geht.

Das allgemeine Verständnis der Lehre Jesu ist jedoch genau das Gegenteil. Wahrscheinlich führen wir die Metapher von Paulus hier ein bisschen weit aus. Im Brief an die Hebräer 10,24-25 finden wir z.B. die Ermahnung, in einem Geist der Einheit und Zusammenarbeit zu leben: „Lasst uns aufeinander achten! Wir wollen uns zu gegenseitiger Liebe ermutigen und einander anspornen, Gutes zu tun. Versäumt nicht die Zusammenkünfte eurer Gemeinde, wie es sich einige angewöhnt haben. Ermahnt euch gegenseitig dabeizubleiben. Ihr seht ja, dass der Tag nahe ist, an dem der Herr kommt.“

In Gemeinschaft zu leben und sich gegenseitig helfen ist Grundannahme für alle, die Christus nachfolgen. Wir wissen aus der Apostelgeschichte 2, dass die frühe Kirche das sehr ernst genommen hat. Es gibt dort viele Beispiele, wo Gläubige sich gegenseitig helfen, auch materiell, so dass keiner in ihrer Gruppe Mangel leiden musste.

Mit anderen Worten, ihre Überzeugung war nicht „Jeder für sich selbst“, sondern „Wir gehören alle zur gleichen Mannschaft“. Im Mannschaftssport wird das Team letztlich verlieren, wenn ein Spieler darauf besteht, alle Punkte selber zu machen, den Ball nicht an andere abgibt und seine Hilfe verweigert. Wenn eine Mannschaft verliert, verlieren alle Mitglieder. Wenn das Team gewinnt, können sich alle im Ruhm sonnen.

Viel wurde bereits über den Vorteil starker Beziehungen geschrieben. Die Menschen sind gesünder, leben länger und sind generell fröhlicher, wenn sie gute Freundschaften pflegen, die dazu dienen, sich gegenseitig zu helfen und ermutigen.

Nachdem ich beschlossen hatte, Jesus nachzufolgen, fand bei mir persönlich eine große Veränderung von einer selbstzentrierten zu einer gemeinschaftsbezogenen Haltung statt. Mein Leben veränderte sich auf dramatische Weise zum Besseren, als ich aufhörte, nur für mich selbst zu sorgen, sondern nach Wegen suchte, anderen auf gemeinschaftliche Weise zu helfen. Das Leben wandelte sich von einem Einzelsport wie z.B. ein Wettrennen zu einem Mannschaftssport mit dem gemeinsamen Ziel im Blick.

So etwas wie den „einsamen Wolf“ gibt es nicht, denn sogar Wölfe leben lieber im Rudel, – einer Gemeinschaft – um zum Wohlbefinden der gesamten Sippe beizutragen. Als Menschen, die Jesus Christus nachfolgen, sind wir berufen, auf der gleichen Mannschaft zu spielen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das ist eine Möglichkeit für uns, Gott zu ehren.

 

©2020. Jim Mathis besitzt in Overland Park, Kansas, ein Fotostudio und betreibt eine Schule für Fotografie
Übersetzung: Vera Flohr, Bergisch Gladbach, vera.g.flohr@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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