Führen Sie schon oder zwicken Sie noch in die Fersen? (Robert J. Tamasy)

15.03.2021

Vor Jahren hatte ich das Privileg, mit meinem Freund Ken Johnson ein Buch über seine Erfahrungen mit der Schafzucht zu schreiben. In der Bibel finden Schafe häufig Erwähnung, und so war es sehr erhellend, hinsichtlich des seltsamen Verhaltens, das Schafe an den Tag legen, hinzuzulernen.

Es gibt dutzende Bibelstellen, in denen wir von Schafen, Schäfern, Lämmern und Herden lesen, und Menschen werden häufig mit Schafen verglichen. Meistens sind diese Vergleiche aber kein Kompliment. Schafe sind schmutzige, dumme Tiere. Allein gelassen stolpern sie von einer  Schwierigkeit in die andere. Sie brauchen einen Hirten, jemanden, der auf sie aufpasst, für sie sorgt und aus Nöten rettet.

Eine herausragende Eigenschaft ist ihre Loyalität zu ihrem Hirten. Eines Tages demonstrierte mir dies mein Freund. Bei meinem Besuch waren die Schafe auf der Weide und grasten friedlich. Ken
sagte, „Rufe sie.“ Das tat ich, erhielt aber keine Antwort. „Pfeife“, schlug er vor. Wieder keine Reaktion. Waren sie auf einmal taub geworden? Dann rief Ken sie. Sofort hob jedes Herdenmitglied
den Kopf und lauschte aufmerksam auf die Anweisungen des Hirten.

An diese Erfahrung erinnerte ich mich neulich, als ich die Beschreibung eines Border Collie hörte, einer Hunderasse, die häufig als Schäferhunde eingesetzt wird. Diese Hunde führen nicht, sondern leiten die Schafe durch Zwicken in die Fersen und Bellen. Ein deutlicher Kontrast zu dem  vertrauten Hirten, der die Schafe ohne Zwang führt. Der Schäferhund mischt auf und macht
Angst, während der Schäfer fürsorglich die Herde leitet.

Diese beiden kontrastierenden Stile ähneln den Führungsansätzen vieler Manager. Einige führen, indem sie den Weg vorgeben und die Richtung weisen; andere bringen ihre Leute zum Laufen, indem sie ihnen sozusagen „in die Fersen zwicken“. Beide Ansätze können erfolgreich sein, aber nur einem ist der Vorzug zu geben. Jesus Christus verwendete in einer Seiner bekanntesten Botschaften die Metapher vom Hirten und der Herde:

Einer effektiven Führungskraft vertraut man. Die Metapher vom Hirten und seiner Herde geht folgendermaßen: „Der Hirte geht durch die Tür zu seinen Schafen… die Schafe hören auf seine Stimme. Der Hirte ruft jedes mit seinem Namen und führt sie aus dem Stall… die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. “ (Johannes 10,2-4).

„Fersenzwicker“ bekommen keine Loyalität. Im Gegenteil werden Führungskräfte, die mit Zwang oder Angst führen, von den Mitarbeitern nicht als „Hirten“ anerkannt. Sie akzeptieren diese Person nicht aus Vertrauen oder Loyalität, sondern gehorchen aus purer Notwendigkeit. Sie merken, dass solche Führungskräfte nicht ihr Bestes im Sinn haben. „Einem Fremden würden sie niemals folgen. Ihm laufen sie davon, weil sie seine Stimme nicht kennen…Anders ist es mit einem, dem die Schafe nicht gehören und der nur wegen des Geldes als Hirte arbeitet. Er flieht, wenn der Wolf kommt, und überlässt die Schafe sich selbst… Einem solchen Mann liegt nichts an den Schafen.“ (Johannes 10;5,12-13).

Eine effektive Führungskraft setzt die Interessen anderer an die erste Stelle. Oft gehen Menschen „die Extra-Meile“, machen also mehr als erforderlich, weil sie darauf vertrauen, dass
ihre Führungskraft ihr Bestes im Sinn hat. Einer Führungskraft, die selbst auch mal Opfer bringt, folgt man gern. „Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein….Ich…
kenne meine Schafe, und sie kennen mich… Ich gebe mein Leben für die Schafe.“ (Johannes 10,11-15).

© 2021 Robert J. Tamasy ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher. Er bloggt alle 14 Tage unter
www.bobtamasy.blogspot.com.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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