Die wunderbare Kraft des „wozu“ (Stephen R. Graves)

11.12.2023

Ob wir Fieber haben, einen gebrochenen Arm oder eine fehlende Gliedmaße, ein Besuch beim Arzt beginnt immer auf dieselbe Art und Weise. Nach einer Wartezeit kommen wir in ein leeres Untersuchungszimmer. Dann werden die immer gleichen Dinge untersucht, Temperatur, Blutdruck und Puls. Diese sogenannten Vitalzeichen sind für den Arzt eine Momentaufnahme Ihres Gesundheitszustandes.

In der Geschäfts- und Arbeitswelt gibt es ähnliche „Vitalzeichen“, nämlich Produkte, Menschen, Prozesse und Profite. Diese verraten einem guten Berater den Gesamtzustand Ihres Unternehmens. Wir wissen: Wenn etwas in Schieflage gerät, müssen wir es uns näher anschauen, ob es sich nun um Marketing-Herausforderungen, einbrechende Verkaufszahlen oder einen drohenden Bankrott handelt.

Als Coach betrachte ich schon seit langem die Stärke und Nachhaltigkeit dieser Indikatoren, wenn ich mit einer Führungskraft oder einem Unternehmen arbeite, die wachsen wollen.

Doch im Laufe der Jahre habe ich meine Vorgehensweise etwas geändert. Bevor wir uns Bereiche wie Produkt oder Prozess anschauen, fragen wir zuerst nach dem „Wozu“ des Unternehmens. Die Frage nach dem „Wozu“ greift tiefer als die nach dem „Was“ und dem „Wie“.

Das „Wozu“ sollte unser Ausgangspunkt und unser Anker sein. „Warum existiert Ihr Unternehmen? Was ist der Grund Ihres Daseins?“ Können Sie diese Fragen beantworten? Dabei sollte es um  mehr gehen als um Produkte, Dienstleistungen oder Profite, nämlich um das, was Sie dazu motiviert und antreibt, zu arbeiten, ja, gute Arbeit zu erbringen.

Das „Wozu“ ist eine mächtige Kraft bei der Formung eines Unternehmens. Es gibt darüber Aufschluss, wie Sie Produkte entwickeln, Prozesse aufbauen und Menschen fördern. Es bestimmt sogar, wie Sie über Profite denken und wie Sie sie verwenden. Im „Wozu“ steckt das Potential für Beständigkeit. Die Marktbedingungen können eine Änderung Ihres Angebots erzwingen. Die Technologien können Ihre Prozesse verändern. Demographische Veränderungen können Ihren Ansatz, wie Sie Arbeitskräfte anwerben, beeinflussen. Das „Wozu“ überdauert nicht nur diese  Kräfte, sondern prägt auch Ihre Reaktion auf sie.

Als gläubiger Christ könnte man es als „erlösende Kante“ bezeichnen, an der man beginnt, dem Herrn und dann auch anderen Menschen zu dienen.
In Kolosser 3,23-24 heißt es: „Denkt bei allem daran, dass ihr letztlich für ihn und nicht für die Menschen arbeitet. Als Lohn dafür wird er euch das Erbe geben, das er versprochen hat. Das wisst ihr ja. Denn Jesus Christus ist euer wahrer Herr!“ Unser „Wozu“ sollte damit beginnen, dass wir unsere Gaben und Fähigkeiten zu Gottes Ehre einsetzen.

„Als Botschafter von Christus fordern wir euch deshalb im Namen Gottes auf: Lasst euch mit Gott versöhnen! Wir bitten euch darum im Auftrag von Christus.“ (2Kor 5,20). Wenn wir so wirken wollen, sollten wir danach streben, uns von Wettbewerbern abzuheben, die nicht danach trachten, Ihm nachzufolgen. Unsere Entscheidungen und Taten sollten sich innerhalb von Jesu Aufforderung bewegen: „Genauso soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. Dann werden sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,16). Welchem größeren Zweck könnten wir dienen?

 

©2023. Dr. Stephen R. Graves ist Unternehmensstratege, pragmatischer Theologe und sozialer Kapitalist.
Er berät Manager und Unternehmer.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.