Die hohe Schule des Versagens (Robert J. Tamasy)

26.10.2020

Oft werden uns Konzernchefs, Manager oder Unternehmer als „große Erfolgsgeschichte“ vorgestellt und als Beispiel, wie auch wir viel leisten können. Aber haben Sie schon mal von jemandem gehört, der als „große Versagensgeschichte“ beschrieben wurde?

Harte Arbeit, Hingabe und Entschlossenheit können zum Erfolg führen, aber in Wirklichkeit ist manchmal nur schieres Glück (wenn man daran glaubt) oder das richtige Timing für den Erfolg entscheidend. Manche Menschen sind einmal erfolgreich und jagen dann für den Rest ihres Lebens vergeblich dem Erfolg hinterher.

Tatsächlich ist es häufig einfacher, die Gründe für das Versagen zu benennen: schlechte Entscheidungen, mangelnde Energie und fehlende Bemühungen, unzureichende Planung, mangelndes Durchhaltevermögen, Unwissen oder gar Dummheit.

Gerade weil die Gründe für das Versagen leichter zu identifizieren sind, kann Versagen zum Erfolg führen, wenn wir bereit sind, daraus zu lernen. Der britische Staatsmann Winston Churchill sagte einmal, es sei der Mut zum Weitermachen, der zähle. Denis Waitley, Motivationsredner, Unternehmensberater und Autor drückte es so aus:
„Versagenserfahrungen sollten unsere Lehrmeister sein, nicht unsere Bestatter. Versagen ist Aufschub, nicht Niederlage. Es ist ein Umweg, keine Sackgasse. Versagen vermeiden wir nur, indem wir nichts sagen, nichts tun, nichts sind.“

Auf erfrischende Art und Weise finden wir in der Bibel das unbeschönigte Versagen von Schlüsselfiguren wie Adam und Eva, Noah, Jakob, dem Vater der Nation Israel, Samson, König David und seinem Sohn Salomo und viele von Jesu Jüngern. Der Apostel Petrus, einer von Jesu engsten Jüngern, ist vielleicht das prominenteste Beispiel für jemanden, der trotz wiederholtem Versagen erfolgreich war. In der Nacht vor Seiner Kreuzigung sagte Jesus Seinen Jüngern, „In dieser Nacht werdet ihr euch alle von mir abwenden.“, worauf der eigensinnige Petrus antwortete, „Wenn sich auch alle anderen von dir abwenden – ich halte auf jeden Fall zu dir!“. (Matthäus 26,31-33).

Trotz seines kühnen, leidenschaftlichen Schwurs lesen wir, dass Petrus Jesus nicht nur einmal, sondern dreimal verleugnete, wie der Herr vorhergesagt hatte. Nach dem dritten Mal lesen wir: „Jesus drehte sich um und sah Petrus an… Er ging hinaus und weinte voller Verzweiflung.“ (Lukas 22,61-62).

Zum Glück endet die Geschichte damit nicht. In Johannes 21,15-24 lesen wir, wie Jesus Petrus seinen Verrat vergibt. Dreimal fragte Jesus Petrus: „Simon, Sohn von Johannes, liebst du mich mehr als die anderen hier?“ Nachdem der Jünger dreimal mit Ja antwortete, sagte Jesus, „Dann sorge für meine Schafe!“ Welch unglaubliche Geschichte von Versagen und Vergebung! Wir wissen, dass Petrus in Folge einer der Begründer der frühen Kirche war, und zwei seiner Briefe finden wir im Neuen Testament.

Sind auch Sie am Kämpfen? Beruflich oder geistlich? Denken Sie daran, Versagen ist nichts Endgültiges. Es kann ein wundervoller Lehrmeister sein, nur ein kleiner Umweg auf dem Weg zum Erfolg.

 

© 2020. Robert J. Tamasy ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher. Er bloggt alle 14 Tage unter www.bobtamasy.blogspot.com
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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