Die Bedeutung des Charakters (Robert J. Tamasy)

31.08.2020

Lebensläufe sind interessante Dokumente. Sie stellen Ausbildung, berufliche Erfahrungen und Fähigkeiten, Errungenschaften und Zertifikate dar. Sie helfen dabei, die Kompetenz und Qualifikation eines Bewerbers zu beurteilen.

Doch ein elementarer Punkt wird kaum auf dem Lebenslauf abgebildet: Charakter. Und dennoch hat der Charakter einen sehr großen Einfluss darauf, wie jemand seine Arbeit erledigt, wie jemand mit anderen Menschen zusammenarbeitet, und auch, wie jemand in eine Unternehmenskultur passt.

Der legendäre College Basketball Coach John Wooden sagte, wenn man die Wahl habe zwischen einem guten Ruf und einem starken Charakter, solle man sich für letzteren entscheiden: „Sorgen Sie sich mehr um Ihren Charakter als um Ihren Ruf, denn Ihr Charakter ist das, was Sie wirklich sind, während Ihr Ruf nur das ist, was andere denken, dass Sie seien.“

Der verstorbene Dr. Martin Luther King Jr., der sein Leben der sozialen Gerechtigkeit widmete, sagte während seiner berühmten Rede: „Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt werden, sondern nach ihrem Charakter.“

In einer Welt, in der der äußeren Erscheinung so viel Aufmerksamkeit beigemessen wird, bestimmt doch immer noch der innere Charakter wie wir uns verhalten, wie wir mit anderen umgehen, welche Werte wir uns zu eigen machen und was wir glauben. Der Charakter befähigt uns in einem ethischen Dilemma, die richtige Entscheidung zu treffen.

In der Bibel wird die Bedeutung des Charakters unterstrichen. Jesus Christus entblößte die religiösen Führer, die eine äußere Fassade geschaffen hatten, um ihre bösen Motive zu verbergen. „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr seid wie die weiß getünchten Grabstätten: Von außen erscheinen sie schön, aber innen ist alles voll stinkender Verwesung“ (Matthäus 23,27). Gleich darauf erklärte Er, „Genauso ist es bei euch: Ihr steht vor den Leuten als solche da, die Gottes Willen tun, aber in Wirklichkeit seid ihr voller Auflehnung und Heuchelei.“ (Matthäus 23,28).

Ähnliches finden wir im Alten Testament: „Schmeichelnde Worte, die böse Gedanken verbergen, sind wie eine Silberglasur über billigem Tongeschirr.“ (Sprüche 26,23). Auf das 21. Jahrhundert übertragen wäre es so, als würde man ein billiges Plastikspielzeug mit einer Goldschicht überziehen. Nach außen hin mag es kostbar erscheinen, doch das Innere bleibt von sehr geringem Wert.

Die im Hinblick auf den Charakter vielleicht aussagekräftigste Geschichte der Bibel ist die, in der der Prophet Samuel einen Nachfolger für Israels König Saul sucht. Nachdem der Prophet fast alle Söhne Jesses begutachtet hatte, hörte Samuel von Gott, dass trotz ihrer Erscheinung keiner von ihnen geeignet war: „…ich urteile nach anderen Maßstäben als die Menschen. Für die Menschen ist wichtig, was sie mit den Augen wahrnehmen können; ich dagegen schaue jedem Menschen ins Herz.“ (1. Samuel 16,7). Ein weiterer Sohn musste herbeigebracht werden, David, ein Hirtenjunge, der viel für Gott erreichte.

Der Lebenslauf sagt anderen Menschen also etwas über unseren Ruf. Aber was sollen sie von unserem Charakter erfahren?

© 2020. Robert J. Tamasy ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher. Er bloggt alle 14 Tage unter www.bobtamasy.blogspot.com.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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