Wirtschaftswissenschaftler fordern Lieferkettengesetz

Aus der Wissenschaft werden Forderungen nach einem Lieferkettengesetz in Deutschland laut. Mehr als 70 Ökonomen sprachen sich in Aufruf für ein solches Regelwerk aus, das große deutsche Unternehmen in die Pflicht nimmt, auch bei ihren ausländischen Zulieferern auf die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutzkriterien zu achten. In der Bundesregierung sorgt das Thema seit Monaten für Streit: Während das Arbeitsministerium gemeinsam mit dem Entwicklungsministerium Eckpunkte erarbeitet hat, stellt sich das Wirtschaftsministerium quer.

Unterzeichner Hansjörg Herr betonte, bei Arbeit und Natur könne man den Markt nicht frei laufen lassen, eine Regulierung sei nötig. Er wies dabei auf „Macht-Asymmetrien“ in Lieferketten hin, wo einem Nachfrager oftmals viele Anbieter gegenüberstünden, die dann ihre Preise auf ein Minimum reduzieren müssten.

Ein strenges Lieferkettengesetz hätte zur Folge, dass deutsche Firmen für ausbeuterische Praktiken ihrer ausländischen Geschäftspartner haftbar sind. Nach den bisherigen Plänen von Arbeits- und Entwicklungsministerium würde es aber erst für Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten gelten. Umfragen haben ergeben, dass noch nicht einmal ein Fünftel dieser deutschen Firmen hinreichend menschenrechtliche Anforderungen erfüllen.

epd

 

Aus dem faktor c Magazin 01/2021

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