Von Druckverlust und Superpower

Wie eine junge Mutter Gottes Hilfe im Job erlebt

 

Nina Meyer hat vor neun Monaten einen Sohn geboren und ist inzwischen wieder voll im Beruf, während ihr Mann eine Auszeit nimmt. Dennoch ist es schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Wie sie Selbstfürsorge und Selbsthingabe austariert, beschreibt sie in diesem Beitrag.

 

Es ist 6.30 Uhr. Mein neun Monate alter Sohn schlief die letzte Nachthälfte neben mir und zieht mir mit offenen Augen an den Haaren, als würde er sagen: „Ich wäre dann jetzt wach. Wann geht es hier los?“ Ich fühle mich erschöpft und blicke entgeistert auf die Uhr. Ab 1.30 Uhr lagen wir für zwei Stunden wach im Bett, weil er nach einer kurzen Stillpause nicht wieder einschlafen konnte. In zwei Stunden beginnt mein erster Call im Home-Office, und bis dahin brauche ich mindestens einen Kaffee und einen stressfreien Morgen. An Schlaf ist in jedem Fall bei ihm und somit auch bei mir nicht mehr zu denken.

So sieht seit zwei Monaten mein „neues Normal“ aus. Mein Mann und ich haben damals gebetet und dann entschieden, dass ich nach acht Monaten Elternzeit aus dem Baby-Alltag in den Business-Alltag zurückkehre. Er wird sich in den kommenden Monaten Vollzeit um unseren Wirbelwind kümmern, unseren Hausbau begleiten und sich somit eine Auszeit vom Alltag in einem deutschen Konzern nehmen.

Zerstückelter Fünf-Stunden-Schlaf

Heute stehen bei mir im Home-Office eine Videokonferenz mit dem Management zu aktuellen Vertriebszahlen meines Teams, eine große Kunden-Eskalation und eine Präsentation mit einem potentiellen Neukunden an. Mit zerstückelten fünf Stunden Schlaf werde ich das schon irgendwie hinbekommen.

Und wie jeden Morgen geht mein Blick gen Himmel: „Gott, schenke mir heute diese Kraft, die es bei dir im Überfluss gibt. Schenke mir deine Gunst und deine Weisheit, um die richtigen Fragen zu stellen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Schenke mir deinen inneren Frieden, deine Ruhe, deine Leichtigkeit, wenn meine Zündschnur kurz und die Kundenherausforderungen schwer sind.“

Im Bewerbungsverfahren damals stellte ich meinen Glauben und meine Beziehung zu Gott als Stärke an meinem Profil dar. Ich mache diesen Job nicht allein. Gott ist bei mir und ist meine „Superpower“ in jedem Meeting und in jeder E-Mail. Und so bete ich, wenn auch kurz, ein Gebet vor jedem Meeting: Herr, hilf!

Ermutigender Manager

Was ich dann erlebe, das sind mehr als offene Türen. Mein (kinderloser und sehr ehrgeiziger) Manager fragte mich nach einem Monat, wie ich mit den Nächten und dem Arbeiten klarkomme. Aus meinem Mund rutschte direkt ein ehrliches Stimmungsbild heraus: Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, geringes Erinnerungsvermögen und gleichzeitig Dankbarkeit über den Job, den ich machen darf; über die Menschen, die mir anvertraut werden; über die Verantwortung, die ich in einer Region übernehmen und gestalten darf.

Er ermutigte mich, dass ich mich im Home-Office doch problemlos mittags für einen Mittagsschlaf hinlegen kann. Dass es ihm wichtiger ist, wenn ich im Rahmen meiner Vertrauensarbeitszeit wenige Stunden am Tag konzentriert und produktiv arbeite als viele Stunden mit schwacher Aufmerksamkeit. Dass ich mir Zeit für meine Widerstandsfähigkeit nehme und mich um meine Beziehung zu meiner kleinen Familie kümmere. Wow, damit habe ich nicht gerechnet. Was für ein großes Geschenk, das ich hier vom Himmel empfangen darf.

Was im Flugzeug gilt

So begegnet mir immer wieder der Begriff „Selbstfürsorge“. Auch im Flugzeug soll man sich zunächst selbst mit der Sauerstoffmaske versorgen, bevor man mitreisenden Kindern assistiert. Gilt das nicht auch für uns als Führungskräfte, als Eltern, als Leiter eines Hauskreises oder einer Gemeinde? Ich darf jeden Tag aufs Neue versuchen, erst meine Selbstfürsorge mit und bei Jesus und dann die Selbsthingabe an Menschen und Aufgaben zu praktizieren. Und daraus entspringt in mir solch eine Kreativität, Ausgeglichenheit, Widerstandsfähigkeit.

Bisher habe ich im Gemeindekontext wenige Mütter gefunden, die innerhalb kurzer Zeit nach der Geburt wieder arbeiten gehen. Schon gar nicht in Vollzeit. Ich habe auch Gegenwehr bekommen, als ich unseren Plan verriet; vor allem von anderen Müttern. Ich wünsche mir, dass wir jede Familie mit ihrer individuellen Arbeit- und Kinderbetreuungssituation so annehmen und unterstützen, wie Gott es dieser Familie aufs Herz gelegt hat. Ich wünsche mir, dass Mütter sich gegenseitig mehr ermutigen als verurteilen. Ich wünsche mir Führungskräfte, die ihre mitarbeitenden Mütter für ihr Dasein und nicht nur ihre Produktivität und Schaffenskraft feiern.

Kraft von oben

Denn wenn der Druckverlust im Flugzeug oder in meinem Alltag kommt, dann schaue ich nicht nur zur Sauerstoffmaske an der Kabinendecke. Ich blicke stattdessen zu meinem Vater im Himmel, der mich ansieht und sagt: Meine geliebte Tochter, auch heute ist dir alles möglich durch mich, der dir Kraft gibt (Philipper 4,13).

 

 

Von Nina Meyer

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