Stärke ist kein Zufall! Nachdenkliches von Monika Bylitza

Jim Knopf, der kleine schwarze Junge aus Lummerland, der mit seinem Freund Lukas, dem Lokomotivführer, viele spannende Abenteuer erlebt, gehört zu den Lieblingsfilmen meiner Kindheit. Vor allem die Szene mit Herrn Turtur, dem Riesen. Alle laufen vor ihm weg. Nur Jim Knopf nicht. Denn Jim macht eine wichtige Erfahrung: Herr Turtur ist gar kein echter Riese. Er ist nur ein Schein-Riese. Aus der Ferne sieht er riesengroß aus, aber je näher man ihm kommt, desto kleiner wird er. Und als er Jim Knopf Auge in Auge gegenübersteht, ist er nicht viel größer als Jim. 

Scheinriesen auf Führungsetagen 

1960, als das Kinderbuch von Michael Ende erschien, war der Scheinriese noch ein einzigartiges Phänomen. Doch heute wäre Herr Turtur nicht allein. Täglich begegnen mir Menschen – leider häufig Führungskräfte -, die gerne die Rolle eines Scheinriesen einnehmen. Besonders wenn sie in der Lage sind, Macht auszuüben, plustern sie sich auf wie ein Michelin-Männchen, und Herr Turtur hätte noch reichlich Schatten hinter ihnen.

Die Möglichkeit, ein eigenes Bild von sich zu gestalten, ist ziemlich verlockend. Ich habe überhaupt nichts gegen Scheinriesen. Hin und wieder bin ich selbst einer. Sie auch? Mein Vater hätte dazu gesagt: „Große Klappe – nix dahinter“. Und was sagen die Fachleute? Die Psychologie sagt: „Wenn die Kluft zwischen Selbstbild und Wirklichkeit zu groß ist, leidet die Kommunikation.“ Aha – hier liegt also der Knackpunkt. Wir leben im Land der Scheinriesen, weil Menschen unter anderem auch in sozialen Netzen häufig größer wirken wollen, als sie in der Nähe sind.

 

Tipp:

Nähern Sie sich Riesen mit Respekt, aber schauen Sie Ihnen keck in die Augen. Prüfen Sie immer zuerst, mit wem Sie es zu tun haben, bevor sie der Angst Raum geben. Das Annähern an den Riesen, dieses Sich-Trauen, ist häufig die Motivation, mit einem Coach ein Ziel festzulegen und gemeinsame Schritte gegen die Angst zu gehen.

Eine ganz besondere Qualität bekommt in diesem Zusammenhang der Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, wenn Sie einzelne Dialoge unter dem Gesichtspunkt der Persönlichkeits- und Charakterentwicklung betrachten. Moderne Varianten von Herrn Turtur sind aus meiner Sicht nämlich Avatare, künstliche Personen oder Grafikfiguren, die einem Internetbenutzer in der virtuellen Welt zugeordnet werden. 

 

Sind Sie eine authentische Persönlichkeit? 

Sie entscheiden selbst, ob Sie Ihre Stärken betonen und mit Ressourcen glänzen oder im Entwicklungsprozess eines Selbstmarketing-Avatars stehen bleiben wollen.

Suchen Sie Antworten für folgende Fragen:

Wie wollen Sie aus der Ferne gesehen werden?

Wie können Sie sicher sein, dass Ihre Sicht der Wirklichkeit mit der Sichtweise der Menschen in Ihrem Umfeld übereinstimmt?

Haben Sie den Mut, Familienmitglieder, Mitarbeiter oder Freunde um ein ehrliches Feedback zu bitten?

 

Den Menschen im Spiegel lieben 

Gott schuf Sie als Original in und traut Ihnen zu, mit einzigartigen Stärken und zumutbaren Schwächen zu leben. Er fragt nicht danach, ob Sie wie Mutter Teresa, Dietrich Bonhoeffer oder Albert Einstein gelebt haben. Sagen Sie ja zu dem Menschen, der Sie jeden Morgen im Spiegel begrüßt. Denn wenn Sie sich selbst anerkennen, müssen Sie der Anerkennung anderer nicht hinterherlaufen. Vor allem müssen Sie keine Angst vor Scheinriesen haben und erst recht keiner sein. Ich wünsche Ihnen viele Momente, in denen Sie spüren und glauben, dass es viele Gründe gibt, das Original in Ihnen zu lieben.

 

Monika Bylitza

 

Aus dem faktor c Magazin 01/2021

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