Neustart nach der Pleite: Wie ein christlicher Unternehmer gestärkt aus der Insolvenz hervorging

Die Corona-Lockdowns werden zu einer Pleitewelle führen. Die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) erwartet für Deutschland, dass die Zahl der Insolvenzen von rund 4.500 pro Quartal im Jahr 2020 auf bis zu 7.000 pro Quartal im laufenden Jahr steigt. Bernd Kaiser hat mit seinem Autohaus in Nürnberg vor neun Jahren selbst eine Insolvenz durchlebt. Wie er als Christ damit umging und was bei Insolvenzgefahr zu beachten ist, schildert er in diesem Beitrag.

Meine Karriere im Automobilgeschäft verlief ziemlich steil in schnellen Schritten, um dann auch zunächst tief zu fallen. Doch Gott fängt einen auf, das ist meine Erfahrung. Aber der Reihe nach: Ich bin 1966 geboren, machte eine Hauptschulausbildung. Mit 14 Jahren begann die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, die im Alter von 17 Jahren bereits abgeschlossen war. Mein christlicher Weg verlief bis dahin nicht spektakulär – als Sohn evangelischer Eltern getauft, Konfirmation und Kirchenbesuche nur auf Anordnung (Schuljahresbeginn, Konfirmation oder ein familiäres Ereignis).

Nach der Ausbildung arbeitete ich mit im elterlichen Betrieb, einem mittelständischen Autohaus mit Werkstatt und Verkauf. Bereits 1988 war ich gelernter Kfz-Meister, mit 21 Jahren einer der jüngsten in Deutschland. 1991 habe ich meine Sabine geheiratet, das erste Kind Tina von Gott geschenkt bekommen und auch noch den elterlichen Betrieb übernommen.

 

Auf dem Weg zum Atheisten

 

Allerdings wurde ich auch immer mehr zum Atheisten. Mein Weltbild war geprägt von der Meinung, dass nach unserem Tod nichts mehr sein wird, dass wir Menschen uns zu wichtig nehmen und Religion nur Krieg und Leid verursacht. Im Nachhinein betrachtet war es meine schlimmste persönliche Zeit, weil ich auch mit Angstzuständen und Depressionen zu kämpfen hatte. Meine Krankenakte war gefüllt mit Besuchen beim Psychologen, Heilpraktiker und allen möglichen Institutionen.

Unser Autohaus lief sehr gut, wobei das Geldverdienen zwischen 1980 bis 2000 im Handwerk und auch im Autohandel ohnehin nicht sonderlich schwer war. Wir haben immer viel Geld reinvestiert. Beschäftigten wir bei der Übertragung der Firma von meinem Vater auf mich sieben Mitarbeiter, so hatten wir im Jahr 2000 einen Stand von 40 Mitarbeitern und Verträge mit vier Automobilherstellern.

Zwischenzeitlich bekamen wir 1994 unsere zweite Tochter Silvia geschenkt.  Alles lief nach Plan (der persönliche Plan eines Atheisten, der letztlich nicht funktionieren kann). Dann kam das Jahr 2000 mit seinen teils drastischen Änderungen. Zuerst erhielten wir von einem unserer Hersteller, für den wir noch drei Jahre zuvor 1,2 Millionen D-Mark in eine neue Werkstatt investiert hatten, die Kündigung. Dann ging ein weiterer Hersteller in die Insolvenz und zum krönenden Abschluss nochmal einer unserer Hersteller. Dies geschah alles innerhalb von sechs Jahren. 2006 war dann unser Betriebsergebnis bei minus 400.000 Euro – und alle Reserven aufgebraucht. Was tun?

 

Wenn Jesus der Chef wird

 

In einer Branchenzeitschrift lass ich dann den Beitrag eines Unternehmensberaters unter der Überschrift „Vom tiefen Minus zum Plus“. Ich war von dem Artikel sehr fasziniert. Und das Beste daran: Bereits wenige Tage später gab es sogar ein Seminar von ihm. Das besuchte ich und merkte dabei, dass dieser Unternehmensberater anders war als die anderen. Dass er bekennender Christ ist und auch christliche Seminare und Gebetsstunden abhält, fand ich erst im Nachgang heraus.

Nach dem Seminar offenbarte ich ihm meine Situation. Bereits wenige Tage später war er bei uns im Autohaus. Mit seiner Hilfe haben wir unser Unternehmen komplett umstrukturiert und den Turnaround geschafft. Im Rahmen seiner Besuche sprachen wir dann auch über Gott und die Liebe von Jesus Christus. Die Konsequenz: Meine Frau und ich haben am 15. August 2006 in einem Gebet unser Leben an Jesus Christus übergeben. Wir besaßen noch ein altes Kreuz mit dem Körper des Gekreuzigten, 50 Zentimeter hoch. Das hatten wir im Geräteschuppen verräumt und nie aufgehängt. Seit diesem Tag hat es eine dominante Stelle in unserem Haus, er ist schließlich jetzt unser Chef.

Wir schafften zwar den Turnaround unter sehr großen Anstrengungen, aber im Jahr 2011 wollte eine unserer Hausbanken die zugesagte Kreditlinie wieder zurückfahren. Im Oktober entschlossen wir uns dazu, Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit anzumelden. Nach vorhergehender reiflicher Überlegung und Gebeten war uns klar: Wir wollten ganz der Liebe Gottes und seinem Sohn vertrauen. Er wird das Beste daraus machen. Ein Glaubenswagnis!

 

Gott greift in der Insolvenz ein

 

Mit der Anmeldung beginnt die dreimonatige vorläufige Insolvenz. Als bekennende Christen hatten wir nichts zu verbergen, kein Schwarzgeld, keine Anschaffungen, die man am liebsten verstecken möchte, keine Ungereimtheiten in der Buchhaltung. Das erkannte der Insolvenzverwalter auch sehr schnell und ließ uns weitestgehend in Amt und Würden. In diesen drei Monaten fehlten meine Frau und ich keinen einzigen Arbeitstag. Wir kümmerten uns soweit möglich um alles.

Nach Ablauf der drei Monate gestand uns der Insolvenzverwalter noch zwei weitere Monate im Zeitraum des zu eröffnenden Verfahrens zu, um den Betrieb neu aufzustellen und durchzustarten. Seine einzige Prämisse war, dass von den 40 Mitarbeitern nur sieben übernommen werden können, da unter Vollkosten keine andere Möglichkeit zum Aufrechterhalten des Betriebs bestehe.  Meiner Frau gelang es, alle 33 der zu kündigenden Mitarbeiter bei anderen Arbeitgebern unterzubringen. Hier erlebten wir auf verblüffende Weise Gottes Eingreifen.

Am 1. März 2012 gründete meine Frau eine neue GmbH, und wir fingen von vorne an. Mit den beteiligten Banken konnten wir eine Nutzungsentschädigung für die Immobilie vereinbaren, da diese ja als Sicherheit für die Kredite diente und eine Verwertung oder Zwangsversteigerung noch bevorstand.

 

Die Zwangsversteigerung verhindert

 

Wir fanden einen Käufer für die gesamte Immobile, der einen Supermarkt bauen wollte. Der mit ihm geschlossene Vertrag hatte einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren, die dem Käufer für die Einreichung und Genehmigung des Bauantrages Zeit gaben. Das Verblüffende: Diesen Bauantrag bekam er nie genehmigt! Die Bank wollte nach den 30 Monaten des Zuwartens auch langsam die Akte schließen – und dann stellte sich noch heraus, dass den Banken bei der 1997 gebauten Werkstatt ein grober rechtlicher Fehler passiert war, der eine Zwangsversteigerung fast unmöglich machte. Auch hier sahen wir das Wirken Gottes, wie wir es uns nicht hätten vorstellen könne.

Ergebnis: Meine Frau konnte nach zähen Verhandlungen mit den Banken das gesamte Objekt selbst kaufen und mit ihrer Mannschaft betreiben. Ich selbst habe nach der Gründung der GmbH den Verkauf weiter forciert und aufgebaut. Allerdings ist der Automobilverkauf sehr von nötiger Liquidität abhängig, die nicht vorhanden war. Keine Bank gibt einen Kreditrahmen aus. Doch Gott hat für alles einen Plan – so jedenfalls unsere Erfahrung.

Im Frühjahr 2012 kam einer unserer ehemaligen Mitarbeiter, der zwischenzeitlich einen Autoverkaufsservice für die Deutsche Polizeigewerkschaft gegründet hatte. Er brauchte noch einen Partner für die Gebrauchtwagenvermarktung seiner Polizeibeamten. Dieser Partner wurden wir. Bis heute arbeiten wir sehr gut und intensiv zusammen.

 

Mit Erfahrung anderen helfen

 

Und ebenfalls im Frühjahr 2012 kam unser Insolvenzverwalter mit der Bitte, ob ich ihm bei einem anderen Fall aushelfen kann. In einem großen Unternehmen aus der Textilbranche müssten Lieferantenrechnungen auf Eigentumsvorbehalte geprüft werden. Der Insolvenzverwalter erinnerte sich daran, dass ich in unserem eigenen Fall so ziemlich alle Arbeiten selbst ausgeführt hatte. Weitere vier Wochen später begleitete ich dann das Controlling eines großen Reha- und Gesundheitszentrums und das Controlling einer Bäckereikette mit 200 Mitarbeitern. Seitdem habe ich 43 Unternehmen bei ihrer Insolvenz begleitet, 40 Unternehmen davon bestehen heute noch.

 

Bei meinen Gebeten habe ich erkannt, dass mein Platz tatsächlich in zwei Bereichen ist. Gott unterscheidet nicht zwischen der Branche Autohandel oder Insolvenzsachbearbeitung. Für ihn ist es wichtig, im Autohandel anderen Menschen, die viel Geld ausgeben (das diese schließlich mit Ihrer Lebenszeit erarbeitet haben), ein Segen zu sein. Ein Autokauf kann schnell eine Fehlinvestition werden. Oft sind Gebrauchtwagen zu wenig geprüft und mit Fehlern behaftet, über die hinterher gestritten wird. Das lässt sich im Vorfeld vermeiden.

Im Insolvenzbereich gibt Gott mir die Möglichkeit, anderen Menschen Mut und Hoffnung zu machen. Was wie eine Niederlage aussieht, kann ein großer Sieg werden. Und in beide Branchen habe ich die Möglichkeit, selbst Zeugnis von meinem Glauben abzulegen und seine frohe Botschaft weiterzugeben.

 

Wenn die Insolvenz droht
Fünf Tipps von Bernd Kaiser
 
  1. Frühzeitig Rat suchen, nicht zulange warten.
    1. Thessalonicher 5,21: „Prüft alles, und das Gute behaltet.“
  2. Ein einfaches und kontinuierliches Controlling aufbauen.
    In den meisten insolvenzgefährdeten Unternehmen ist kein Überblick vorhanden.
  3. Ein funktionierendes Mahnwesen betreiben.
    In den meisten Unternehmen erreichen die nicht bezahlten Kundenrechnungen eine erschreckende Höhe.
  4. Keine unnötigen Ausgaben,
    jeden Cent umdrehen, bis er ein Kupferdraht wird (diesen Spruch hat mir der christliche Unternehmensberater von 2006 eingeimpft).
  5. Eine Finanzplanung für das laufende Geschäftsjahr erstellen.
    Diese kann sogar relativ einfach entworfen werden, verschiedene Vorlagen stelle ich gerne zur Verfügung.

Von Bernd Kaiser

Bernd Kaiser

www.tiefer-einblick.de

www.kaiser-bewegt.de

Aus dem faktor c Magazin 01/2021

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