Mut-Probe – Eindrücke vom Kongress „MUT 2020“ in Schwäbisch Gmünd

Es war der richtige Kongress zur richtigen Zeit: Zu „MUT 2020“ versammelten sich Anfang Oktober 350 Frauen und Männer in Schwäbisch Gmünd. Sie erhielten ermutigende Botschaften und zahllose Ideen, wie sie als Christen die Gesellschaft positiv gestalten können.

Ermutigung war schon vor der Corona-Pandemie ein großes Thema. Sonst hätte die christliche Wirtschaftsinitiative „faktor c“ nicht gemeinsam mit zwölf weiteren Business-Organisationen bereits vor zwei Jahren auf einen Kongress namens „MUT 2020“ hin geplant, als das Virus noch keiner kannte. Und nun brauchte es Mut, die Großveranstaltung in Schwäbisch Gmünd auch durchzuziehen. Werden überhaupt Gäste kommen, oder überwiegt die Angst vor Ansteckung? Machen die Behörden aufgrund der regionalen Infektionslage das christliche Konferenzzentrum „Schönblick“ kurzfristig dicht? Immerhin hatte es wenige Wochen zuvor einen Corona-Hotspot in der Stadt gegeben.

Das Wagnis wurde belohnt: „MUT 2020“ konnte Anfang Oktober stattfinden. Statt der geplanten 500 Teilnehmer wurden zwar nur 350 genehmigt, und das Treffen glich in vielen Momenten einem „Maskenball“ – doch Mundschutz, Einweg-Handschuhe am Buffet und Desinfektionsmittel am Saaleingang taten der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Nach Monaten der Zurückgezogenheit in Häusern und Homeoffice genossen viele Besucher sichtlich wieder die große Gemeinschaft.

Sieben Berge

Das Kongress-Konzept gründete auf einem Modell, das Loren Cunningham („Jugend mit einer Mission“) und Bill Bright („Campus für Christus“) schon 1975 entwickelten. Wer eine Gesellschaft strategisch beeinflussen will, muss sich um sieben „Berge“ kümmern: Wirtschaft, Politik, Medien, Unterhaltung/Kunst, Bildung/Erziehung, Familie und Religion. Zu jedem „Berg“ hatten die Veranstalter deshalb Experten eingeladen. Der Unternehmer Günter Veit (Landsberg) warnte in seinem Vortrag die Teilnehmer davor, den Glauben am Sonntag von der Praxis im Berufsalltag zu trennen. Der von Jesus Christus erteilte Missionsbefehl gelte nicht nur hauptberuflichen Missionaren, sondern jedem Christen. Deshalb habe er in seiner Firma beispielsweise die Weihnachtsfeiern zur „Evangelisation pur“ gemacht, sagte Veit.

Christen sind stark, wenn sie schwach sind

Daniel Hoster, Mitglied der Geschäftsleitung der Bank BNP Paribas, sagte, Mitarbeiter im Unternehmen merkten schnell, ob man als christlicher Chef nur oberflächlich stark sei. „Wir sind dann einflussreich, wenn wir selbst mit einer Situation ringen und wenn wir am Ende unserer Kraft und Weisheit sind.“

Uwe Heimowski, Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz von Bundestag und Bundesregierung, ermutigte die Kongressteilnehmer zu politischem Engagement. Sie müssten dabei allerdings in Kauf nehmen, dass sich die Mehrheit nicht nach der christlichen Minderheit richte. Sie sollten auf der Suche nach Mehrheiten ihre Argumente auch für Menschen ohne Bibelkenntnisse nachvollziehbar darstellen.

Katharina Haubold von der CVJM-Hochschule in Kassel zeigte sich überzeugt, dass die Weitergabe des christlichen Glaubens heute nicht mehr über „fertige und feste Antworten“ funktioniere. Auch könne von modernen Menschen nicht erwartet werden, dass sie sich einer traditionellen Kirchengemeinde anschließen. Haubold sprach sich deshalb für „Zwischenräume“ aus, in denen Christen wie Nichtchristen gemeinsam Zeit verbringen. Als Positivbeispiel nannte sie das Projekt „Refo Moabit“ in Berlin, das Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen vereine.

Ehe als Glücks- und Wohlstandsfaktor

Die Paartherapeutin Susanne Mockler sagte, sie rechne in den nächsten Jahren mit einem Erstarken von Ehe und Familie. Die Sozialsysteme stünden nicht erst seit der Corona-Krise auf wackeligen Beinen, da werde die verlässliche Unterstützung durch Angehörige an Bedeutung gewinnen. Laut sozialwissenschaftlichen Studien sei eine gute Ehe Glücksfaktor, Gesundheitsfaktor und Wohlstandsfaktor Nummer eins. Deshalb sollten sich insbesondere Christen für bessere Ehen einsetzen.

Oliver Stier, Vorstandssprecher des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD), erinnerte an das Motto des Gründers seiner Organisation, Pfarrer Arnold Dannemann: „Keiner darf verlorengehen“. Stier erläuterte, warum das CJD als christliche Organisation heute von seinen 10.500 Mitarbeitern nicht mehr verlange, Mitglied einer Kirche zu sein. Wichtiger als die formelle Mitgliedschaft sei seine Loyalitätserklärung, die jedes Teammitglied unterschreiben müsse. Außerdem setzten sich Mitarbeiter in Fortbildungen mit der Frage auseinander, was das C im CJD bedeute.

Wo sind „Oasen der Barmherzigkeit“?

Der Journalist Andreas Malessa rief christliche Gemeinden und Firmen dazu auf, „Oasen der Barmherzigkeit“ zu sein. Selbst Menschen, die den christlichen Glauben verspotten, wünschten sich insgeheim solche barmherzigen Orte. Dagegen führe Rechthaberei nur dazu, dass Gemeinden „immer reiner und kleiner werden – und am Ende feierst Du nur noch mit Dir selbst Abendmahl“, sagte er.

Malessa war es auch, der im Abschlussgottesdienst predigte und die Rede des Paulus auf dem Areopag von Athen in die Gegenwart übertrug. Er benannte moderne Götter wie Automobile und Immobilien und stellte ihnen den in der Bibel verkündeten Gott der Liebe gegenüber.

Eine „gesunde Dosis Mut“

Für die Musik beim Kongress waren die Jazzkünstler Sarah Kaiser (Gesang) und Samuel Jersak (Piano) zuständig. Der Songpoet Andi Weiss aus München spielte ein Festkonzert unter der Überschrift „Gib alles, nur nicht auf“. Ergänzt wurde das Programm durch 15 Workshops, eine Ausstellung sowie ein Speedcoaching.

Mut gepaart mit Besonnenheit sollte nach Ansicht des Unternehmers und „faktor c“-Vorsitzenden Friedbert Gay ein Erkennungszeichen christlicher Führungskräfte sein. Der Kongress habe den 350 Teilnehmern eine „gesunde Dosis Mut“ mitgegeben, so sein Fazit. Positiv auch das Resümee von „faktorc“-Geschäftsführer Michael vom Ende, der den Kongress federführend vorbereitet hatte: „MUT 2020 war ein Meilenstein auf dem Weg einer engeren Zusammenarbeit christlicher Wirtschaftsorganisationen.“

Ein großes Plus solcher Kongresse steht selten im Programmheft: die persönliche Vernetzung. Pausengespräche, Unterredungen an Ausstellungsständen, Kennenlernen neuer Leute, das Tauschen von Visitenkarten auf Papier oder digital – auch das hat „MUT 2020“ möglich gemacht.

Marcus Mockler

 

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faktor c Ausgabe 3/2020

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