Licht auf dem Leuchter: Warum Unternehmer von ihrem Glauben erzählen sollten

Tue Gutes und rede darüber – mit diesem Spruch haben Christen manchmal Schwierigkeiten. Gebietet es die Demut nicht, über eigenes Engagement zu schweigen? Nein, meint der Medienprofi Hartmut Spiesecke. Seiner Ansicht nach kommt es dabei auf die richtige Haltung an.

Der Mörder ist meistens nicht der Gärtner, sondern der Unternehmer – im „Tatort“ jedenfalls. Das Bild des Unternehmers wird im Fernsehen stark vom Krimi geprägt: profitgierige Chefs, die notfalls über Leichen gehen, um Geld zu scheffeln. Natürlich wissen die Zuschauer, dass das nicht die Wirklichkeit ist – aber das Image prägt es doch.

 

Gute Werke sichtbar machen

 

Unternehmer reden zu wenig darüber, was sie tun und warum sie es tun. Christliche Unternehmer sind hier besonders zurückhaltend. Sie sehen – völlig zu Recht – in Demut eine christliche Tugend. Doch unter den Tugenden ist sie ein Stiefmütterchen: Sie wird zu wenig beachtet, dafür aber zu oft missverstanden. Demut ist eine Haltung, die eigene Stärken als Geschenk Gottes versteht. Wer etwas leistet, setzt die Gaben Gottes an geeigneter Stelle und auf geeignete Weise ein. Der eigene Anteil kommt dabei nicht zu kurz: die Bereitschaft zum Tun und die erforderliche Sorgfalt.

 

Die Bibel erzählt uns reichlich von Gestalten, die dies getan haben. David zum Beispiel hat seinen Kampf gegen Goliath realistisch eingeschätzt und klug vorbereitet. Mit reiner Muskelkraft wäre er dem riesigen Gegner unterlegen. Der (erlaubte) Einsatz der kleinen Steinschleuder machte ihn zum Sieger (1. Samuel 17). Zugegeben: Später war David dann weniger demütig.

 

Demut ist die Bereitschaft zum Dienen – das ist in unserer Gesellschaft keine besonders hoch geschätzte Haltung. Sie bedeutet aber nicht, sich kleiner zu machen, als man ist. In der Bergpredigt erinnert Jesus seine Zuhörer, ein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern auf den Leuchter: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Matthäus 5, 16).

 

Auf den Schöpfer hinweisen

 

Jesu Aufforderung hat einen doppelten Zweck: Die Menschen sollen die guten Werke von Christen sehen und den Vater im Himmel preisen. Gute Öffentlichkeitsarbeit dient also vor allem dazu, den Schöpfer als Ursprung der Handlungen zu erkennen – eine steile Folgerung!

 

Tue Gutes und rede drüber – das ist eine Maxime der Public Relations, kurz PR. Für Personen und Institutionen, die öffentlich kommunizieren, ist das kein schlechter Grundsatz. Einige christliche Unternehmerinnen und Unternehmer haben das verstanden und umgesetzt.

 

Bekennende Unternehmer

 

Heinrich Deichmann beispielsweise verbindet das gute unternehmerische Handeln mit dem Reden. Der größte Schuhhändler Europas legt Wert auf ordentliche Produktionsbedingungen seiner Zulieferer. Er spendet jährlich in Millionenhöhe, und die Deichmann-Stiftung fördert soziale Projekte im In- und Ausland. Er redet öffentlich über seinen Glauben, überregionale Medien berichten darüber.

 

Es geht auch ein paar Umsatzstellen kleiner. Für sein christliches Engagement ist etwa Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz bekannt. Der Unternehmer aus Schwante nordwestlich von Berlin ist vielseitig engagiert und berichtet leidenschaftlich von seinem Glauben.

 

Deichmann und Plentz sind ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Sie tun etwas, das in unserer Gesellschaft inzwischen in den Hintergrund gerückt ist: Sie berichten ganz ungekünstelt, wie der Glaube ihr Leben prägt. Sie sind gute Beispiele, wie Christen öffentliche Kommunikation gestalten können: als Erzählungen aus ihrem eigenen Leben.

 

Sprachfähig ist fast jeder

 

Christen sind in der medialen Berichterstattung zu selten Thema. Falls gläubige Christen überhaupt vorkommen, sind sie oft Sonderlinge, nur selten weltoffene Mitbürger. Gleichwohl besteht unter vielen Journalisten durchaus eine Offenheit für Glaubensthemen – so lange sie nicht dogmatisch daherkommen. Wirksamer ist es, wenn Menschen davon erzählen, in welchen Lebenssituationen ihnen ihr Glaube ganz persönlich geholfen hat.

 

Wer über seinen persönlichen Glauben in seinem Leben spricht, findet in Gesprächsrunden mit und ohne Journalisten Aufmerksamkeit. Die Suche nach „Spiritualität“ ist ja ein altes Phänomen. „Fürchtet euch nicht“, titelte das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in seiner Weihnachtsausgabe 2020. Es folgte selbstverständlich keine Erweckungsgeschichte – aber es zeigt beispielhaft, dass Glaubensthemen keineswegs tabu sind. Im Gegenteil besteht eine Art neutraler Offenheit, die von Christen durchaus mitgestaltet werden kann und sollte.

 

Hardliner als Kommunikationsproblem

 

Die öffentliche Kommunikation von Christen wird von zwei Seiten geprägt: einerseits von den Statements der großen christlichen Kirchen, die allerdings nicht selten Beiträge zum politischen, sozialen und kulturellen Dialog sind. Als solche sind sie ohne Frage legitimer Teil der kirchlichen Kommunikation, seltener freilich werden sie als Beiträge gelebten Glaubens verstanden.  Andererseits gibt es die manchmal marktschreierischen christlichen Sonderlinge, die mit teilweise abstrusen Äußerungen zum Image der weltfremden Christen beitragen.

 

Reden mit Stil

 

Hier bleibt eine Lücke für christliche Unternehmer, die selbstverständlich vom Glauben reden, der ihr ganzes Leben prägt, nicht nur das private. Das ist überzeugender als Meinungen zu politischen Entscheidungen. Dabei sollen Inhalt und Stil zusammenpassen. Manch zornige Rede wäre überzeugender, wenn man dem Redner die Liebe Gottes abspüren könnte, von der er spricht. Wie wäre es, wenn gemäß der Jahreslosung für 2021 die Barmherzigkeit ein Leitgedanke der Kommunikation würde?

 

„Wer von euch ist weise und klug? Der soll es durch seinen guten Lebenswandel zeigen und in weiser Bescheidenheit handeln. … Anders aber ist die Weisheit, die von Gott kommt: Sie ist zuerst einmal rein. Dann ist sie friedlich, gütig und bereit, sich etwas sagen zu lassen. Sie ist auch voller Barmherzigkeit und bringt gute Früchte hervor. Und sie ist unparteiisch und aufrichtig.“ (Jakobus 3, 13+17)

 

 

Von Hartmut Spiesecke

Dr. Hartmut Spiesecke,  Jahrgang 1965, ist Geschäftsführer des Journalistenpreises der deutschen Wirtschaft „Ernst-Schneider-Preis“ (www.preistraeger.ernst-schneider-preis.de). Ehrenamtlich engagiert sich der verheiratete Vater von zwei Kindern im Vorstand der Christlichen Medieninitiative pro.

 

Aus dem faktor c Magazin 01/2021

Ein Wochenende für in der Wirtschaft Tätige ab 58 Jahren (Ü58).

Die einen richten sich auf das Ende des (bezahlten) Arbeitslebens ein, die anderen auf mindestens 20 weitere Arbeitsjahre. Wir arbeiten an den gemeinsamen Fragestellungen…

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