Lesen um zu Überleben

Lektüreempfehlungen für diesen Herbst

Üblicherweise haben wir in unserem Magazin Platz für nur eine Rezension. Viele tolle Titel bleiben deshalb unerwähnt. In dieser Ausgabe haben wir uns deshalb dazu entschlossen, sechs weitere Bücher zu empfehlen. Wir wünschen einen fantastischen Leseherbst.

 

Jesus, Lego und die Digitalisierung

Peter Becker: Führen mit Herz. Wie Sie als vielseitige Führungspersönlichkeit mit Würde, Werten und Vertrauen erfolgreich in einer digitalen Arbeitswelt 4.0 führen können. 136 Seiten, 24,90 Euro. managerSeminare Verlag (Bonn) 2020.

Wir suchen in der Wirtschaft, verstärkt durch Corona, schon seit geraumer Zeit nach einem neuen, veränderten Führungsstil, der in der VUKA-Welt (volatil, ungewiss, komplex, ambig) belastbar, zielführend und nachhaltig ist. Hier ist ein neuer alter Ansatz: sich selbst, die Mitarbeitenden und das Team als Ganzes nicht als Zahlen, Platzhalter oder „Verfügungsmasse“ zu verstehen, sondern als – Menschen. So schlicht, so kompliziert.

Wer bin ich – und wer sind wir als Team? Der Autor mit 40 Jahren Führungserfahrung (s. Klappentext), entwirft nicht weniger als ein neues Modell von Führung, wenn er das Wesen des Menschen und seine inneren Antriebe in den Mittelpunkt seines „Paradigmenwechsels“ (s. Inhaltsverzeichnis) stellt.

Die 136 Seiten wollen nicht nur überflogen, sondern „durchgearbeitet“ werden, wenn der Ansatz erfolgreich implementiert werden soll. Dann aber ist das Buch sein Geld wert. Zum Schluss: Sympathisch ist, dass Becker, Diplom-Ingenieur und systemischer Coach, Natur- und Geisteswissenschaft, Frankl und Jesus, Lego und Digitalisierung fast schon spielerisch zusammensieht, -denkt und -schreibt. Ich empfehle dieses Buch nachdrücklich.

Michael vom Ende

 

 

Kann denn Bibel lustig sein?

Andreas Malessa: 111 Bibeltexte, die man kennen muss. 240 Seiten, 16,95 Euro. Deutsche Bibelgesellschaft (Stuttgart) / Emons (Köln) 2021.

Auf dem Cover dieses Buchs prangt ein Aufkleber mit der Frage: „Kann denn Bibel lustig sein?“ Sie kann, wenn man den Ausführungen von Autor und Journalist Andreas Malessa folgt. Denn er kommentiert mit teilweise höchst amüsanten Gedanken die 111 Bibeltexte, die man dem Buchtitel zufolge kennen muss.

Auf jeder Doppelseite findet sich rechts der ausgewählte Bibeltext samt einem Foto, links Malessas Kommentar. Der studierte Theologe greift scheinbar mühelos auf sein Wissen rund um die Heilige Schrift zurück und kombiniert die angesprochenen Themen häufig mit Motiven der Gegenwart. So wird die Berufung Davids zum König von Israel so flapsig wie treffend in der Überschrift zum „Topjob ohne Bewerbungsgespräch“.

Die Auswahl der Texte beschränkt sich tatsächlich auf die wichtigsten biblischen Stationen: Von der Schöpfung über Meilensteine in der Geschichte Israels hin zum Leben von Jesus Christus; über die Herausforderungen der ersten christlichen Gemeinden bis zur Hoffnung auf eine Zukunft im himmlischen Jerusalem.

Bei so vielen Miniaturen ist es natürlich ein Leichtes, auch weniger gelungene Kommentare zu finden. So wirkt die Deutung der Rede des Apostels Paulus in Athen recht verkrampft auf unsere Gegenwart bezogen. An anderen Stellen liest man allerdings auch kleine Meisterwerke – etwa wo Malessa die Argumente für die leibliche Auferstehung von Jesus Christus in wenigen Federstrichen nachzeichnet. Auch die Erläuterung, warum die uneheliche Schwangerschaft von Maria für die damalige Gesellschaft so skandalös war, ist in ihrer Kürze und Anschaulichkeit geradezu genial.

Das Buch ist unterhaltsam, aber keineswegs nur lustig. Das eigentliche Ziel beschreibt der Autor im Vorwort. Wer die 111 Bibelstellen und den jeweiligen Kommentar liest, soll erkennen: „Du kommst auch drin vor.“ Diesen Anspruch löst Malessa ein.

Marcus Mockler

 

 

 

 

Liegenbleiben lohnt sich nicht

Alexander F. Kufner: Aufstehen lohnt sich. Du hast die Wahl. 220 Seiten, 20 Euro. Aasgeier Verlag 2021.

Scheitern, hinfallen, am Boden liegen ist eine universelle Erfahrung. Niemand ist immer nur erfolgreich, sei es im Privaten, im Gesellschaftlichen oder im Wirtschaftlichen. Ob aus einem Hinfallen am Ende ein Erfolg wird, entscheidet sich an einer kleinen Frage: WARUM lohnt sich das Aufstehen danach? Hier kommt das Buch der Antworten – ein Feuerwerk an Er-Lebtem und Er-Lesenem.

Alexander Kufner, ehemaliger Kampfsporttrainer und Extremsportler, ist heute nicht nur Unternehmer und Autor, sondern auch Hochschuldozent für Wirtschaft, Personal und Psychologie. Er bearbeitet das Thema in sieben Themenkreisen: Gedanken steuern, den Fokus setzen, Körper, Aktivität, Glaube und Überzeugung, Gemeinsam mehr erreichen, Zeit.

Diese Mischung garantiert, dass jede und jeder das WARUM beantworten kann. Mein Tipp: Die geniale Zusammenfassung für Super-Schnell-Leser in Kapitel 8 machen sich gut mit Magnet an der Kühlschrank-Tür. Oder im Badezimmer in Sichtweite zur Toilette… Wenn man aufmerksam liest, kann das Leben gelingen!

Michael vom Ende

 

 

 

Freiheit muss wehtun können

Paul Coleman: Zensiert. Wie europäische „Hassrede“-Gesetze die Meinungsfreiheit bedrohen. 288 Seiten, 18 Euro. Fontis (Basel) 2020.

 Es stimmt, dass Hass keine Meinung ist, die durch die Meinungsfreiheit abgedeckt wäre. Das Problem ist nur: Ab wann kann man von „Hass“ reden? Die Britin Maya Forstater hat ihren Job verloren, weil sie öffentlich äußerte, es gebe nur zwei Geschlechter. Die frühere finnische Innenministerin Päivi Räsänen musste sich stundenlangen Verhören durch die Staatsanwaltschaft unterziehen, weil sie die biblische Ablehnung eines homosexuellen Lebensstils im Netz gepostet hatte. US-Pastor John Piper wurde von YouTube gelöscht, weil er sich kritisch zur Corona-Politik der US-Regierung äußerte.

Was das alles mit Hass zu tun hat? Keine Ahnung. Aber inzwischen reicht es, dass sich irgendwer aus einem bestimmten gesellschaftlichen Spektrum beleidigt fühlt – und schon werden die Daumenschrauben der „Anti-Hassrede“-Gesetze angezogen. Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, werden aus Sozialen Netzwerken geschmissen und manchmal sogar strafrechtlich verfolgt.

Paul Coleman, Leiter der Menschenrechtsorganisation ADF in Wien, benennt in diesem extrem wichtigen Buch das Grundproblem: „Hass“ ist juristisch überhaupt nicht definiert. Aufgrund der schwammigen Begrifflichkeit können Meinungen und Gruppen verbannt werden, die dem Mainstream widersprechen. Irgendeiner wird sich schon gehasst fühlen, damit die entsprechenden Gesetze greifen.

Das Frustrierende an diesem Buch ist, dass die englische Version schon 2012 erschienen ist. Seitdem ist auf diesem Gebiet alles schlimmer geworden, wie Coleman eindrucksvoll in seinem Geleitwort für die deutsche Ausgabe belegt. Und auch Ralf Schuler, Leiter der Parlamentsredaktion der BILD-Zeitung, nennt Beispiele dafür, wie willkürlich angeblicher Hass manchmal geahndet wird.

Was in dem Buch noch nicht berücksichtigt werden konnte, ist das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs, das die Sperrung von Konten in Sozialen Medien deutlich einschränkt. Betreiber wie Facebook scheinen daraus zwar noch keine Konsequenzen gezogen zu haben, aber mit jeder gerichtlich erstrittenen Strafe dürften sie vorsichtiger werden.

Meinungsfreiheit muss manchmal wehtun. Oder, mit den Worten des britischen Richters Lord Sedley: „Die Freiheit, lediglich Harmloses zu sagen, ist es nicht wert, sie zu besitzen.“

Marcus Mockler

 

 

 

Mehr Vertrauen wagen

 Andi Weiss / Martina Weiss: „Vergiss nicht deine Flügel“. Impulse, die dir helfen, mitten in der Krise über dich hinauszuwachsen. 136 Seiten, 13,95 Euro. Eigenverlag (München) 2021.

 

Der Titel und das Buch sind genauso wie ihre Autoren, das Ehepaar Andi und Martina Weiss, Logotherapeut und Psychotherapeutin: bis zum Rand voll mit Ideen, Gedanken, Träumen und Vorschlägen. Wer dringend kreative und praktische Impulse für den Weg durch und aus einer Krise heraus sucht, sollte nach diesem Buch greifen.

Es ist die säkulare Business-Version von „Vergiss nicht Deine Flügel“. 136 Seiten geballtes Krisenkraftfutter! Kurze Impulse, persönliche Fragen und Anregungen, die dazu ermutigen, Krisen sinnvoll zu gestalten. Ein Buch voller Hoffnung – zum Weiterdenken, Weitergehen und Weiterleben! Coaching-Impulse und Übungen zur Ressourcenaktivierung, Steigerung der Resilienz und Selbstwirksamkeit runden das „Impulsbuch im Instagramstil“ ab. 

Wie ein Gesprächspartner will dieses Buch locken, sich der Krise zu stellen. Ermutigen, kleine Schritte vorwärts zu gehen. Provozieren, Unbequemes und Neues auszuprobieren. Und es will zum Vertrauen einladen – in sich, in seine eigenen Kräfte und in Impulse von außen.

Das Buch ist für 13,95 € (oder mit Staffelrabatten) unter www.Andi-weiß.de/impulsbuch zu bestellen.

Michael vom Ende

 

 

 

Das Motivationspaket

Günther Klempnauer: Mach das Beste aus deinem Leben. Mutmach-Geschichten über Krisen, Glaube und Erfolg. 192 Seiten, 14,95 Euro. St. Benno Verlag (Leipzig) 2020.

Was für ein kraftvolles Buch! „Promipastor“ Günther Klempnauer hat hier zwischen zwei Buchdeckeln Porträts von Menschen gepackt, die vor extremen Herausforderungen standen und sie auf verschiedene Weise gemeistert haben – durch Gottvertrauen, Psychotechniken und manchmal auch aus einer Mischung von beidem.

Es sind Menschen, die wie der Topmanager Thomas Middelhoff oder der Motivationsexperte Jürgen Höller schon wegen krimineller Taten ins Gefängnis mussten. Höller startete danach wieder voll durch und konnte innerhalb von dreieinhalb Jahren eine finanzielle Schuld von 6,6 Millionen Euro abtragen. Sein katholischer Glaube hat in dieser Krisenzeit an Bedeutung für ihn gewonnen – auch das eine Parallele zu Middelhoff.

Eine lebende Legende ist der Australier Nick Vujicic. Er wurde ohne Gliedmaßen geboren und tourt inzwischen als Motivationsredner um die ganze Welt. Nach einer schwierigen Kindheit mit wenig Perspektive für ein beglückendes Erwachsenenleben erkannte Nick Vujicic, dass auch er ein geliebtes Kind Gottes ist, das das Beste aus seinen Begabungen machen soll. Heute ist er verheiratet und Vater von vier Kindern. Jeder seiner Auftritte lässt die meisten Probleme der Zuhörer ganz kleinwerden und steigert die Bewunderung, dass einer trotz unglaublich schwerer Startbedingungen fürs Leben so ein positiver Mensch geworden ist.

Zu den weiteren Porträtierten gehören der Extrembergsteiger Reinhold Messner, der visionäre US-Prediger Robert Schuller und der Hirnforscher Gerald Hüther. Autor Klempnauer ergänzt die Lebensgeschichten mit praktischen Artikeln, wie man ein Leben des Erfolges und des Glaubens führen kann. Vorsicht: Die Lektüre könnte bei manchen Lesern eine Überdosis an Motivation hervorrufen!

Marcus Mockler

Ein Wochenende für in der Wirtschaft Tätige ab 58 Jahren (Ü58).

Die einen richten sich auf das Ende des (bezahlten) Arbeitslebens ein, die anderen auf mindestens 20 weitere Arbeitsjahre. Wir arbeiten an den gemeinsamen Fragestellungen…

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