Ethisch investieren – Zwei Finanzunternehmen stehen Rede und Antwort

Wäre die Welt nicht besser, wenn wir unser Geld nur noch in gute Unternehmen und Projekte investierten? „faktor c“ hat bei zwei spezialisierten Finanzunternehmen nachgefragt: bei „MehrWert“ und „7×7“. Die unterschiedlichen Antworten können den Blick dafür schärfen, worauf es bei der ethischen Wertanlage wirklich ankommt.

1. Warum sollten bei der Geldanlage Ökologie und Soziales eine Rolle spielen?

MEHRWERT: Wenn Schöpfung von Wenigen ausgebeutet wird, wenn der Gewinner nur deshalb Gewinner ist, weil Viele zu Verlierern werden, braucht es ein Umsteuern! Dies ist mit gezieltem Geldeinsatz leichter zu erreichen als mit Bewusstseinsbildung. Zwei Positiv-Beispiele mögen dies verdeutlichen: Jeder Unternehmer, der seine Energie selbst mit Erneuerbaren erzeugt, leistet seinen Beitrag zum Klimaschutz und schafft seine eigene Rendite. Jede Unternehmerin in Schwellenländern, die ein Mikrodarlehen erhält, entzieht sich der Ausbeutung und schafft sich eine Perspektive im eigenen Land.

7×7: Ökologie, Ökonomie und Soziales bilden die drei Säulen der Nachhaltigkeit. Geldanlagen sollten daher nicht nur eine finanzielle Rendite erzielen, sondern auch positive Wirkungen für Menschen, Umwelt und Natur.

2. Bringen solche Anlagen weniger Rendite?

MEHRWERT: Auch wenn dies von etlichen Anlegern angenommen wird, kann dies durch Vergleiche und Untersuchungen widerlegt werden. Studien belegen, dass Unternehmen, die unter Nachhaltigkeits-Kriterien wirtschaften, besser abschneiden. Sie haben niedrigere Refinanzierungskosten und weisen ein günstigeres Risiko-Ertragsprofil aus, weil sie in längeren Zeiträumen denken. Sie berücksichtigen Nachhaltigkeitsrisiken, die zunehmend zu Investmentrisiken werden, da die gesetzlichen Vorgaben verschärft wurden (z.B. Reduzierung CO2-Grenzwerte).

7×7: Studien zeigen, dass beispielsweise nachhaltig orientierte Investmentfonds kaum schlechter – oft sogar besser abschneiden. Alternative Kapitalanlagen bieten zudem noch Zinsen oder Ausschüttungen im Bereich von 3 bis 6 Prozent.

3. Welche Anlagen favorisieren Sie, welche lehnen Sie ab?

MEHRWERT: Als MehrWert-Partner arbeiten wir im Investmentbereich mit definierten Nachhaltigkeits-Kriterien und Filtern, die eine sachliche Auswahl ermöglichen und auf unseren Broschüren abgedruckt sind. Dabei favorisieren wir Positiv-Kriterien, um förderliche Wirkungen (neudeutsch: Impact) zu erzielen. Diese Kriterien finden ebenso Anwendung in der Auswahl von Versicherungs-Gesellschaften, in der (Alters-)Vorsorge oder bei unternehmerischen Beteiligungen und Sachwert-Investitionen.

7×7: Wir favorisieren Anlagen im Bereich der produktiven Sachwerte. Dazu zählen wir Immobilien, erneuerbare Energien, nachwachsende Rohstoffe und Beteiligungen an Unternehmen. Unser Ziel für den Anleger ist es, dass er mit der Kapitalanlage so nah wie möglich an den Sachwert herankommt. Mindestens aber soll die Geldanlage durch Sachwertentwicklungen unterlegt sein.

4. Manche Öko-Unternehmen fördern eine Genderpolitik, die von Christen als fragwürdig angesehen wird. Manche Investoren lehnen Engagements in den USA ab, weil dort teilweise die Todesstrafe praktiziert wird. Welche Ethik gilt bei Ihnen?

MEHRWERT: In unseren Kriterien sind im „Stufe 1 Ethik-Filter“ zwölf Ausschlüsse benannt: Verletzung von Menschenrechten; Suchtmittelindustrie; Kinderarbeit; Kontroverses Umweltverhalten; Glücksspiel und Pornographie; Korruption und Bestechung; Fossile Energie-Erzeugung; Waffenherstellung und Handel; Atomstromproduzenten; Zusammenarbeit mit Diktaturen; Nahrungsmittelspekulation sowie Tierversuche. Diese Kriterien werden detailliert angewendet. Für diese Aufgabe konnten wir einen MBA-Absolventen gewinnen, der sich einzig dieser Aufgabe mit Hingabe widmet.

7×7: Bei uns gilt die biblische Ethik, wonach Gott Schöpfer allen Lebens ist. Er hat den Menschen als Mann und als Frau geschaffen, mit dem nachhaltigen Auftrag, die Erde als seine Schöpfung „zu bebauen und zu bewahren“. Auch achten wir Gott als letzten Richter. Die Politik und Gesetzgebung verschiedener Staaten z. B. in der Genderfrage hilft jedoch nicht als Entscheidungskriterium für Investitionen in Unternehmen. Hier brauchen wir verlässliche Fakten, bevor wir über Ausschlusskriterien filtern.

5. Sind bei Ihnen auch schon Anbieter aus dem Portfolio rausgeflogen, weil Zweifel an deren ethischer Ausrichtung aufkamen?

MEHRWERT: Ja selbstverständlich, das gilt für alle Musterportfolien und Vermögensverwaltungs-Strategien, auf die jeder Mehr-Wert-Partner zurückgreifen kann. Aus dem wachsenden Angebot aus Ethik-, Umwelt-, Öko- oder Themenfonds haben wir etwa 50 Fonds in ganz enger Beobachtung, deren inhaltliche Ausrichtung und Detailinvestitionen ständig aktualisiert und bewertet werden. In der MehrWert-Investmentwelt kann sich dabei über unsere Internetseite jeder ein eigenes Bild verschaffen.

7×7: Das kam bisher nicht vor. Wir richten uns derzeit nach den Kriterien des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) bzw. des FNG-Siegels.

6. Wieviel geben Sie von Ihren Gewinnen als Spende weiter – und an wen?

MEHRWERT: Dies erfolgt auf vier Ebenen: Für Neukunden gibt es eine 50:50 Spende von Berater:MehrWert, wobei der Neukunde unter vier Optionen auswählt. Jede abgeschlossene grüne Hausrat- und Privathaftpflicht-Versicherung nährt einen Spendentopf, dessen Verwendung der Partner beschließen kann, der in dem laufenden Jahr die meisten dieser Verträge realisiert hat. Ähnliches gilt für jede abgeschlossene Bio-Agrar-Versicherung, hier werden 10 Prozent des Umsatzes in Projekte von Bio-Landwirten, -Gärtnern und -Winzern gespendet. Beraterinnen und Berater spenden in ganz persönliche Bezugs-Organisationen.

7×7: Bei den Unternehmen der 7×7 Gruppe sind Spenden nicht vorgesehen. In unseren Firmen fördern wir aber eine Kultur der 7-fachen Rendite, zu der auch die karitative gehört. Ebenso motivieren wir unsere Kunden, Anleger und Investoren zu spenden. Mit unserer 7x7lebenswert-Stiftung bieten wir zudem Spendenprojekte, deren Wirkung wir anhand der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) nachvollziehbar machen.

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