Die Welt verbessern – mit Rendite – Warum Impact Investment zukunftsfähig ist

Kapitaleinsatz für christlich-soziale Projekte können sich lohnen. Impact Investment nennt sich dieses Modell, bei dem Geld gezielt in die Verbesserung des Lebens und der Gesellschaft gesteckt wird. Die Hoffnungsträger Stiftung hat damit faszinierende Erfahrungen gemacht.

 

Hätte mich vor einigen Jahren jemand gefragt, was Impact Investment (deutsch: „Wirkungsorientiertes Investieren) ist, dann hätte ich mit den Schultern gezuckt. Mich hätte das nicht weiter interessiert. Theorien zu Investitionen und deren Output auf den Betrieb habe ich mir bereits in den 90er Jahren in meinem Ökonomiestudium angehört. Impact Investing – ist das wieder eines dieser Buzzwords, die aus den USA zu uns über den Teich gekommen sind?

 

Nach über sieben Jahren Beschäftigung mit diesem Thema sehe ich das anders.  Ende 2013 – ich war gerade Stiftungsvorstand der Hoffnungsträger geworden – traf ich den visionären Jugendevangelisten Thorsten Hebel. Er wollte nicht mehr „nur“ predigen, sondern auch den Glauben im Alltag praktisch werden lassen. Konkret: Eine große Kita im Problemviertel in Berlin-Lichtenberg sollte gebaut werden, Kostenpunkt zwischen drei und vier Millionen Euro.  Als Hoffnungsträger Stiftung versprachen wir ihm Unterstützung. 

 
Spenden alleine reicht nicht

 

Die Idee war klasse, aber diese hohe Summe zu spenden kam keinesfalls in Frage. Am Ende eines längeren Prozesses stand die Lösung: Wir kauften 2014 das Grundstück von der Stadt Berlin und bauten das Gebäude, die „Blu:Boks“ – eine Kita mit tollen Räumen. Der für uns letzte Schritt bei diesem Investment erfolgte 2020 mit dem Verkauf an die inzwischen etablierten Betreiber.

 

Was ist aus meiner Sicht daran „Impact“? Wir haben im christlich-sozialen Bereich etwas ermöglicht, das ohne unser Investment sicher nicht zustande gekommen wäre. Keine Bank und kein Investor waren bereit, diesem Team für das Vorhaben im Jahr 2014 so viel Geld zu leihen oder es ihnen zu schenken.

Fazit: Durch unser Investment erfahren Hunderte von Kindern eine geniale christliche werteorientierte Prägung und Erziehung in der „Blu:Boks“ Berlin.  Durch die monatlichen Mieterträge hat Hoffnungsträger eine Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielt und gleichzeitig eine innovative Kita mit Jugendzentrum in einem sozialen Brennpunkt in Berlin ermöglicht. Impact Investing = Rendite und christlich-soziale Wirkung!

 

Wo keine Bank Geld gibt

 

Nach dieser ersten Erfahrung, bei der wir zugegebenermaßen auch einiges an Lehrgeld bezahlt haben, wurden weitere Optionen des Impact Investments erprobt. So haben wir in den vergangenen Jahren einigen Werken über temporäre Darlehen, die ihnen keine Bank gegeben hätte, den Start neuer Programme, den Bau oder Kauf von Immobilen oder eine Strukturanpassung von Organisationen möglich gemacht. Ich bin der Meinung, dass eine christliche Organisation für den Bau oder Kauf einer Immobilie nicht zwangsläufig eine Spende erhalten muss. Die Immobilie ist langfristig vorhanden und wirft Erträge ab. Warum also nicht als Investor auftreten und das Geld erstmal nur verleihen oder eine Immobilie vermieten.

 

Ein weiteres Beispiel: Wir haben mit anderen Stiftungen zusammen einen Fonds aufgelegt, damit die Losgrößen für jeden Beteiligten überschaubar bleiben. Der Fonds hat über mehrere Jahre in Bildungsprojekte investiert. Die Auswahl der Projekte erfolgte gemeinsam. Verwaltet wurde der Fonds von einem professionellen Fondsmanagement, so dass wir als Investoren den Fokus auf die Auswahl der Projekte legen konnten. Investiert haben wir in innovative Bildungskonzepte in Kitas, in eine Gesellschaft für ökologische naturnahe Bildung und in eine Firma, bei der Menschen mit Handicap Computer recyceln.

 

Innovativ mit Hoffnungshäusern

 

Der größte Schritt erfolgte dann 2016.  Inspiriert von der Idee, Menschen mit Fluchthintergrund eine Heimat mit Anbindung an ein integratives und soziales Konzept zu bieten, haben wir die Idee der Hoffnungshäuser entwickelt und umgesetzt. Ein Wohnkonzept als Impact Investment. Geflüchtete und Einheimische leben unter einem Dach: Menschen erfahren praktische Nächstenliebe, reden über ihre Religion, erleben gelebtes Christsein und teilen vor allem den Alltag miteinander.

 

Die Miete der Bewohner finanziert das Objekt und wirft noch einen Ertrag für die inhaltliche Programm-Arbeit im Haus ab. Und das, obwohl die Mieter eine deutliche reduzierte Miete (in Baden-Württemberg aktuell nach Landeswohnraumförderung minus 33 Prozent zur vergleichbaren Neubaumiete) bezahlen. Die intensive inhaltliche Arbeit mit und für die Bewohner wird zusätzlich aus Spenden und Erträgen der Hoffnungsträger Stiftung finanziert. Ein Beispiel für Impact Investing durch Investition in bezahlbares Wohnen. Ein Bereich mit erheblichem Potential für weitere Investitionen.

 

Vom Investor zum Unternehmer

 

Impact Investment braucht allerdings zunächst ein passendes Konzept oder in diesem Fall eine Immobilie. Für uns war klar: Wenn wir bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen, der zusätzlich eine Rendite für die inhaltliche Arbeit abwerfen soll, dann muss der Preis für die Immobilie unter den Kosten sonstiger Neubauten liegen. Um das umzusetzen, sind wir selbst unternehmerisch aktiv geworden:  wir haben nach unseren Vorstellungen ein Holzsystemhaus entwickeln lassen, das wir kontinuierlich optimieren.  

 

Wir sind, betrachtet man nur diesen Teilaspekt, inzwischen mittelständischer Immobilienentwickler und Bauherr geworden und können die gegenüber anderen Lösungen eingesparten Kosten direkt in die Programmarbeit investieren. Hoffnungsträger ist also nicht nur Investor, sondern auch Entwickler, Bauherr und Betreiber. Zwei gesellschaftliche Herausforderungen werden dadurch angegangen: Schaffung von langfristig bezahlbarem Wohnraum und Integration von Menschen mit Flucht-/Migrationshintergrund.

 
Klimaschutz schafft Arbeitsplätze

 

Ein letztes Beispiel: der „Arbaro-Fund“. Ziel ist die nachhaltige Veränderung von Klima und Arbeitsbedingungen in weniger entwickelten Ländern. Der „Baum-Fonds“ investiert in nachhaltige Forstwirtschaftsprojekte in Lateinamerika, dem karibischen Raum und in Afrika südlich der Sahara. Das erfolgt durch nachhaltig bewirtschaftete Forstplantagen, die durch das Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert sind. Der Fonds trägt damit in den verschiedenen Ländern erheblich zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Anpassung an seine Folgen bei. Während seiner Laufzeit will der Fonds 20 Millionen Tonnen CO2 binden. Gleichzeitig werden Arbeitsplätze für die Bewirtschaftung der Forstbestände in den jeweiligen ländlichen Regionen geschaffen und tragen so zu Erhöhung der Beschäftigung in diesen Ländern bei. Darüber hinaus erhalten die Investoren eine Rendite auf ihr eingesetztes Kapital.

 

Diese Beispiele zeigen, dass Impact Investing nicht mehr nur eine visionäre Idee einer kleinen Gruppe von Innovatoren ist. Es ist ein inzwischen vielschichtiger, weltweiter Milliardenmarkt mit großem Wachstumspotential und hoher Dynamik. Der entscheidende Paradigmenwechsel zur Vergangenheit ist, dass Rendite und Wirkung keine Gegensätze mehr darstellen, sondern gleichzeitig verwirklicht werden können. Wo bisher entweder Rendite oder Spende im Fokus stand, lässt sich nun beides verbinden.

 

Es wäre allerdings zu einfach zu sagen, dass dies in allen Bereichen möglich ist und Spenden damit nicht mehr notwendig wären. Impact Investing ist ein Baustein bei der Behebung sozialer Missstände unter Beibehaltung einer Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Impact Investing kann aber nur in den Bereichen des sozialen Sektors eingesetzt werden, bei denen überhaupt Erträge erzielt werden können.  Bei der Bewältigung von Katastrophen und Hungersnöten oder der Bekämpfung von Seuchen (um nur einige Beispiele zu nennen) wird es auch künftig notwendig sein, über Spenden anderen Menschen zu helfen.

 

Worst Case: Abschreibung

 

Kreative Ideen, wie durch unternehmerisches Handeln in Deutschland oder weltweit Not gelindert werden kann, Arbeitsplätze geschaffen werden und trotzdem das investierte Geld verzinst zurückbezahlt wird, sind ein wichtiger Aspekt für die Veränderung dieser Welt. Warum nicht auch mit Impact Investment Immobilien in Entwicklungsländern bauen und über solide Strukturen wieder refinanziert bekommen? Warum nicht in innovative Ideen investieren, statt das Geld gleich zu spenden? Im Worst-Case muss es abgeschrieben werden, bei einer Spende wäre das sofort der Fall gewesen.

 

Für Investoren, die nicht in Einzelprojekte investieren wollen oder können, bieten sich Impact-Fonds- Lösungen an. Wie in anderen Fondsstrukturen verteilen sich große Investitionsvorhaben so auf viele Investoren. Der Markt dafür wächst. Auch so können bezahlbarer Wohnraum und andere gesellschaftlich notwendige Veränderungen finanziert werden. Fehlendes Marktverständnis und Intransparenz sind die Herausforderungen für die weitere Entwicklung des Impact Investment Markts in Deutschland.

 

 

 

Von Marcus Witzke

 

Marcus Witzke, Jahrgang1969, ist Diplomökonom und seit 2013 Vorstand der Hoffnungsträger Stiftung in Leonberg bei Stuttgart. Vorher war er Geschäftsführer des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg und davor Geschäftsführer einer Beratungsgesellschaft für Existenzgründungen und internationales Projektmanagement. Beim Kongress christlicher Führungskräfte (17. – 19. Juni in Leipzig, www.kcf.de) wird er ein Hauptreferat zum Thema Impact Investment halten.

https://hoffnungstraeger.de/

https://bundesinitiative-impact-investing.de/

 

Aus dem faktor c Magazin 01/2021

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