Die Gedanken sind frei – WIRKLICH?

Den Mut zum Innhehalten entdecken

 

Von Monika Bylitza

Es gibt Tage, da geht bei mir gar nichts. Passiert Ihnen das auch gelegentlich, dass Sie den Morgen noch gut gelaunt beginnen, aber nach drei Stunden merken, dass Sie nichts, aber auch gar nichts geschafft haben? Und das wird auch nach fünf Stunden nicht besser!

Ich bin wirklich froh, dass ich solche Tage nicht häufig erlebe. Es fühlt sich an, als wäre mein Gehirn mit Kaugummi verklebt und verweigert mir jede Form von Kreativität und Leistung. Von wegen „die Gedanken sind frei“, Herr von Fallersleben. Dieses Volkslied kann mich in einen stundenlangen Dauerwahnsinn treiben und lädt mich zu chronischem Klagen und Jammern ein.

 

Den Strom der Gedanken unterbrechen

Dann hilft nur noch bewusstes Innehalten. Ich habe eine Übung gefunden, die zu einem Haltepunkt für meine Seele geworden ist. Der schwierigste Schritt für mich ist, meine Selbstbeherrschung aufzugeben, die mich in Verbindung mit meiner Disziplin nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich brauche einen Ort, an dem ich mit taktvoller Zurückhaltung und wertschätzender Aufmerksamkeit meine Gedanken loslassen kann.

 

Der leere Stuhl am Krankenbett

Die Geschichte eines Priesters, der einen sehr kranken Mann besucht berührt mich sehr. Er sieht neben dem Krankenbett einen leeren Stuhl stehen und möchte wissen, warum der Stuhl neben dem Bett stünde. Der Kranke berichtet mit Tränen in den Augen, dass er viele Jahr nicht beten konnte bis ihm ein Freund erklärte, dass Beten nichts anderes sei, als mit Jesus ein Gespräch zu führen. Der Freund stellte den Stuhl neben sein Bett und sagte zu ihm: „Stell dir vor, Jesus würde dich besuchen und an deinem Bett sitzen. Sprich mit ihm und höre seinen Worten zu.“ Auf einmal hatte der Kranke keine Schwierigkeiten mehr beim Gebet. Einige Tage später starb er und seine Tochter berichtete dem Priester, dass der Kopf des Vaters nicht auf dem Kopfkissen lag, sondern auf dem Stuhl neben seinem Bett.

 

Gedankenstress in 4 Schritten auflösen

Es gibt viele Methoden, Gedanken zu sortieren, um neue Wege zu finden. Ich wage die Übung mit dem leeren Stuhl immer dann, wenn sich das bereits erwähnte Kaugummi in meinem Gehirn breit gemacht hat. Wenn ich in dieser Übung verweile, bete ich das Vaterunser und suche den Blickkontakt mit Jesus. Selbstverständlich können Sie sich auch eine andere Person vorstellen, mit der sie kommunizieren möchten. Als bekennende Christin ist für mich aber der Blick auf Jesus sehr vertraut.

 

Vier Schritte können Ihnen helfen:

 

  1. Sitzen sie still und entspannt oder legen sie sich gelassen aufs Sofa.
  2. Schließen sie die Augen und stellen sich den Stuhl vor, auf dem eine Person ihres Vertrauens sitzt – bei mir ist das Jesus Christus.
  3. Formulieren Sie ein Gebet, ein Wort oder einen Gedanken immer wieder.
  4. Wenn andere Gedanken auftauchen, schieben Sie diese Ablenkung zur Seite und kehren zu Ihren gewählten Worten zurück.
  5. Verweilen Sie 20 Minuten. Bleiben sie passiv. Überlegen sie nicht, ob die Übung gelingt und ob sie gut genug sind. Öffnen sie die Augen und nehmen eine wohlwollende und selbstachtende Haltung ein. Strecken sie sich und gehen zurück in den Alltag.

 

Mir gibt diese Übung Kraft zur Bewältigung meiner Aufgaben und fördert den Wunsch, meine inneren Bedürfnisse mit den äußeren Anforderungen in Einklang zu bringen.

Meine wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Erst geht es um die Seele, dann um das Thema.
  2. Es sind die kleinen Gedanken, die den großen Unterschied machen.
  3. Neugier und Sehnsucht sind ein behutsamer Ratgeber.

 

Ob sie es glauben, oder nicht. Mittlerweile gelingt es mir, in Kleinigkeiten lockerer zu sein, und vielleicht schaffe ich es in Zukunft, meinen Perfektionismus zu verkleinern. Das wird eine spannende Reise mit schönen Gedanken und befreiten Perspektiven. Bis dahin werde ich den leeren Stuhl noch oft in Anspruch nehmen.

 

Guten Morgen, Welt!

 

 

Ein Wochenende für in der Wirtschaft Tätige ab 58 Jahren (Ü58).

Die einen richten sich auf das Ende des (bezahlten) Arbeitslebens ein, die anderen auf mindestens 20 weitere Arbeitsjahre. Wir arbeiten an den gemeinsamen Fragestellungen…

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