„Der Sonntag gehört der Familie und der Kirche“

Bei Edeka-Rentschler gehen Glaube und Geschäft Hand in Hand

 

Eine Familie, demnächst zwölf Lebensmittelmärkte – das ist die Geschichte der Familie Rentschler aus dem Nordschwarzwald. Die Bibel, schwäbischer Fleiß und Gottvertrauen haben durch schwere geschäftliche Entscheidungen und durch Krankheiten getragen. Heute steht das Unternehmen glänzend da – und beherbergt in seiner Verwaltungszentrale eine Freikirche.

Von Marcus Mockler

 

Adam Rentschlers Familie war die ärmste im Dorf. In Kindertagen traute man den Rentschlers in dem Dorf Bösingen bei Freudenstadt wirtschaftlich nichts zu. Das Haus, in dem die Mutter einen Laden betreiben wollte, stellte der Besitzer nicht zur Verfügung, weil er an der regelmäßigen Mietzahlung zweifelte.

Heute zählt die Familie Rentschler zu den Spitzenunternehmern Baden-Württembergs. Sie betreibt in einem Radius von 30 Kilometern im Nordschwarzwald elf Edeka-Märkte, die Eröffnung des zwölften steht kurz bevor. Mit 600 Mitarbeitern setzt die Gruppe pro Jahr rund 100 Millionen Euro um.

 

Gebet im Ehebett

 

Es ist eine Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte. Für den 72-jährigen Adam Rentschler ist es aber viel mehr eine Erfahrung von Segen und Gebetserhörungen. „Man muss Gott jeden Tag um Gnade, Kraft und Weisheit bitten“, sagt er. Er selbst praktiziert das schon am Morgen, bevor er das Bett verlässt. Seit 49 Jahren ist er mit seiner Gerda verheiratet, in diesem Jahr feiern sie Goldene Hochzeit. Vor dem Aufstehen lesen sie gemeinsam einen Abschnitt in der Bibel und beten zusammen. Da wird jeder einzelne Mitarbeiter immer wieder vor Gott genannt und um himmlische Hilfe gebeten.

Adam Rentschler ist es seit Kindheitstagen gewohnt, mit der Bibel umzugehen und mit Gott zu sprechen. „Wir haben uns immer an die Zusagen Gottes gehalten“, erinnert er sich. Und so sei es auch wirtschaftlich Stück für Stück besser geworden.

Geprägt hat ihn eine freie Gemeinde des Mülheimer Verbandes. Der Verband war damals an mehreren Orten im Kreis Freudenstadt vertreten, heute gibt es nur noch die Christus-Gemeinde in Bösingen. Sie trifft sich sonntags zum Gottesdienst in einem Seminarraum der Verwaltungszentrale von Edeka-Rentschler. Eine Zeitlang hatte sie einen hauptamtlichen Pastor, derzeit übernehmen freie Prediger die Verkündigung der biblischen Botschaft. Wenn werktags eine betriebliche Fortbildung im Seminarraum stattfindet, pilgern alle Teilnehmer am Altartisch mit Bibel und Kreuz vorbei – und sehen, dass es in der Betriebsleitung noch andere Werte gibt als Umsatzzahlen und Sonderangebote.

 

„Wechsle zu Edeka“

 

Der Weg in den Lebensmittelhandel war steinig. Die Mutter hatte in einem Bösinger Laden geputzt und Ware nachgefüllt. Als die Pächter sich mangels ausreichender Erträge wieder aus dem Dorf verabschiedeten, wollten sie das Geschäft an die fleißige Mitarbeiterin übergeben. Doch der Vermieter spielte aus den genannten Gründen nicht mit. Glücklicherweise konnte sie im eigenen Haus eine Verkaufsfläche schaffen – das war der Start vor 60 Jahren.

Die ersten 40 Jahre arbeiteten die Rentschlers unter der Flagge von Rewe, seit 20 Jahren kooperieren sie mit Edeka. Antrieb für den Wechsel war die Weigerung der damaligen Rewe-Leitung, der Familie weitere Filialen zu übergeben. Die hätte man im Hause Rentschler aber gebraucht, da sich die drei Töchter und der Sohn entschieden hatten, ebenfalls mit dem Einzelhandel ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Für Vater Adam war der Schwenk zu Edeka dann allerdings auch eine geistliche Erfahrung. „Ich habe in meinem Bett eine Stimme gehört, die sagte: ‚Wechsle zu Edeka‘.“ Und dem sei er damals mit drei Märkten gefolgt.

Bei Edeka handelt es sich nicht um ein Franchise-Modell, die Familie ist selbstständige Unternehmerin. Das heißt: Sie trägt das volle wirtschaftliche Risiko, kann aber auch mehr Entscheidungen treffen. Diesen Spielraum nutzen die Rentschlers weidlich aus. Inzwischen hat der 48-jährige Sohn Rainer die Führung übernommen. Auch die drei Töchter von Adam und Gerda Rentschler arbeiten im Unternehmen mit, obwohl sie nach Angaben des Vaters nie dorthin gedrängt worden seien. Als Christen zeigen sie in der Business-Welt an verschiedenen Stellen Kante. So haben sie aus dem Zeitschriftensortiment alle Magazine mit freizügigen sexuellen Inhalten verbannt. Die Grossisten mochten diese Einschränkung nicht, doch die Rentschlers setzten sich durch.

 

Sonntags bleibt alles dicht

 

Auch bei den Öffnungszeiten geht Edeka-Rentschler eigene Wege. Sonntags bleibt alles zu – auch die Bäckereiabteilungen, die sich unter dem Dach der Märkte befinden. „Der Sonntag gehört der Familie und der Kirche“, sagt Adam Rentschler. Werktags haben die Häuser zwölf Stunden offen. „Von acht bis acht, das muss reichen“, findet Rainer Rentschler. Damit steht sein Verbund gegen die Konzernzentrale, die flächendeckend die Öffnung bis 21 Uhr favorisiert. Die Rentschlers denken dabei aber an ihr Team. Wenn um 20 Uhr Schluss ist, können Eltern noch Kinder zu Bett bringen oder etwa eine Geburtstagsbesuch machen. Eine Stunde später sei das häufig nicht mehr möglich. Die Resonanz auf die Entscheidung war entsprechend positiv. „Endlich ein Chef, der sich um seine Mitarbeiter kümmert“, habe es geheißen, sagt Rainer Rentschler.

Das Selbstbewusstsein kann sie sich die christliche Unternehmerfamilie auch deshalb leisten, weil sie erfolgreich wirtschaftet. „Wir hatten immer bessere Zahlen als der Edeka-Durchschnitt“, erinnert sich Adam Rentschler. Eine der Ursachen dürfte die radikale Kundenorientierung sein. So gilt die Regel, sofort eine neue Kasse aufzumachen, sobald drei Kunden an einer Kasse warten. „Die Menschen wollen bei uns einkaufen und nicht in einer Schlange stehen“, erklärt Rainer Rentschler dieses Prinzip.

Auf der Internetseite wird als eines von sechs Markenzeichen der Firma genannt: „Handeln nach christlichen Werten wie menschliches Miteinander, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit.“ Adam Rentschler möchte nach eigenen Worten „so leben, dass die Leute fragen, warum bei uns manches anders ist als anderswo“. Dieses Anderssein werde ihm auch von Mitarbeitern und Lieferanten immer wieder bestätigt.

 

„Berufsfaulenzer“ müssen gehen

 

Allerdings bringt das christliche Bekenntnis manchmal auch Druck – insbesondere, wenn man sich von Mitarbeitern trennen muss. Vor dem Arbeitsgericht habe er schonmal von der Gegenpartei den Spruch gehört „Und so einer will Christ sein“, gibt Adam Rentschler zu. Dabei hat er klare Grundsätze: Jeder bekomme die Chance, sich in seiner Leistung zu verbessern. Bei „Berufsfaulenzern“ müsse man allerdings einschreiten. Es habe nicht zuletzt negative Auswirkungen auf das Team, wenn man Leistungsverweigerer einfach gewähren lässt, findet er. Der Firmenslogan heißt nicht zufällig „Miteinander – füreinander – gemeinsam unschlagbar“.

Anders als viele Zeitgenossen sind die Rentschlers auch im Umgang mit Krankheit. Vater Adam erlitt vor acht Jahren einen Schlaganfall. Im Kopf und im Sprechzentrum wurde alles wieder heil, aber die linke Körperhälfte macht sich bis heute durch ein unangenehmes Taubheitsgefühl bemerkbar. Er wisse es inzwischen umso mehr zu schätzen, dass er jeden Morgen aufstehen und arbeiten könne, erklärt er.

 

Überraschende Krebsdiagnose

 

Bei Sohn Rainer wurde kurz vor Ostern 2021 nach einer Routineuntersuchung überraschend ein 18 Zentimeter großer Tumor im Darm entdeckt, den er nicht gespürt hatte. Operation und Chemotherapie knockten ihn für einige Wochen aus. In eine Glaubenskrise habe ihn das nicht gestürzt, sagt er. „Ich habe mir abgewöhnt zu fragen: Warum? Ich frage lieber: Wozu?“ Er habe aus der Erfahrung der Krankheit gelernt, zur Ruhe zu kommen und die Arbeit nicht immer an die erste Stelle zu setzen. Das Delegieren von Verantwortung an Mitarbeiter funktioniere seit seiner Auszeit besser. Sein Blick dafür, Überlastung in seinem Team und bei seinen Führungskräften zu vermeiden, sei geschärft worden.

Bei so viel angeschlagener Gesundheit konnte man sich im Haus nicht zur Corona-Impfung entschließen. Mit dem Ergebnis, dass kurz vor Weihnachten das Virus die ganze Familie infizierte. Alle hatten nach eigenem Bekunden aber nur leichte Symptome und genießen nun für ein halbes Jahr die Freiheiten, die Genesenen in Baden-Württemberg zuteil werden.

Die Rentschler-Edeka-Märkte fördern regelmäßige christliche und soziale Vereinigungen. So gibt es in jedem Markt die Leergut-Bon-Aktion, die etwa den „Biblischen Rundwanderweg Waldachtal“, den Diakonieverein Gäufelden oder das Hospiz in Nagold finanziell unterstützt. Gefördert wird auch der Verein für krebskranke Kinder in Tübingen, damit betroffene Eltern in der Nähe ihrer erkrankten Töchter oder Söhne preisgünstig übernachten können. Außerdem bezahlt die Firma den TV-Sender Anixe dafür, dass er den wöchentlichen Fernsehgottesdienst „Stunde des Höchsten“ mit dem württembergischen evangelischen Pfarrer Heiko Bräuning überträgt.

 

In jedem Markt eine Eisenbahn

 

An Ideen für eine Weiterentwicklung des Unternehmens mangelt es den Rentschlers nicht. Für einen neuen Markt brauchten sie zwingend einen Partner eine Drogeriekette. Doch keiner der bekannten großen Namen wollte sich darauf einlassen, da es in räumlicher Nähe bereits Filialen gibt. Wie haben die fleißigen Schwaben das Problem gelöst? Sie haben unter dem Namen „Drogerie & mehr“ einen eigenen Laden aus der Taufe gehoben. Auch hier sind die Umsatzzahlen so gut, dass möglicherweise weitere Drogerie-Märkte folgen werden.

Und manchmal machen sie in der Familie aus der Not auch eine Tugend. Rainer Rentschler wollte sich ursprünglich im Mehrparteienhaus der Familie einen Raum für seine Modelleisenbahn einrichten. Dann bekam er von Gott die klare Weisung, diesen Raum für Andachten und Gebet zur Verfügung zu stellen. Also stellt er seine Eisenbahn in Märkten aus. Inzwischen hat jeder Markt in der Nähe der Metzgerei eine Eisenbahn – und die Kinder drängen ihre Eltern, dort einzukaufen, wo sie den fahrenden Lokomotiven zuschauen können. Die Kleinen haben Spaß, die Eltern beim Einkaufen ihre Ruhe – und Rentschlers einen willkommenen Umsatz.

 

Internet: www.edeka-rentschler.de

 

 

MUT2024 – Be prepared!

 

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