Ignaz Semmelweis war ungarischer Arzt und Wissenschaftler und führte Mitte des 19. Jahrhunderts am Allgemeinen Krankenhaus in Wien Hygienevorschriften ein, die die mütterliche Sterberate, Kindbettfieber“ genannt, von 18 % auf 2 % senkte. Semmelweis, der „Retter der Mütter“, wurde zum Pionier antiseptischer Praktiken, die heute gang und gäbe sind.

Doch damals nahmen viele Mediziner daran Anstoß, dass die Hände eines „Gentleman“ infektiös sein könnten. Sie lehnten die Veränderung ab und machten weiter wie zuvor. Glücklicherweise wurde die Weisheit des „Vaters der Handhygiene“ nicht ewig ignoriert und die Todesrate bei Geburten drastisch reduziert.

Viele große Errungenschaften wurden zunächst abgelehnt, weil sie nicht dem Gewohnten entsprachen. Dieses Verhalten wird als „Semmelweis-Reflex“ bezeichnet.

Auch im Geschäftsleben ist das zu sehen. Vielleicht haben Sie selber schon ähnlich reagiert. Veränderung macht uns nichts aus, wenn wir sie selber herbeiführen, doch wenn uns signifikante Änderungen auferlegt werden, kann es vorkommen, dass wir blockieren und uns beschweren: „Aber das war doch immer so!“

Dies ist beispielsweise bei neuen Technologien der Fall. Viele lehnten die Einführung der Mobiltelefone ab, nicht nur aufgrund der Kosten, sondern auch, weil sie sie nicht gewohnt waren. Ein befreundeter Autor lehnte zunächst einen PC ab, weil „es seine elektronische Schreibmaschine auch noch tue“. Doch als er es mit dem Computer probierte, änderte er seine Meinung sehr schnell.

In der Bibel sehen wir viele Beispiele für Widerstand gegenüber Veränderungen, vor allem unter den Pharisäern und Sadduzäern, religiöse Führer, die rigide und hartherzig waren. Sie wussten nichts vom „Semmelweis-Reflex“, benahmen sich aber, als hätten sie ihn erfunden.

In den Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes finden wir viele Beispiele, wie diese „Gesetzesexperten“ dem Dienst und den Lehren von Jesus Christus starken Widerstand entgegenbrachten. Jesus war für sie ein Radikaler und ein Unruhestifter, eine Bedrohung der religiösen Praktiken und Rituale, für die sie eintraten.

Sie lehnten Seine Lehre der Reue, Vergebung und Barmherzigkeit ab und klagten ihn an. Daraufhin erwiderte Jesus zum Beispiel: „Ihr Schlangenbrut! Wie könnt ihr durch und durch bösen Leute überhaupt etwas Gutes reden?“ (Mt. 12,34). Oder Er wies sie aufgrund ihrer Heuchelei zurück: „Ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr der Hölle entrinnen, zu der Gott euch verurteilen wird?“ (Mt. 23,33).

Doch zu Seinen Jüngern sprach Jesus: „Ihr könnt euch wirklich glücklich schätzen, dass ihr dies alles seht und erlebt.“ (Lk. 10,23). Dies ist vor allem wichtig, wenn es um geistliche Wahrheit geht, aber auch bei Veränderungen in der Geschäftswelt. Wenn frische neue Ideen eingeführt werden, sollten wir versuchen, das zu sehen, was der Herr sieht.

Gott weiß um unsere Umstände. Diese Sicherheit finden wir in Sprüche 3,5-6: „Verlass dich nicht auf deinen eigenen Verstand, sondern vertraue voll und ganz dem Herrn! Denke bei jedem Schritt an ihn; er zeigt dir den richtigen Weg und krönt dein Handeln mit Erfolg.“

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Aus „UBN Integrity Moments“, eine Kommentarreihe über Ehrlichkeit am Arbeitsplatz aus christlicher Sicht.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.