Dorothee Schwertfeger – Unternehmerin, Christin, Brückenbauerin
Dorothee Schwertfeger aus Eisenach (Thüringen), 44 Jahre, verheiratet, Vorstandsmitglied von faktor c, ist es gewohnt, Spannungen auszuhalten. Zwischen Ost und West, Wirtschaft und Werten, Verantwortung und Zuhören. Als Dipl.-Betriebswirtin führt sie mit ihrem Bruder in 5. Generation das deutschlandweit agierende Familienunternehmen Innenausbau Schwertfeger und engagiert sich ehrenamtlich auf verschiedensten Ebenen für die Gesellschaft.
Für eine Betriebswirtin ungewöhnlich: mit 30 studiert sie Soziale Arbeit. Und das prägt ihren unternehmerischen Stil bis heute.
Kirche als kleine aber starke Gemeinschaft in der DDR
Geboren 1981 in Eisenach, erlebt Dorothee Schwertfeger die erste Zeit ihrer Kindheit in der DDR. Christlicher Glaube, den ihre Familie praktiziert, fordert eine klare Haltung. Denn Benachteiligung durch das DDR-Regime für engagierte Christen gibt es immer wieder. Daher lebt die Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche, zu der ihre Familie gehört, ihren Glauben klar und aufrecht aber nicht offensiv, in einer kleinen aber starken Gemeinschaft.
„Wir haben eher in einer kleinen Gruppe als Christen gelebt. Christsein war nicht sichtbar, nicht selbstverständlich und brauchte Mut.“
Auch nach der Wiedervereinigung empfindet Dorothee Schwertfeger Glauben zunächst als etwas, das Mut erfordert. Aber das ändert sich. Als Mitglied des Vorstandes von faktor c lebt die Diplom-Betriebswirtin diesen Glauben schon lange ganz bewusst sichtbar für alle.
Unternehmen mit wechselvoller Geschichte
Und noch etwas unterscheidet ihre Geschichte von einer typischen DDR-Biografie. Das Familienunternehmen Innenausbau Schwertfeger. Es existiert seit 1902 und übersteht als Produktionsgenossenschaft auch die DDR. In fünfter Generation leitet Dorothee Schwertfeger seit 2016 gemeinsam mit ihrem Bruder Jan-Albrecht das renommierte Unternehmen. Heute beschäftigt der Betrieb rund 30 Mitarbeitende, ist bundesweit tätig und fertigt sogenannte Funktions- und Objektmöbel für Arztpraxen und Krankenhäuser, für Bürolandschaften und für die gehobene Gastronomie.
Produkte an prominenten Orten
Besondere Aufmerksamkeit erregen dabei auch prominente Auftraggeber. Der Innenausbau der DFB-Akademie in Frankfurt am Main gehört ebenso dazu wie der der Hessische Landesvertretung in Berlin. Für einen Betrieb aus Thüringen sind das nicht nur prestigeträchtige Referenzen, sondern auch ein Zeichen gelebter gesamtdeutscher Normalität, die aber erst wachsen musste.
„Heute ist es für uns ganz normal, in ganz Deutschland zu arbeiten – auch wenn das früher als ‚Ost baut für West‘ beschrieben wurde.“
Zahlen sind nicht alles, Menschen schon
Nach dem Abitur entscheidet sich Dorothee Schwertfeger zunächst für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, das sie mit einem Diplom abschließt – eine „pragmatische Entscheidung“, wie sie sagt. Zahlen, Controlling und Organisation liegen ihr. Doch im Alter von ca. 30 kommt eine Phase der Neuorientierung. Sie spürt, dass ihr etwas fehlt, und so beginnt sie ein zweites Studium, ungewöhnlich für eine Unternehmerin: Soziale Arbeit.
Beruflich bleibt sie zwar im Unternehmen, doch der Perspektivwechsel wirkt nachhaltig. Besonders in der Personalführung profitiert sie bis heute von dieser zweiten inhaltlichen Ausrichtung.
„Ich habe gemerkt, dass ich gern mehr mit Menschen arbeiten möchte – nicht nur mit Zahlen.“
Führung als Beziehung
Im Alltag ihres Unternehmens setzt Dorothee Schwertfeger seitdem vor allem auf Teamarbeit, Augenhöhe und Wertschätzung. Führung basiert für sie nicht auf einer Ansammlung von Dienstanweisungen, sondern auf Beziehung mit den Mitarbeitenden.
„Führen heißt für mich nicht Machtausübung, sondern beginnt mit Zuhören.“
Gerade in einem Familienunternehmen spüre man sofort, wenn Mitarbeitende Sorgen haben – beruflich oder privat.
„Zuhören hilft, fair zu bleiben, nicht vorschnell zu urteilen und den eigenen Druck nicht ungebremst „nach unten“ weiterzugeben.“
Dieser Ansatz prägt auch ihren Umgang mit unterschiedlichen Generationen, von erfahrenen, altgedienten Handwerkern bis hin zu den jungen Auszubildenden der Generation Z.
„Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Meine Aufgabe ist es, die Stärken zu sehen und zur Entfaltung zu bringen.“
Engagement über das Unternehmen hinaus
Schwertfegers Engagement endet nicht am Werkstor. Zehn Jahre lang ist sie Mitglied des Stadtrats von Eisenach, arbeitet in verschiedenen Gremien und Aufsichtsräten, engagiert sich in ihrer evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde und im Vorstand des Handball-Bundesligisten ThSV Eisenach. Zudem ist sie Vorstandsmitglied von faktor c – Christen in der Wirtschaft.
Diese Vielzahl an Rollen empfindet sie nicht als Belastung, sondern als Chance zur Vermittlung zwischen verschiedenen Bereichen in der Gesellschaft.
„Ich habe gelernt, Spannungen auszuhalten und im Gespräch zu bleiben – auch dort, wo es schwierig wird.“
Christliche Werte im Wirtschaftsalltag
Ihr Glaube ist für Dorothee Schwertfeger kein Zusatz, sondern Fundament. Er prägt ihr Menschenbild, ihren Führungsstil und ihren Umgang mit Verantwortung. Wirtschaftlicher Erfolg und christliche Werte sind für sie kein Widerspruch – aber auch kein Selbstläufer.
„Wertschätzung, Ehrlichkeit und Vergebung sind keine theoretischen Begriffe, sondern tägliche Übung.“
Gerade in Krisenzeiten – etwa während Corona oder angesichts steigender Energiepreise – zeige sich, wie tragfähig dieses Ethos ist. Kündigungen konnte das Unternehmen bislang vermeiden.
Mit Gottes Hilfe auf neue Gegebenheiten eingehen
Am Ende des Gesprächs auf Hope TV bringt Dorothee Schwertfeger ihre Haltung gegenüber Moderator Michael vom Ende in einem Satz auf den Punkt – schlicht, persönlich und konsequent:
„Ehrlich zu sich selbst sein und zu Gott, sich immer wieder reflektieren, sich verändern lassen – und auf neue Gegebenheiten einzugehen. Mit Gottes Hilfe.“
Ein Satz, der ihr Leben zwischen vielen Welten zusammenfasst – und ihre Art, Brücken zu bauen.
👉 Fünf Fragen an Dorothee Schwertfeger
👉 Das ganze Interview hier in der Hope TV Mediathek ansehen
👉Erkenntnisse auf einen Blick – was man von Dorothee Schwertfeger lernen kann
Autor Andreas Odrich.