Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen und diejenigen, die sie führen, im Jahr 2026 bei faktor c? Was bewegt sie, und was können sie an Erfahrungen weitergeben? Dazu haben wir für diesen Newsletter Dorothee Schwertfeger, Geschäftsführerin des deutschlandweit agierenden Tischlerei-Unternehmens Innenausbau Schwertfeger aus Eisenach gebeten, unsere „Fünf Fragen an…“ zu beantworten. Zu ihr persönlich und zu ihrem Unternehmen finden Sie in diesem Newsletter einen ausführlichen Artikel.

Wenn Sie mit Dorothee Schwertfeger, die auch zum Vorstand von faktor c gehört, bezüglich des Inhalts Kontakt aufnehmen möchten, nutzen Sie einfach ihre E-Mailadresse: d.schwertfeger@faktor-c.org

  

KI – ein willkommener Assistent

Welche Rolle spielt KI im Jahr 2026 in einem Tischlereiunternehmen?
Das Thema Digitalisierung ist bei uns super aktuell. Gestartet sind wir damit 2024. Es bedarf aber noch vieler Abstimmungsprozesse, weil z.B. unsere Geschäftspartner bezüglich Digitalität noch sehr unterschiedlich aufgestellt sind und die Schnittstellen mit unserer Branchensoftware noch optimiert werden müssen. KI speziell sehe ich in der Verwaltung zunächst für die Erstellung von Verträgen oder komplexere Kommunikationsprozesse, etwa im Baurecht. In der Arbeitsvorbereitung haben wir jetzt schon einige KI-Elemente eingesetzt. Konkretes Beispiel das Controlling der Materialstücklisten. Außerdem haben wir im Planungsbereich ein weiteres Auto-CAD-Programm eingeführt, das die Pläne für unsere Einbauten im 3D-Verfahren erstellt. Ein Mitarbeiter testet dies gezielt seit einem halben Jahr. Es hilft neben vielem anderen z.B. dabei, die Pläne anschaulicher für die Kunden zu gestalten.

Der Mensch – im Handwerk immer der wesentliche Faktor

 Welche Rolle spielen künftig Menschen in ihrem Betrieb?
Menschen werden bei uns weiterhin eine große Rolle spielen. Möglicherweise kann man mit KI im Erstkundenkontakt arbeiten, indem telefonische und schriftliche Anfragen von der KI erfasst und weitergeleitet werden. Aber danach wird es sehr schnell wieder zum direkten menschlichen Kontakt kommen, weil Beratung sowie das Aufmaß immer persönlich sein muss und auch die Montage kommt nicht ohne Menschen aus, sodass Menschen weiterhin der wesentliche Faktor in unseren Unternehmen sein werden.

Fachkräfte – selbst ausbilden, auch Quereinsteiger

Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?
Der Fachkräftemangel ist leider schon seit den 1990er Jahren ein Dauerthema. Vor allem versuchen wir, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, indem wir sie selber ausbilden. Wir haben jedes Jahr zwei bis drei Auszubildende (bei einer Betriebsgröße von rund 30 Beschäftigen), und hoffen, dass der eine oder andere auch im Unternehmen bleibt, was bisher auch so geschehen ist. Zudem versuchen wir, die Menschen in unserem Unternehmen durch Weiterbildungsangebote zu halten, und ihnen unter anderem zu ermöglichen, neue Aufgabenbereiche zu übernehmen. Ganz konkret haben wir unseren bisherigen LKW-Fahrer als Quereinsteiger für die Arbeitsvorbereitung gewinnen können, der schon einen anderen technischen Beruf mitgebracht hatte, ein Modell auch für zukünftige Quereinsteiger. Außerdem haben wir schon zum dritten Mal Hochschulstudenten aus den dualen Studiengängen bei uns. Außerdem versuchen wir, mit unserer Öffentlichkeitsarbeit über die Sozialen Netzwerke zu zeigen, dass wir ein modernes, cooles und soziales Unternehmen sind. Die, die uns noch nicht kennen, sollen auf diesem Wege schon im Vorfeld erfahren, dass wir „gut drauf sind“ und als Familienunternehmen gute Rahmenbedingungen schaffen wollen, um ein angenehmes Arbeitsklima zu erzeugen, dazu zählen unser Handwerkerfrühstück und Physiotherapieangebote.

 „Gen_Z“ –vom Smartphone an die Werkbank

 Wie attraktiv ist der Tischlerberuf für die jungen Generationen Gen_Z und die bereits nachrückende Gen_Alpha?
Wir haben das Glück, dass die Arbeit mit Holz immer im Trend liegt. Zwischenzeitlich war es schon klar, dass man im Handwerk nicht ganz so viel Geld verdient, wie bei der Polizei oder bei der Bundeswehr, aber inhaltlich merken wir bei Anfragen doch immer wieder, dass die Arbeit mit Holz sehr beliebt ist, gerade bei der Gen_Z. Die Angehörigen dieser Generation sind natürlich viel im Online-Bereich unterwegs, aber gerade deshalb schätzen sie den Kontrast, und wollen gerne etwas Haptisches erlernen, wie den Umgang mit Holz. Auch das Thema Nachhaltigkeit, das wir mit den Holzprodukten bespielen, steht bei unseren Auszubildenden hoch im Kurs.

Vernetzung – Erfolgsfaktor persönliche Präsenz

 Wie haben Sie es geschafft, in den wechselvollen Jahren seit den 1990er Jahren den Betrieb stabil zu halten?
In den 1990 waren noch meine Eltern in der Hauptverantwortung. In dieser Zeit lag die größte Herausforderung in den hochverzinsten Krediten. Da war viel Geduld nötig, um für unseren Betrieb akzeptable Kreditmargen heraus zu handeln. Dabei hat uns die gute Vernetzung meiner Eltern in der Stadt geholfen, bedingt durch das ehrenamtliche Engagement meines Vaters in unserer Kirchengemeinde und für weitere soziale Projekte. Das hat die Firma Schwertfeger zu einem vertrauenswürdigen Unternehmen gemacht, was in den Kreditverhandlungen und bei den Kunden nicht ohne positives Echo blieb. Die Coronazeit haben wir gut überstanden, weil viele Menschen ans Haus gebunden waren und recht viele Kunden in diesen Jahren ihr Geld in neuem Mobiliar angelegt haben, aber auch viele Kliniken in diesen Jahren besser ausgestattet werden mussten. Das alles war aber nur möglich, weil mein Vater sich gerade in den 1990er Jahren als selbstständiger Unternehmer zum Teil über seine Kräfte eingebracht hat, und das Wohl und Wehe der Firma über alles gestellt hat – ein typisches Unternehmerschicksal. Daher bin ich froh, dass ich die Firma mit meinem Bruder zusammen leite, und so doch eine bessere Work-Life-Balance möglich ist, als das in früheren Zeiten der Fall war.