Unsere Generation hat gelernt, schnell zu reagieren, aber gleichzeitig verlernt, wirklich zuzuhören. In Meetings, Gesprächen, ja sogar in Beziehungen hören wir gerade mal so lange zu, bis wir unsere nächste Antwort vorbereitet haben. Die Bibel dagegen lehrt uns etwas ganz anderes, nämlich dass wahrer Einfluss nicht dort beginnt, wo wir reden, sondern dort, wo wir jemandem das Gefühl geben, gesehen, verstanden und wertgeschätzt zu werden.

Im Neuen Testament ermahnt uns Jakobus 1,19: „Seid immer sofort bereit, jemandem zuzuhören; aber überlegt genau, bevor ihr selbst redet. Und hütet euch vor unbeherrschtem Zorn!“. Jesus praktizierte dieses aktive Zuhören ständig. Hier einige Beispiele:

Zuhören, ohne zu unterbrechen. In Lukas 24 lesen wir, dass sich die Jünger auf dem Weg nach Emmaus frustriert und enttäuscht fühlten. Der auferstandene Jesus näherte sich ihnen und fragte sie: „Worüber unterhaltet ihr euch?“ Er wusste es genau, gab ihnen aber geduldig die Möglichkeit, ihr Herz auszuschütten. Wir dagegen unterbrechen andere gerne, kommen zu voreiligen Schlüssen und wollen alles schnell lösen.

Echtes Interesse zeigen. Jesus begann Sein Gespräch mit der Samariterin am Brunnen (Joh. 4) nicht mit einer verurteilenden Rede, sondern indem Er eine Beziehung aufbaute und ihr so das Gefühl gab, von Bedeutung zu sein. Die Menschen merken, ob wir nur höflich sind oder echte Liebe in unserer Aufmerksamkeit ist.

Fragen, bevor wir antworten. Bartimäus, ein Blinder, rief am Wegrand: „Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ (Mk. 10, 46-52). Jesus blieb stehen und fragte: „Was soll ich für dich tun?“ Jesus kannte die Antwort, fragte aber dennoch. Zuhören heißt, anderen Würde zu geben. Häufig denken wir, wir wüssten, was der andere braucht, haben seinen Schmerz aber nicht wirklich verstanden.

Hören auch ohne Worte. Jesus sah die Furcht in Petrus‘ Augen, die Scham der Samariterin, den Frust der Emmaus-Jünger. Aktives Zuhören beinhaltet auch das Wahrnehmen von Emotionen und nicht-sichtbaren Bedürfnissen. Menschen äußern nur selten alles explizit. Reife Führungspersönlichkeiten lernen auch das wahrzunehmen, was nicht gesagt wird.

Mit Gnade und Wahrheit antworten. Jesus ging es nie nur um Informationen. Sein Zuhören erzeugte immer Fürsorge, Führung und Veränderung. Nach dem Zuhören ermutigte Er, konfrontierte wo notwendig, heilte und lehrte. Vielleicht ist unser Problem nicht nur mangelnde Kommunikation, sondern mangelnde Präsenz. Wir sind umgeben von Menschen, die beachtet werden wollen und sich nach jemandem sehnen, der ihnen wirklich zuhört. Wir spiegeln Jesus am besten wider, indem wir innehalten, sehen, hören und die Menschen mit unserer bedingungslosen Aufmerksamkeit lieben.

Zuhören erfordert Demut. Es erfordert Geduld. Es erfordert echtes Interesse. Und das weist auf Christus hin. Aktives Zuhören ist eine stille Form der Liebe. Einflussreiche Menschen sind nicht immer die, die am meisten reden, sondern oft diejenigen, die anderen das Gefühl geben, von Bedeutung zu sein.

 

 

Copyright 2026. Erenia Mendoza ist Geschäftsführerin von CBMC Brasilien. Erenia wurde in Nicaragua geboren und ist in Brasilien aufgewachsen. Sie arbeitet in der Unterhaltungsindustrie, u.a. für Sony Pictures und Walt Disney.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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