Wissen ist in der heutigen Geschäfts- und Arbeitswelt an vielen Orten und auf vielerlei Weise zu finden. Weisheit hingegen nicht. Das habe ich in meinem eigenen Leben erfahren. Vor über 40 Jahren verkündete eine Zeitung, dass ich an der Pontificia Universidade Católica in Campinas, Brasilien, ein volles Stipendium erhalten hatte. Die Universitäten meines Heimatlandes Bolivien hatten ihre Tore geschlossen, und so schickte mein Vater meine Unterlagen an die brasilianische Botschaft. Kurz darauf verließ ich meine Heimat.
Von Bolivien nach Brasilien – das war einerseits weit, andererseits aber auch nicht. Vom Spanischen ins Portugiesische – das war anders, aber auch nicht ganz anders. Ein tropisches Land mit Winter in der Jahresmitte. Schwierig? Ja. Anders? Ja, aber mit ähnlicher, südamerikanischer Kultur. Dennoch fühlte ich mich entwurzelt, ohne Familie in der Nähe, ohne Freunde. Sogar mein Glaube fühlte sich nur noch wie eine ferne Erinnerung an. Immer wieder fragte ich mich, was ich tun und sagen und mit wem ich mich anfreunden sollte.
So dachte ich auch immer wieder darüber nach, was die beste – und weiseste – Option sei. Meine Eltern, die immer meine größte Quelle der Weisheit gewesen waren, konnte ich nicht länger fragen. Briefe waren zwei Wochen unterwegs, E-Mail, Fax und Messenger-Dienste gab es damals noch nicht. Und ständig machten neue Herausforderungen schnelle Lösungen erforderlich.
Vielleicht stehen auch Sie heute vor Fragen, die Einfluss auf den Lauf Ihres weiteren Lebens haben. Wenn wir Jesus Christus nachfolgen, ist Gott mit uns, aber wir erkennen nicht immer, dass wir mit Ihm sind. Gefühle der Einsamkeit und der Angst beeinflussen unser Weltverständnis und unsere Entscheidungen. So lebte ich damals: Schritt für Schritt, extrem vorsichtig, aber doch mit dem tiefen Wunsch, weniger ängstlich und spontaner zu sein.
Meine Professoren an der Universität meinten, Weisheit sei in Büchern zu finden und in guten Gesprächen, und Antworten in soliden Argumenten von Ursache und Wirkung. Das stimmt auch. Doch ich fand heraus, dass unsere wichtigste Ressource die Bibel ist. Wie Charles Spurgeon weise feststellte: „Besuchen Sie viele Bücher, aber leben Sie in der Bibel.“
Dazu Gedanken aus dem alttestamentlichen Buch Hiob: „Aber die Weisheit – wo ist sie zu finden? Und wo entdeckt man die Einsicht?… Das Meer und seine Tiefen sprechen: Die Weisheit ist nicht bei uns.“ (Hiob 28, 12+14). „Woher also kommt die Weisheit? Und wo entdeckt man die Einsicht? Ja, sie ist dem menschlichen Auge verborgen, und auch die Raubvögel erspähen sie nicht. Das tiefe Totenreich und selbst der Tod, sie sprechen: Wir haben von ihr nur ein Gerücht gehört!“(Hiob 28, 20-22).
Wenn wir das Wort Gottes lesen, kommen wir durch Reflexion zum Verständnis. Hier sind drei Beispiele:
- Wohin? „Gott allein kennt den Weg zur Weisheit; er nur weiß, wo sie zu finden ist.“ (Hiob 28,23). Ohne das Wort begrenzt mich die Angst, Fehler zu machen oder Schuld auf mich zu laden.
- Wie? „Kein Mensch kennt den Weg zu ihr; unter den Lebenden findet man sie nicht.“ (Hiob 28,13). In der intellektuellen Welt zählen Informationen, Kreativität und einsames Nachdenken, das Knien vor Gott kommt hier eher selten vor.
- Wo finden wir Führung? „Denn er blickt über die ganze Welt, er durchschaut Himmel und Erde.“ (Hiob 28,24). Der Einzige, der den Weg kennt und uns in unserem Leben führen kann, ist Gott.
Carmen Milka Herrera ist Gründerin und Leiterin einer Sprachschule in Brasilien.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.