Vor einigen Jahren hatte ich ein Treffen mit Senior-Managern aus den unterschiedlichsten Bereichen – ein Publikum, das nicht leicht zu beeindrucken ist. Wir diskutierten über Integrität von Führungspersönlichkeiten und ich endete mit einer pointierten Herausforderung: „Was würde es dich kosten, das Richtige zu tun, wenn niemand zuschaut?“ Dann hörte ich auf zu reden. Stille.
Ich hielt Augenkontakt. Fünf Sekunden, zehn Sekunden. Zuerst wurden sie unruhig und warteten darauf, dass ich so weiterreden würde, wie sie sich das vorstellten. Doch mit anhaltender Stille veränderte sich die Atmosphäre. Die Frage wurde nicht verdrängt, sie schwebte weiterhin im Raum.
Weise Stille scheut nicht die Verantwortung und bedeutet auch nicht Schwäche. Sie verstärkt die Bedeutung. Sie lädt zur Reflexion ein. Und für die christliche Führungspersönlichkeit offenbart sie noch etwas Größeres: das tiefe Vertrauen in Gottes Souveränität und in den bereits eingeschlagenen Weg.
Wir denken, gute Führungspersönlichkeiten haben die schlaueste Antwort, die stärkste Stimme oder das entschlossenste Handeln. Das Königreich Gottes umfasst aber auch die Disziplin der wahrnehmbaren Stille, vor allem wenn wir in dem Wissen ruhen können, dass wir aufrichtig geführt und mit göttlicher Intention geplant haben. Jesus stand vor Pilatus, angeklagt, unterdrückt und missverstanden: „Aber Jesus erwiderte kein Wort. Darüber wunderte sich Pilatus sehr.“ (Mt. 27,14).
Lassen Sie das einsinken. Der Sohn Gottes, der jede Lüge mit einem Wort aufdecken könnte, wählte die Stille. Das war keine Passivität. Das war vollständige Kontrolle, Führung, die sich nicht auf Image, sondern auf Gehorsam stützte. Keine Performance, sondern göttlicher Wille. Die Stille Jesu war keine Unsicherheit, sondern unerschütterliches Vertrauen auf Gott. Sie brachte zum Ausdruck: „Ich muss mich nicht selber verteidigen, das geschieht bereits.“ Diese Haltung brauchen wir: den Kurs festlegen, aufrichtig führen, mit göttlicher Intention planen und dann ruhen. Wir müssen uns nicht ständig selber verteidigen oder um Zustimmung heischen, wenn wir in Gottes Willen verankert sind.
In der heutigen Arbeitswelt geht es laut zu. Immer sollen wir reden, unser Gewicht in die Waagschale legen, sichtbar sein. Aber vielleicht ist es für Sie als Führungspersönlichkeit diese Woche wichtig, etwas nicht zu sagen.
Richtig eingesetzt kann Stille:
• Der Weisheit Raum geben – bei Ihnen oder bei anderen.
• Den Fokus verschieben von der Selbstrechtfertigung zur Erkenntnis der Wahrheit.
• Emotionale Intelligenz und geistliche Reife offenbaren
• Angstfreie Präsenz zeigen – wir müssen nicht den Raum dominieren, um ihn zu führen.
• Zur Reflexion nicht nur über Taktik, sondern auch über das Ewige einladen.
Eine gut-platzierte Pause kann in einem Meeting zum Türöffner werden. Das ist keine Manipulation, sondern ein Dienst. Sie kann Ihrer biblischen Weltsicht zu einem lauteren Echo verhelfen. Und wenn Sie auf dem Weg des Glaubens sind, ist Stille nichts Zögerliches, sondern steht für ein beständiges Gottvertrauen. Ein Christ, der innehält, hört gut zu, spricht mit Bedacht und umarmt die heilige Stille, er führt aus einer anderen Quelle. Bei einer solchen Führung geht es nicht nur um Resultate, sondern um Seelen.
©2025. Tief bewegt von der transformatorischen Kraft des Evangeliums ist es das Anliegen von Christopher C. Simpson, den Glauben in der
Geschäftswelt zu verbreiten. Christopher ist Präsident von CBMC International; zuvor diente er 28 Jahre lang in der US Marine und beim Secret
Service, wo er für den Schutz von 7 Präsidenten zuständig war. Mit seiner Frau Ana lebt er in Boca Raton, Florida, USA.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.