Wozu haben Sie heute schon „nein“ gesagt? Wir zählen eher unser „Ja“: neue Projekte, neue Kunden, neue Verpflichtungen, neue Chancen. Wir sind überzeugt, dass Aktivität wertvoll ist. Aber es ist nicht unser „Ja“, sondern unser „Nein“, das uns definiert und einen Unterschied macht. Wenn wir zu einer Sache „ja“ sagen, sagen wir gleichzeitig zu Tausend anderen Dingen „nein“. Das ist unvermeidlich. Die Frage ist nicht, ob wir „nein“ sagen, sondern wozu wir „nein“ sagen.

Das perfekte Beispiel für diese Art von Klarheit finden wir in der Bibel. Nach einer langen Nacht der Heilungen in Kapernaum suchten die Jünger Jesus und sagten: „Alle Leute fragen nach dir!“ (Mk. 1,37). Aber Jesus sagte „Nein“: „Wir müssen auch noch in die anderen Dörfer gehen, um dort die rettende Botschaft zu verkünden Das ist meine Aufgabe.“ (Mk. 1,38). Er war nicht rücksichtslos, Er wusste aber, dass Sein „Ja“ schon gesprochen war. Das machte Ihn frei, auch zu guten und dringenden Dingen „nein“ zu sagen.

Ja sagen aus Angst. So viele von uns sagen aus Angst „ja“: aus Angst, etwas zu verpassen, Menschen zu enttäuschen, abgehängt zu werden. Doch es ist kein Zeichen von Stärke, zu allem „ja“ zu sagen, sondern ein Symptom der Versklavung. Wenn wir zu allem „ja“ sagen, sagen wir letztlich zu dem „nein“, was am meisten zählt. Erschöpfung im Deckmantel der Wichtigkeit.

Für alles, was zählt, ist Zeit vorhanden. Prediger Salomo drückte es so aus: „Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit“ (Pr. 3,1). Das ist eine Kampfansage gegen die Tyrannei der Dringlichkeit. Es ist Zeit für das, womit Gott uns gerade beauftragt; wenn wir es durch ein „nein“ mutig verteidigen, wird es geheiligt.

Der Apostel Paulus wird im antiken Ephesus noch direkter: „Achtet also genau darauf, wie ihr lebt: nicht wie unwissende, sondern wie weise Menschen. Dient Gott, solange ihr es noch könnt, denn wir leben in einer schlimmen Zeit.“ (Eph. 5,15-16). Es geht nicht darum, noch mehr in unsere Terminkalender hinein zu quetschen, sondern darum, zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist und was nicht.

Verständnis für das Wesentliche. Jedes „Ja“ kostet uns etwas: Zeit mit dem Ehepartner und um für unsere Kinder da zu sein, Aufmerksamkeit für unsere Seele, Zeit mit Gott. Wenn unser Leben überladen ist, liegt es nicht daran, dass wir zu wichtig sind, sondern daran, dass wir das Wesentliche nicht mehr schützen. Unsere Unternehmen werden uns immer noch mehr fordern. Der Druck wird zunehmen. Wir müssen selber das schützen, was heilig ist.

Glaube. Ehe. Familie. Freunde. Berufung von Gott. Das sind die tragenden Wände unseres Lebens. Wenn sie zusammenbrechen, fällt alles. Nehmen Sie sich also Zeit, durchzuatmen. Stellen Sie sich erneut die Frage: Wozu haben Sie heute „nein“ gesagt? Nicht aus Faulheit oder Angst. Sondern weil das „Ja“ schon gesprochen ist und in Gottes Gegenwart feststeht.