Frank Lehmann: Ernsthaft beten, leidenschaftlich arbeiten, ausgelassen feiern
„Angestellter Geschäftsführer“ eines vielköpfigen Familienunternehmens – was viele eher abschrecken würde, hat Frank Lehmann aus Vaihingen-Ensingen in Baden-Württemberg gereizt. Er liebt es, „Menschen von Ideen zu überzeugen und für eine gemeinsame Sache zu begeistern“. Und so leitet der Mittvierziger gemeinsam mit einem geschäftsführenden Gesellschafter seit 2018 einen mittelständischen Mineralbrunnen mit rund 180 Mitarbeitenden und einer ganzen Reihe von Familienmitgliedern im Team. Das Thema Mineralwasser ist für ihn daher keine trockene Angelegenheit, sondern vielmehr eine vielfältige Herausforderung, in der es für ihn um Ehrlichkeit und Haltung in der Führung geht.
Mineralwasser – kein Selbstläufer
Gourmetwasser für die Gastronomie, natürliches Heilwasser mit Arzneimittelzulassung, besondere Erfrischungsgetränke für Leistungssportler oder hochmineralisiertes Mineralwasser für den täglichen Bedarf – die Angebotspalette des Familienunternehmens ist breit, die Parameter, die es zu berücksichtigen gilt, vielfältig. Zudem ist Wasser als unverzichtbares Lebensmittel ein wichtiges Allgemeingut, das es zu pflegen und zu schützen gilt. Viel zu tun also für Frank Lehmann, der seinen beruflichen Werdegang beim Großunternehmen Landesbank Baden-Württemberg begonnen hat und danach weitere Jahre beim ebenfalls landesweit agierenden Energieversorger EnBW tätig war.
Agilität schafft Stabilität
Dennoch sind die Herausforderungen für den Geschäftsführer nicht kleiner geworden, eher scheinen sie größer. Agil und wachsam sein, traditionsbewusst und gleichzeitig offen für neue Entwicklungen, das sind seine täglichen Herausforderungen, um das Unternehmen stabil im Markt zu halten, auch wenn es seit seiner Gründung 1952 zu den führenden in Baden-Württemberg zählt.
Vom Bankwesen in die Lebensmittelbranche
Dass das Geschäft mit dem Lebensmittel Wasser einmal zur zentralen Aufgabe für Lehmann werden würde, hätte er sich selbst nicht vorgestellt. Vorgezeichnet war sein Weg jedenfalls nicht. Nach Realschule und Wirtschaftsgymnasium, wo er froh war, „kein Latein belegen zu müssen“, absolvierte er ein duales Studium bei der Landesbank Baden-Württemberg.
Den Weg des Dualen Studiums schlug er bewusst ein. So konnte er „während des Studiums bereits Geld verdienen, statt das Studium finanzieren zu müssen“ und erhielt bei der Landesbank zudem einen „breit gefächerten Einblick ins Finanzwesen.“ Dass er später in der Lebensmittelbranche landen würde, war damals kaum absehbar. „Solche Wege lassen sich nicht planen“, sagt Lehmann rückblickend. „Man muss Türen erkennen, wenn sie sich öffnen.“
Unternehmerisch geprägt von klein auf
Dass man als Unternehmer immer mit Höhen und Tiefen leben und stets aktiv nach neuen Chancen Ausschau halten muss, hat Frank Lehmann buchstäblich mit der Muttermilch aufgesogen. Sein Vater arbeitete unternehmerisch im Versicherungs- und Immobilienbereich, seine Mutter als selbständige Physiotherapeutin. Und so waren die Wirtschaftlichen Entwicklungen und der Umgang damit auf organische Weise Thema im Hause Lehmann. Vor allem eins blieb ihm prägend in Erinnerung: Wenn finanzielle Sorgen aufkamen, setzte sich die Familie zusammen – und betete.
„Meine Eltern haben Probleme nie beschönigt, sondern offen angesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Statt in hektischen Aktivismus zu verfallen haben sie erstmal mit uns innegehalten, gerade im Gebet“, erzählt Lehmann. Dieses Zusammenspiel aus Realitätssinn und Gottvertrauen habe ihn nachhaltig geprägt. Trotzdem suchte er für sich selbst zunächst die Sicherheit in einem Großunternehmen, mit festem, kalkulierbarem Gehalt. „Da war ich nicht so risikobereit wie meine Eltern“, gibt er lächelnd zu.
Karriere entsteht nicht allein durch Gebet
Auch hat er gelernt, dass Glaube einen wirtschaftlichen und beruflichen Erfolg nicht automatisch garantiert:„Ich würde niemandem raten, zu glauben, dass Gebete allein alle Türen öffnen. Ohne Einsatz, Disziplin und Verantwortung geht es nicht.“ Verbissen wirkt er dabei nicht. Eher entspannt, freundlich, offen und dem Gesprächspartner zugewandt, so wie beim Talk mit Michael vom Ende auf Hope TV. Und so wundert es nicht, wenn seine Grundlage für ein gelungenes Leben als Geschäfts- und Privatmann diesen Dreiklang aus Spiritualität, Leistung und Lebensfreude bildet: Ernsthaft beten. Leidenschaftlich arbeiten. Ausgelassen feiern.
Leidenschaft heißt Verbindlichkeit
Neben seiner Verwurzelung im christlichen Glauben, zeigt sich Leidenschaft bei ihm vor allem in Zuverlässigkeit, auch wenn das vordergründig nicht automatisch zusammengehört. Wer Ziele formuliert, müsse auch Verantwortung übernehmen, diese zu erreichen, und das dann gerne leidenschaftlich: „Leidenschaftlich arbeiten bedeutet, Zusagen ernst zu nehmen – gegenüber Kunden, Mitarbeitenden und Partnern, es heißt auch, sich nicht hinter Ausreden zu verstecken.“ Diese Haltung prägt seinen Führungsstil ebenso wie seine Erwartungen umgekehrt an sein Team.
Führung lernen von einem besonderen Vorbild
Sein wichtigstes Führungsmodell findet Lehmann nicht in der Managementliteratur, sondern im Neuen Testament. Besonders beeindruckt ihn die Teamstrategie von Jesus Christus. „Jesus war keine One-Man-Show. Er hat Menschen mit unterschiedlichen Stärken zusammengebracht und befähigt, Verantwortung zu übernehmen. Das ist für mich ein starkes Bild für moderne Führung.“ Auch im Unternehmen gehe es darum, Mitarbeitende anzunehmen, Potenziale zu erkennen und gemeinsam Ziele zu verfolgen.
Stabilität durch Vertrauen
Dieser Ansatz scheint zu funktionieren. Lehmann berichtet von einem Team, das seit Jahren stabil zusammenarbeitet. In sieben Jahren musste man sich nur von wenigen Mitarbeitenden trennen – ein Zeichen für Vertrauen und Kontinuität. So betont er: „Erfolg entsteht durch Menschen, nicht nur durch Zahlen.“
Feiern gehört zum Erfolg dazu
Neben Gebet und Arbeit spielt für Lehmann auch das Feiern eine wichtige Rolle. Gemeint ist damit nicht nur persönlicher Genuss, sondern vor allem Gemeinschaft. Gastfreundschaft, Offenheit und Großzügigkeit seien Werte, die er aus seinem Elternhaus übernommen habe. „Feiern heißt, andere einzubeziehen – vom Geschäftspartner bis zum Nachbarn.“
Unternehmerisch zukunftsorientiert
Doch vor dem Feiern kommt die Arbeit. „Das Hemd schwitzt nicht von allein,“ heißt es im „Ländle“. Einfach „nur“ Mineralwasser abfüllen und verkaufen, hält den Betrieb nicht am Leben. Deshalb fördert und unterstützt das Unternehmen seit vielen Jahren die biologische Landwirtschaft in der Region und lobt auch einen Umweltpreis für ökologische Landwirtschaftsprojekte aus. „Nur wenn die Böden nicht mit anthropogenen Einträgen überlastet werden, gelangt auch nichts ins Tiefenwasser, was die empfindlichen Mineralquellen auf die Dauer unbrauchbar machen würde, und die Wasserversorgung für uns alle gefährden könnte“, betont Frank Lehmann immer wieder.
Gott als Begleiter, nicht als Karriereturbo
Am Ende formuliert Lehmann seine Überzeugung in einem Satz, der seine Haltung zusammenfasst, und vor allem geistlich geprägt ist: „Ich wünsche mir, dass wir Gott nicht als Karrierebooster sehen, sondern als Partner und Freund an unserer Seite – im Leben und im Beruf.“ Ein Satz, der deutlich macht: Für Frank Lehmann sind Glaube und Wirtschaft keine Gegensätze. Sie bilden vielmehr den Rahmen für verantwortungsvolle Führung – und für ein Arbeitsleben, das mehr sein will als nur Erfolg in Zahlen.
👉 Erkenntnisse auf einen Blick – was wir von Frank Lehmann lernen können
👉 Fünf Fragen an Frank Lehmann
Autor: Andreas Odrich.