History Snack (1975): Perspektiven von Morgen als Herausforderung von Heute

Athanasius Wolff

ATHANASIUS WOLFF, geb. 1931, Studium der Philosophie, Geschichte, kath. und evang. Theologie. Hauptarbeitsgebiet: Fragen aus dem Dialog zwischen Theologie und Gesellschaft.

 

Perspektiven von Morgen als Herausforderung von Heute

Auszüge aus einem Vortrag von P. Athanasius Wolff – VCK-Haupttreffen Dorfweil

Gott schuf den Menschen auf Hoffnung hin

Die Frage nach der Zukunft ist nicht nur eine Frage, die die Dichter, Träumer, Denker oder Propheten beschäftigt, sondern sie ist Lebens- und Schicksalsfrage für eine Menschheit, die mit den Mitteln der technisch-wissenschaftlichen Zivilisation anders als je zuvor in ihrer Geschichte Zukunft produzieren kann.

Gewiß ist unsere Gegenwart auch immer die Konsequenz dessen, was unsere Väter getan oder unterlassen haben, was ihnen gelungen oder mißlungen ist, wo sie sich bewährt oder versagt haben. Keiner kann sich der Vergangenheit entziehen. Wir sind von ihr getragen und gehalten und müssen sie zumindest in unserer Erinnerung behalten.

Doch zum Menschen gehören neben der Erinnerung genauso die Hoffnung dazu und die Sehnsucht nach Mehr und Größerem. Er erfährt in jeder Gegenwart, daß er noch nicht ganz das ist, was er gern sein möchte. „Alles schuf Gott fertig, den Menschen schuf er auf Hoffnung hin“, heißt es in einem rabbinischen Kommentar. Von da her leben wir nicht in einer fertigen Welt, als gäbe es nur die bestehenden Ordnungen zu bewahren. Hinzu kommt, daß der Mensch nicht nur von seiner antropologischen Verfaßtheit her auf eine Zukunft hin bezogen ist, sondern als Christ immer mit Verheißung lebt auf das, was kommen wird – mit einer Verheißung des Himmels.

Himmel heißt, daß alles, was wir heute so leidvoll erfahren: Ungerechtigkeit, Neid, Haß, Gewalt und Angst einmal als Gabe Gottes von uns genommen wird und wir dann miteinander echt kommunizieren werden in einem Raum der Angstlosigkeit und Freude, von Glück und Frieden. Angesichts dieser Verheißung, daß Gott einmal jede Träne trocknen wird, legt sich der Christ weder auf das Lotterbett fauler Existenz, noch trägt er das gegenwärtige Leid mit der Vertröstung auf die zukünftige Freude. Er wird vielmehr provoziert, das gegenwärtig Mögliche von dem, was er einmal von Gott ganz erhofft, hier schon teilweise ein Stück weit zu realisieren. Der Christ lebt also nicht davon, indem er in die Vergangenheit schaut und dabei einem vermeintlich verlorenen Paradies nachtrauert und das restaurieren, konservieren und renovieren möchte, sondern er versucht, kleine Hoffnungen selbst zu verwirklichen und so in der Vorwegnahme des Himmels ein Stück seiner Hoffnung zum Vorschein zu bringen.

Das Bewährte von gestern wird in Frage gestellt

Unsere heutige Welt ist nicht mehr angemessen mit dem Begriff des industriellen Zeitalters beschrieben, sondern sie ist auf Grund der vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten als kommunikative Globalgesellschaft gekennzeichnet. Wir erinnern uns der Energiekrise vor eineinhalb Jahren, als auf einmal diese Welt hier ganz andere Modelle für Wachstum entwickeln mußte. Wenn heute irgendwo etwas passiert, dann ist das am gleichen Tage weltweit bekannt. Wir leben in einer Zeit, in der eine Rapidität des Informationsaustausches geschieht, in einer Welt, die sich innerhalb von sieben Jahren schneller verändert, als früher in hundert Jahren. Unsere Zeit muß man als epochale Wende bezeichnen. Wir sind in einer eigentümlichen Weise gegenüber Verhaltensmustern und Denkmodellen von gestern unsicher geworden.

Auch der Christ fühlt sich mit dem, was er zu sagen hat, zutiefst fragwürdig. Er ist aufgefordert, das Bewährte von gestern hinter sich zu lassen und sich nach dem neu zu Bewährenden auszustrecken. Es ist nicht Ausdruck von Glaubensschwäche, wenn man mit dem Gestrigen nicht einfach leben kann, sondern ich glaube eher, es ist Ausdruck des Glaubens, der die neue Zeit als Angebot Gottes begreift.

Das Weinen des Herrn über Jerusalem (Luk. 19) ist das Weinen über das Jerusalem, welches Gefangener seiner sozialen, religiösen und politischen Vergangenheit geworden ist. Ein Jerusalem, das dem jeweils neuen Anspruch nicht entsprach, weil es Gott so sehr hinter sich hatte. Schlimm wäre es, wenn wir Christen nur mit dem lebten, was wir gestern unter dem Anspruch des Evangeliums gefunden hatten und wir nicht auch mit der Phantasie des Glaubens Schritt hielten in eine sich wandelnde Welt hinein, die für uns ebenfalls Angebot Gottes bedeutet.

Die Frage, ob das Christentum noch Zukunft hat, darf aber nicht an der Antwort auf die Frage gemessen werden, ob es wieder zur herrschenden Macht wird. Mir scheint gerade die Säkularisation, die die äußere Herrschaftsstellung des Christlichen beseitigt hat, ein providentieller Vorgang zu sein. Denn Säkularisation kann auch eine reinigende Bedeutung haben, nämlich die Lösung der Kirche von bisherigen Klassengebundenheiten und die Befreiung von ideologischer Indienstnahme durch Gruppeninteressen.

Die Frage nach der Zukunft der Christen ist eigentlich nicht die, ob wir mächtig oder unmächtig sind, sondern ob wir das Wort des Evangeliums als treffendes und betreffendes Wort, als helfendes Wort, in diese sich wandelnde Zeit hinein auslegen können. Das Wort von der Verheißung an die Gemeinde Jesu Christi ist kein Vertröstungswort, sondern die Aufforderung, daß keine Zeit kommen kann, in der nicht das Wort aus dem Glauben ein angemessenes und helfendes Wort zur Stunde wäre. Ich bin der Meinung, der Glaube gibt die Gemeinde dazu frei, sorglos um sich selbst zu sein. Damit ist sie freigesetzt zur Sorge um das Jeweilige.

Evangelium – Herausforderung an die Christenheit

Die Botschaft des Evangeliums ist eine Herausforderung, die Vergangenheit in der Bekehrung zu überwinden. Provokation für die Christenheit ist, in der Phantasie des Glaubens Schritt zu halten mit den Absichten Gottes. Wir sollten das Kommende aus der Hand Gottes nicht nur als Gefährdung und Infragestellung unserer Person begreifen, sondern als ein neues Angebot, das wir dann freilich nicht bewältigen können im bloßen Rückblick auf das Gestrige und schon gar nicht im Zitieren von Bibelversen.

Das Weitergeben in der Kirche geschieht im Weitergehen und einem immer wieder Abschiednehmen; nicht darin, daß die Kirche zu jeder Zeit gleich redet, sondern das Gleiche stets neu und dann auch in anderer Sprache zur Sprache bringt. – So, wie Paulus den Römern ein Römer wurde und den Korinthern sehr korinthische Probleme von der Mitte des Glaubens her löste.

Im steten Verwandeln ist das Unüberholbare, die Person Jesus Christus, festzuhalten. Von ihm wird behauptet, durch ihn habe sich die Situation des Menschen grundsätzlich geändert. Die christliche Botschaft verkündet Jesus Christus als das letztbestimmende Ereignis für Mensch, Geschichte und Welt. Darin ist die Eschatologie, die Botschaft vom Letzten, nicht das Reden in einer Hintertreppensprache über ein himmlisches Jerusalem, sondern das Verbindlichmachen der Bedeutung Jesu Christi jederzeit neu und zwar als das Entscheidende und Qualifizierende für Welt und Geschichte.

Von Jesus Christus wird gesagt, daß er aus dem Handeln Gottes absolute Zukunft hat. Nicht wir stehen auf, sondern Gott erweckt uns. Nicht von unten her als menschliches Tun in Selbstmächtigkeit geschieht Zukunft als absolute Zukunft für Jesus Christus und für die an ihn Glaubenden, sonderen Christus erfährt Gottes Handeln und Leben am Ende menschlicher Möglichkeit als Gabe von Gott verwirklicht.

So ist der Christ nur insofern auf Vergangenheit bezogen, als das Kreuz und die Auferstehung Vergangenheit sind. Zugleich aber ist er von dieser Vergangenheit auf eine verheißungsvolle Zukunft ausgerichtet. Denn der Christ weiß um das „Schon“, der geschehenen Versöhnung mit Gott. Er weiß also um die Aufhebung der Entfremdung mit Gott und wartet, daß er in Fülle daran Anteil hat.

Gegenwart – Bauplatz einer glücklichen Zukunft

Nicht in einem traditionellen Beharren auf vergangenen Positionen bewährt sich der Christ, sondern in einer Bejahung der Unaufhaltsamkeit technischer Entwicklung aber als ein Bejahen mit dem Ziel menschlicher Beherrschung. Ein Hineintaumeln etwa in die Raumfahrt zum Mond mit keiner anderen Begründung, als einer dummen Ost-West-Konkurrenz, birgt nur eine gewisse Scheinrealität in sich.

In einer Zeit, in der man diese Welt nur bewältigen kann, indem man Informationen austauscht, taucht die Frage auf, ob nicht eine wesentliche Aufgabe für die Welt von morgen das Einüben in kooperatives Verhalten sein wird. In der Vergangenheit konnte man christliche Werte sehr individuell formulieren, denn wer keine Verantwortung im öffentlichen Raum hatte, mußte im Grunde genommen das christliche Ethos im Raum des Privaten leben. Aber reicht das für uns, die wir heute im Bereich des Öffentlichen Verantwortung tragen? Sollen wir nicht Verhaltensweisen entwickeln, die ein Gruppenethos sichtbar machen? Es reicht nicht mehr, die Privatkategorien des 19. Jahrhunderts zu übernehmen, so edel sie sind.

Der Christ ist aus dem Glauben an den Himmel ein aktiver Kritiker bestehender Verhältnisse und zwar im Hinblick auf ihre Verbesserung, auf ein Morgen hin. Er ist aber ebenso ein Kritiker von Ideologien, die den Schritt aus der Traurigkeit in die Freude heute als innerweltlich zu bewältigenden Vollzug deklarieren. Bezeichnenderweise sind die Menschen heute um des Himmels von morgen sehr leicht inhuman. Aber gerade der Christ wird die Gegenwart zum bloßen Bauplatz einer absolut glücklichen Zukunft machen können. Er ist in seiner Sehnsucht auf das Größere aus und erwartet das Letzte von einem anderen.

Keine Zeit wird Gott los

Im Raum dieser Mentalität, die Veränderungen anstrebt und zugleich sich der letzten Veränderung durch Gott bewußt bleibt, ist der Christ ein Ausschreitender. Er wird alle Ordnung als lebendiges Lebensgefüge für den gegenwärtigen Menschen in einer Offenheit auf die Zukunft hin gestalten. Er wird dabei nicht mit hechelnder Zunge unbedingt der Kritik der Zeit nachlaufen müssen. Er darf aber auch nicht in vermeintlicher Zeitüberlegenheit dem Fluß der Veränderung widerstehen. Sonst würde die Christlichkeit einmal so übelriechend werden wie Wasser, das nicht in Fluß bleibt.

Eine Zeit mag sich selbst als gottlos deklarieren, sie wird aber Gott nicht los, weil er menschenfreundlich bleibt. Wenn man daran glaubt, daß die Welt unter der Verheißung Gottes steht, kann einem keine Zeit uninteressant sein. Der Christ wird aus dem Hören auf das Evangelium diese Botschaft auf das Heute, auf die Zukunft hin aufschließen wollen. So leben wir auch jetzt in einer sich wandelnden und einer uns oft so fremd und bedrohlich anmutenden aber vom Herrn her doch sehr verheißungsvollen Welt.

Christoph Wegert: KI als Werkzeug für mehr Menschlichkeit

Wenn man den Betriebswirtschaftler Christoph Wegert mit etwas begeistern kann, dann sind es Innovationen und Neugier auf neue Technologien. Vor allem im digitalen Bereich. So experimentiert er schon früh mit dem Internet und gründet erste IT-Firmen. Heutzutage spielen sich die Innovationen im Bereich KI ab, und daher ist es kein Wunder, dass Christoph Wegert darauf sein Hauptaugenmerk legt. Zudem findet er: KI kann sehr nützlich sein, wenn wir sie klug nutzen und dabei christliche Werte zum Maßstab machen.

 

Gebete und Experimente

Passen nüchterne digitale Prozesse aus den Bereichen Robotik, IT und KI auf der einen Seite und Spiritualität und Religion auf der anderen Seite zusammen? Für Christoph Wegert ist das keine Frage. Denn als Christ beschäftigt er sich nicht nur damit, wie Bits und Bytes zusammenwirken und demnächst Quantensprünge in neue Dimensionen machen, sondern vor allem damit, wie wir sie nachhaltig, ethisch verantwortungsvoll und zum Wohle der Menschheit einsetzen.

Beides ging für ihn schon immer Hand in Hand. Während er noch mit seinen ersten Computern experimentiert, besucht er zusammen mit Freunden und Kollegen einen christlichen Gebetskreis.

 

Werte werden immer wichtiger

Auch die dann folgende Entwicklung von Anwendungen im Bereich Augmented Reality, AR, bei der in vorhandene Szenarien virtuell zusätzliche Informationen eingespeist werden (wie etwa virtuelle Ansichten eines Urlaubsgebiets, oder Verkehrsdaten im Szenario einer Straße), hat Christoph Wegert immer wieder darin bestätigt, dass eine ethische Basis dringend erforderlich ist, damit die Dinge dienlich für den Menschen bleiben und nicht manipulativ gegen ihn missbraucht werden – sei es im Marketing aber auch in der Industrie, aus denen sich sein Kundenkreis seinerzeit generiert.

So ist der Unternehmer und KI-Manager fest davon überzeugt:

„Gerade in einer automatisierten Welt werden Werte wichtiger und nicht unwichtiger.“

 

Unabhängigkeit und Datensicherheit

Schon seit einiger Zeit steht nunmehr die Nutzung von Daten in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz im Fokus seiner Arbeit. Seit 2025 ist er Teil von Schwarz Digits, dem digitalen Arm der Schwarz Gruppe, zu der u.a. Lidl und Kaufland gehören, mit Sitz im baden-württembergischen Bad Friedrichshall. Schwarz Digits beschäftigt weltweit rund 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Schwerpunkt ist mit der Marke STACKIT der Aufbau und Entwicklung einer europäischen Cloud, um angesichts der aktuelle globalen Entwicklung unabhängig von anderen Cloud Anbietern zu werden; zum einen für die eigene Unternehmensgruppe, aber mittlerweile auch als souveränes Angebot für viele europäische staatliche Organisation, Länder, Kommunen und Unternehmen.

So errichtet Schwarz Digits derzeit neben bereits eigenen Rechenzentren in Deutschland und Österreich ein weiteres  Großprojekt dieser Art in Lübbenau im Spreewald.

 

Technik macht nicht alles automatisch besser

Doch für Christoph Wegert beginnt die Verantwortung schon viel früher, auch im kleineren Rahmen. Denn für ihn geht die Veränderung sämtlicher Arbeitsprozesse durch KI schneller als alles bisher Gekannte.

Ständig entwickelten sich neue Geschäftsmodelle, ständig würden Prozesse verändert und durch Automatisierung beschleunigt, berichtet er Michael vom Ende im Interview für Faktor C auf Hope TV.

Was früher zuweilen Wochen oder gar Monate brauchte, sei mittlerweile in wenigen Minuten zu haben. Nicht per se schlecht, und schon gar nicht für jemanden, der wie Christoph Wegert Innovationsfan ist, aber dennoch gibt der Betriebswirtschaftler zu bedenken:

„Nur weil etwas schneller geht, ist es noch nicht automatisch besser.“

 

Ethik- und Werte weiter in Menschenhand

Genau deshalb bleibt für ihn die KI nicht mehr als ein Werkzeug, wenn auch ein revolutionäres, das viele unserer Abläufe, Prozesse und Arbeitsgewohnheiten bereits auf den Kopf gestellt hat und noch viel mehr als bisher durchwirbeln wird.

Anwendung und verantwortungsvoller Einsatz muss daher aus seiner Sicht entschlossen in Menschenhand bleiben.

Was die Technologie KI oft besser oder zumindest schneller als der Mensch kann, sind Faktenrecherche, Datenanalyse, Mustererkennung, Prozessoptimierung, Bündelung und Durchführung von Organisations- und Routinetätigkeiten sowie komplexe Planungsaufgaben.

Was sie aber nicht kann, ist für Christoph Wegert genauso wichtig: Verantwortung übernehmen, Wahrheit und Lüge erspüren und auseinanderhalten, echtes Mitgefühl entwickeln, das über ein schematisches Widerspiegeln des Gesagten hinausgeht.

Vor allem aber könne die KI eines nicht: moralische Entscheidungen treffen.

„Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen“,

sagt Wegert. Der Mensch müsse auch weiterhin entscheiden, steuern, priorisieren.

 

Glaube in der digitalen Zukunft weiter unerlässlich

Somit geht für den KI-Experten der christliche Glaube ganz automatisch über den reinen Privatbereich hinaus, weil er die Grundlage weitreichender ethischer Entscheidungen liefert.

Die unternehmerische Frage könne daher nicht nur lauten:

„Wie können wir erfolgreich sein?“

Sondern:

„Wie können wir Menschen dienen?“

 

Werte zeigen sich bereits im Alltag

Auf Basis dieser Fragestellung hatten christliche Werte für Christoph Wegert schon immer einen zentralen Stellenwert:

Ehrlichkeit gegenüber Kunden. Fairness gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Verlässlichkeit im Umgang mit Geschäftspartnern.

„Werte müssen sichtbar werden“, sagt er.

 

KI als Werkzeug für mehr Menschlichkeit

Und das setze sich erst recht in den großen Fragen rund um KI fort. Anders als manche Kritiker sieht Wegert in KI keine Bedrohung für die Menschheit.

Im Gegenteil.

Wenn die KI-Technologie richtig eingesetzt wird, könne sie Zeit freisetzen, für das, was Menschen am besten können – kommunizieren und kreativ sein, Gespräche von Mensch zu Mensch führen, nachhaltig in Beziehungen investieren:

„Der eigentliche Maßstab ist deshalb nicht die technische Leistungsfähigkeit, sondern der menschliche Nutzen.“

 

Mit Optimismus in die digitale Zukunft

Christoph Wegert blickt somit als Fan von Innovationen optimistisch auf die kommenden Jahre. Er ist davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz weit mehr Chancen als Risiken bietet.

Gleichzeitig warnt der experimentierfreudige Betriebswirtschaftler davor, Technologie zum Selbstzweck zu machen.

„Die entscheidende Frage ist nicht, wie intelligent Maschinen werden. Sondern wie verantwortungsvoll Menschen mit dieser Intelligenz umgehen.“

Denn die Zukunft brauche nicht nur leistungsfähige Algorithmen – sondern Menschen mit Werten, Charakter und Haltung.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Betriebswirts mit Schwerpunkt KI, Christoph Wegert, auf einen Blick:

 

1. Innovation entsteht durch Mut zum frühen Ausprobieren:

Christoph Wegert gehört zu den Menschen, die schon früh mit Augmented Reality und KI experimentierten. Sein Erfolgsrezept: Nicht warten, bis alles ausgereift ist, sondern Chancen erkennen und verantwortungsvoll testen.

2. KI verändert die Wirtschaft schneller als jede Technologie zuvor:

Prozesse, die früher Wochen oder Monate dauerten, werden heute oft in Minuten erledigt. KI beschleunigt Recherche, Analyse, Planung und Organisation massiv.

3. Schneller bedeutet nicht automatisch besser:

Trotz aller Begeisterung für Innovation warnt Wegert davor, Geschwindigkeit mit Qualität zu verwechseln:

„Nur weil etwas schneller geht, ist es noch nicht automatisch besser.“

4. Ethik und Verantwortung müssen weiter in Menschenhand bleiben:

Wenn die KI-Technologie richtig eingesetzt wird, könne sie Zeit freisetzen, für das, was Menschen am besten können – kommunizieren und kreativ sein, Gespräche von Mensch zu Mensch führen, nachhaltig in Beziehungen investieren:

„Der eigentliche Maßstab ist deshalb nicht die technische Leistungsfähigkeit, sondern der menschliche Nutzen.“

5. Glaube ist zwangsläufig mehr als Privatsache:

Für den KI-Experten geht der christliche Glaube ganz automatisch über den reinen Privatbereich hinaus, weil er die Grundlage weitreichender ethischer Entscheidungen liefert.

Die unternehmerische Frage könne daher nicht nur lauten:

„Wie können wir erfolgreich sein?“, sondern: „Wie können wir Menschen dienen?“

6. Sein Fazit zur derzeitigen Entwicklung der KI:

„Die entscheidende Frage ist nicht, wie intelligent Maschinen werden. Sondern wie verantwortungsvoll Menschen mit dieser Intelligenz umgehen.“

Das entspricht dem heutigen Stand der Technik und der aktuellen Debatte deutlich genauer.

 

 

Rückblick impact weekend 2026

Rückblick impact weekend 2026

Was passiert, wenn junge Christinnen und Christen zusammenkommen, die ihren Glauben nicht vom Rest ihres Lebens trennen wollen? Genau das durften wir beim impact weekend 2026 erleben: ein Wochenende voller Begegnungen, ehrlicher Fragen, starker Impulse und neuer Perspektiven darauf, wie Glaube, Leiten und Leben im Alltag zusammenfinden können.

Impulse, die herausfordern und ermutigen

Dr. Daniel Bergmann nahm die Teilnehmenden mit hinein in seine persönliche Geschichte zwischen McKinsey, Verantwortung und Non-Profit-Arbeit. Dabei ging es nicht um schnelle Erfolgsformeln oder klassische Business-Takeaways, sondern um Identität, Fokus und die Frage, wie Christsein mitten in anspruchsvollen beruflichen Kontexten konkret werden kann. Besonders stark war sein Gedanke: Nicht vorsortieren, sondern Gott alles hinlegen – und dann mit klarem Fokus losgehen.

Auch Martin Daum setzte prägende Akzente. Er sprach darüber, was Christen in Wirtschaft und Verantwortung trägt: Menschen auf Augenhöhe begegnen, Verantwortung nicht als Privileg verstehen und auch dann das Richtige tun, wenn niemand hinsieht. Am Ende zählt nicht Position oder Kontostand, sondern ob wir gute Verwalter dessen waren, was Gott uns anvertraut hat.

Yasemin Lupo berührte mit ihrer persönlichen Geschichte und starken Bildern von Vertrauen, Heilung und Verwurzelung. Besonders eindrücklich war ihr Vergleich mit dem Löwenzahn: scheinbar unscheinbar, aber unglaublich widerstandsfähig, weil seine Wurzeln tief reichen. Ihre Ermutigung: nicht nur hoch wachsen wollen, sondern tief – in der Abhängigkeit von Gott, im Frieden statt Getriebensein und im Vertrauen statt Kontrolle.

Berufung bleibt – auch wenn Aufträge sich ändern

Ein besonderer Moment war die Predigt von Felix Märtens, der die Geschichte von Josef mit verschiedenen Gewändern lebendig machte. Vom bunten Gewand über den einfachen Sack und die Gefängnisjacke bis zum königlichen Mantel wurde sichtbar: Äußere Positionen können sich verändern – aber die Berufung bleibt. Auftrag ist das, was wir für eine Zeit tun. Berufung ist, wer wir vor Gott sind: geliebte Kinder, gerufen, ihm treu zu leben und zu dienen.

Gemeinschaft, die bleibt

Neben allen Impulsen war es vor allem die Gemeinschaft, die das Wochenende besonders gemacht hat: Gespräche beim Essen, ehrlicher Austausch, Gebet, Freizeit, neue Kontakte und die Erfahrung, mit den eigenen Fragen nicht allein zu sein.

Das impact weekend 2026 war mehr als ein Event. Es war ein Ort zum Auftanken, Nachdenken, Vernetzen und Neu-Ausrichten – mit tiefen Wurzeln, klarem Fokus und dem Wunsch, dort impact zu haben, wo Gott uns hingestellt hat.

Du willst 2027 selbst dabei sein?

Dann sichere dir schon jetzt dein Ticket fürs nächste impact weekend und werde Teil eines Wochenendes, das Glauben, Leiten und Leben neu verbindet.

Ein besondere Dank gilt unseren Sponsoren, die diesen Event überhaupt erst möglich machen. (auch denen die die bewusst im Hintergrund bleiben wollten)

Hier einige Impressionen vom impact weekend

Dankbarer Rückblick: Zwei MOVE-Events die uns bewegt haben

Dankbarer Rückblick: Zwei MOVE-Events die uns bewegt haben

Wie sieht gelebtes Christsein in der Wirtschaft aus? Bei unseren MOVE-Treffen erleben wir es ganz praktisch: durch persönliche Begegnungen, ehrliche Einblicke in Unternehmen und inspirierende Gespräche mit Menschen, die Verantwortung übernehmen. Mit ABUS in Nordrhein-Westfalen und der B+T Unternehmensgruppe in Hessen durften wir zwei besondere Gastgeber kennenlernen. Entdeckt hier die Rückblicke und Fotogalerien der Veranstaltungen.

MOVE NRW – bei ABUS

MOVE HE – bei B+T Unternehmensgruppe

Rückblick MOVE NRW

Ein inspirierender Nachmittag bei MOVE NRW liegt hinter uns! 🙌

Zu Gast bei ABUS in Wetter (Ruhr) durften wir erleben, wie Verantwortung, Unternehmertum und Werte in einem international erfolgreichen Familienunternehmen zusammenkommen. Vom Logistikpark über das Museum bis zur Ausstellung boten sich spannende Einblicke hinter die Kulissen eines Unternehmens, das seit Generationen für Sicherheit und Verlässlichkeit steht.

Ein herzliches Dankeschön an Christian K. Filseth, sein Team und Michael vom Ende für ihre Impulse sowie an alle Teilnehmenden für die vielen guten Gespräche, neuen Begegnungen und den offenen Austausch.

📸 Hier findet ihr einige Eindrücke eines besonderen Nachmittags.

 

67 Jahre alt? Da geht noch was!

Dass die Teilnahme an einem „Ü58-Wochenende“ bei faktor c im Jahr 2021 im wahrsten Sine des Wortes lebensverändernd sein könnte, hatten Jürgen und Dorothee Rexer damals noch nicht geahnt. Bei dieser Veranstaltung im unterfränkischen Kirchschönbach trafen sich Menschen, die die fortgeschrittenen Jahre aktiv gestalten wollen. Für das Ehepaar ein deutlicher und wertvoller Anstoß, sich etwas Besonderes auszudenken für die Zeit nach der Erwerbsphase.  

Doch zunächst zur Vorgeschichte und was daraus wurde: Die beiden haben Jahrzehnte lang Familie, Beruf und Gemeindeleben jongliert. Jetzt, im Ruhestand, wagen sie einen neuen Aufbruch – nach Norwegen. Was sie antreibt, hat viel mit Dankbarkeit zu tun, und mit 

einer Vision, die lange still geglüht hat. Und natürlich mit faktor c. 

 

Ein Paar, ein Haus, eine Familie 

Es begann Ende der 1980er Jahre mit zwei jungen Menschen, die beschlossen, alles gemeinsam zu machen. Sie heirateten, bezogen ihr erstes gemeinsames Zuhause – und schon war es mit dem ruhigen Leben vorbei. Drei Söhne kamen zur Welt, der jüngste kurz vor Dorothees 40. Geburtstag. 

„Es ging rund bei uns“, erinnert sich Dorothee. „Ich liebte meine Familie, merkte aber schnell, dass ich oft an meine Grenzen kam.“ 

Jürgen war beruflich viel unterwegs – 33 Mal in China, 40 Mal in Nordamerika, fast tausend Starts und Landungen. Dorothee hielt die Stellung zu Hause, arbeitete über 14 Jahre im Pfarramt und organisierte das Familienleben mit dem, was ein afrikanisches Sprichwort treffend beschreibt: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ 

 

Und dieses Dorf gab es: Großeltern, Tanten, Onkel, Gebetspartnerinnen, Nachbarn, verlässliche Weggefährten – sie alle trugen dazu bei, dass drei Söhne aufwachsen konnten, auch in nicht immer einfachen Phasen. Eine davon: die Diagnose ADHS bei einem der Kinder, damals kaum erforscht, für die Familie überraschend. Erst als Dorothee Jahre später selbst ein Kind mit ADHS in der Schule begleitete, fiel manches rückblickend ins rechte Licht. „Veränderung ist möglich“ – diese manchmal hart erkaufte Erkenntnis trägt bis heute. 

 

Halb drinnen, halb draußen – und ein wachsender Wunsch 

Mit Jürgens häufigen Auslandsreisen wuchs ein stilles Unbehagen. „Jürgen konnte seine Aufgaben im Leitungskreis der Gemeinde nicht mehr zufriedenstellend erfüllen. Ich konnte mich nicht zuverlässig irgendwo einbringen“, beschreibt Dorothee. Halb drin, halb draußen – kein befriedigender Zustand. 

 

Langsam entstand aber etwas Neues: der gemeinsame Wunsch, wenn die Zeit reif ist, zusammen einen Dienst in einer christlichen Einrichtung zu tun. Eine Vision, die lange klein und unscharf blieb – und doch nicht verschwand. 

 

Das Beste kommt zuletzt 

„Soll man sich mit 67 nicht langsam zur Ruhe setzen?“ Diese Frage trieb Jürgen und Dorothee um. Weiterbildung, auch nach der Rente, ein Nachhaltigkeitsprojekt mitgestaltet, Korn gemahlen und Brot gebacken – Aufhören stand nicht auf dem Plan. Aber ein ganzes Jahr von zu Hause aufbrechen? Zweifel kamen auf. Ein wichtiger Baustein war dann das eingangs bereits erwähnte Ü58-Wochenende von faktor c. Neben interessanten Begegnungen mit Menschen, die nach dem Renteneintritt ungewöhnliche Wege eingeschlagen haben gab es Fachvorträge und praktische Hilfen zur Gestaltung des Umbruchs. Für Rexers war das eine starke Ermutigung und Orientierung, für die sie bis heute dankbar sind.  

Der christliche Sänger Paul Colman singt: „The best is yet to come.“ Für die beiden Colman-Fans ist das inzwischen nicht nur Wunschdenken, sondern ein Plan, der umgesetzt werden konnte! 

 

Norwegen – eine Vision nimmt Form an 

Die erste Idee war Schweden, ein Land, das die Familie über viele Jahre liebgewonnen hat. Doch Türen schlossen sich – und schließlich wurde es Norwegen. Lia Gård, heute das größte norwegische christliche Retreat Center, war ein abgelegener Bauernhof, der vor 50 Jahren Schritt für Schritt zu einem Ort der Stille und des Gebets umgestaltet wurde und der sich für Menschen öffnet, die innehalten wollen. Lia liegt in atemberaubender Landschaft hoch über dem See Storsjøen und lädt ein, „sich von den Anforderungen des Alltags zurückzuziehen, um still zu werden und zu beten“. 

 

Was den Ort besonders macht, ist auch seine Architektur. Der neuere Bauabschnitt erinnert an ein kleines Kloster: Gebäude gruppieren sich um einen Innenhof, verbunden durch einen gedeckten Gang zwischen Kirche und Wohnbereich. Die Gästezimmer sind stufenartig an den Berghang gelehnt und münden in den Kreuzgang. Die Kirche thront wie ein „Kraftwerk“ aufrecht am Hang – im geistlichen Sinne ein Ort, an dem Menschen zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen. Dazu gibt es täglich drei liturgische Gebetszeiten. Für Jürgen und Dorothee ist Lia Gård ein Ort, der zu dem passt, was sie suchen aber auch anbieten: Gemeinschaft, Stille, Dienst. 

 

Alltag auf Lia Gård 

Seit Januar 2026 arbeiten sie in den verschiedenen Bereichen des Hauses mit – Hauswirtschaft, Küche, Haustechnik, was anfällt, halbtags, gegen Kost und Logis. An ihrer Seite: wenige Hauptamtliche und das sogenannte Husfolk, junge Menschen oft aus dem deutschsprachigen Raum, die dort ein diakonisches Auslandsjahr verbringen. Ein generationenübergreifendes Miteinander, das beiden gut gefällt. 

 

Vertrauen, Gemeinschaft, Wagnis 

Was treibt ein Paar in diesem Lebensabschnitt dazu, das Vertraute loszulassen? Für Jürgen und Dorothee ist die Antwort klar: Dankbarkeit. „Wir können mit großer Dankbarkeit auf unser Leben zurückschauen – und die ganz großen Katastrophen sind uns erspart geblieben.“ Aus dieser Dankbarkeit – auch gegenüber Gott – speist sich der Antrieb, nochmals etwas zu wagen. 

Es ist keine Flucht ins Idyll – auch vor Ort gibt es Herausforderungen, Ungeplantes, gelegentlich Konflikte – und der schmerzhafte Abschied von Kindern und deren Familien auf Zeit. Doch Mut war gut: Jürgen und Dorothee haben beschlossen, das ganze Jahr zu bleiben. „Manchmal weiß man erst unterwegs, dass man auf dem richtigen Weg ist.“ 

 

Lia Gård ist seinerseits angetan von der Idee, künftig wieder aktive ältere Menschen für ein Jahr zur Mitarbeit zu gewinnen. Wer interessiert ist, kann sich hier kundig machen. 

 

Jürgen und Dorothee Rexer kommen aus der Region Stuttgart. Jürgen war zuletzt als Verkaufsbereichsleiter und Produktmanager für Anlagentechnik im RFID-Bereich tätig, Dorothee ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und hat zuletzt in der Schulbegleitung mit Spezialisierung auf ADHS gearbeitet. Ihr Einsatz bei Lia Gård begann im Januar 2026. 

Rückblick MOVE HE

Was für ein besonderer Tag! 🙌

Wir sind dankbar für offene Türen, inspirierende Menschen, ehrliche Gespräche und die Möglichkeit, gemeinsam zu entdecken, wie Christsein und Wirtschaft im Alltag gelebt werden können.

Vielen Dank an die B+T Unternehmensgruppe, unsere Impulsgeber und alle Teilnehmenden für die wertvolle gemeinsame Zeit.

Hier ein paar Eindrücke von MOVE HE 📸

Was Frauen im Business wirklich brauchen

Was Frauen im Business wirklich brauchen

Hannah Brocksieper: Was Frauen im Business wirklich brauchen

Warum Hannah Brocksieper für ehrliche Vorbilder statt für Idealfiguren plädiert

Internationale Erfahrung und Begegnung mit der rauen Wirklichkeit auf mehreren Kontinenten in acht Ländern, Studium im Großkonzern, parallel Engagement gegen Menschenhandel und heute selbständige Marketingberaterin in Stuttgart: Hannah Brocksiepers Lebenslauf wirkt außergewöhnlich vielseitig. Erst als Mutter musste sich die selbständige Unternehmerin plötzlich in ihrer Rolle als Frau in der Businesswelt erklären. Daraus zog sie Erkenntnisse, Schlüsse und Konsequenzen.

 

Kindheit in außergewöhnlicher Freiheit

Barfuß oder in Flip-Flops und den ganzen Tag draußen verbringen – Hannah kann sich keine schönere Kindheit vorstellen. Zwar wird sie in Deutschland geboren, dennoch verbringt sie ihr Leben auf dem halben Globus. Frankreich ist dabei, die Schweiz und dann eben auch Kamerun, das Land mit dem Leben in Flip-Flops.

Die Erklärung für diese globale Kindheit: ihr Vater bildet christliche Pastoren aus und ist dafür vor allem im Ausland tätig.

Das bedeutet für das Kind Hannah Natur, Freiheit und ganz selbstverständlich ein Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen.

 

Sehnsucht nach der ganzen Welt

Doch damit allein will sich die Teenagerin Hannah nicht zufriedengeben. Die Neugier nach weiteren Ländern und noch mehr Kulturen ist einfach zu groß: mit 16 ein Jahr USA, später Taiwan, Guinea, und Österreich.

Ihr Ziel: alle Kontinente bereisen. Wer sie fragt, wie sie sich wohl beschreiben würde, bekommt folgerichtig diese Antwort:

„Ich wollte immer Neues entdecken. Ein Teil von mir ist bis heute sehr neugierig.“

 

Realitäts-Check in Guinea

Doch was für Außenstehende wie ein schickes, hippes Weltenbummlertum klingen mag, ist streckenweise eine harte Begegnung mit der Wirklichkeit. So wie ihr freiwilliges soziales Jahr 2015 in Guinea, als das Ebola-Virus dort viele Tote unter den Infizierten fordert.

Viele, vielleicht auch manche romantischen Vorstellungen von erfolgreicher Sozialarbeit werden damals für sie infrage gestellt, wie Hannah Brocksieper rückblickend berichtet:

„Ich war damals noch sehr idealistisch, und dachte ich könnte die Welt retten. Dort habe ich jedoch gemerkt, wie komplex vieles wirklich ist.“

So stößt sie damals immer wieder an persönliche Grenzen. Aber gleichzeitig gelangte sie auch zu einer wichtigen Erkenntnis:

„Gutes tun braucht mehr als Idealismus.“

 

Herausforderungen systematisch anpacken

Im Anschluss entscheidet sie sich für ein duales Studium bei Bosch im Bereich International Business. Was zunächst eher pragmatisch klingt, entwickelt sich schnell zu echter Begeisterung, die sie heute so beschreibt:

„Ich habe gemerkt, wie spannend es ist, Ressourcen sinnvoll einzusetzen und Organisationen zukunftsfähig zu machen.“

Im Studium durchläuft sie unterschiedlichste Unternehmensbereiche und vertieft sich im Bereich Marketing.

Anschließend startet sie ihre erste Vollzeitstelle bei Bosch und träumt davon, später einmal ihre Erfahrungen in einer Non-Profit Organisation (NPO) einzubringen.

 

Vom Großkonzern zum Non-Profit-Sektor

Gesellschaftlich bringt sie sich weiter ehrenamtlich ein. Parallel zu ihrem Masterstudium findet man sie bei der International Justice Mission (IJM) – einer Organisation, die sich gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei einsetzt. In Österreich gründet Hannah mit Freunden dafür eigens eine IJM-Regionalgruppe.

Als zur selben Zeit eine NPO nach Unterstützung im Marketing sucht, ist das der Schlüsselmoment für Hannah: Sie gründet ihre Marketingagentur und berät Organisationen aus Gemeinnützigkeit und Wirtschaft dabei, online sichtbarer zu werden.

Damit zeigt sie, dass Strategie, Kreativität und Werteorientierung wie selbstverständlich zusammenpassen.

Kollision mit dem Rollenbild als Mutter

Dann kommt durch die Geburt ihres Sohnes ein neues Thema hinzu: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ab wann kann wieder gearbeitet werden? Wie lassen sich Alltag und Karriere sinnvoll zueinander bringen, und was bedeutet das konkret für die Gestaltung des Familienlebens?

Fragen, die sich bis heute für Frauen anders stellen als für Männer:

 „Vorher habe ich kaum darüber nachgedacht, ob ich als Frau im Business anders wahrgenommen werde.“

 

Flexibilität mit individueller Ausprägung

Gemeinsam mit ihrem Mann hat Hannah Brocksieper ein flexibles Familienmodell auf die Beine gestellt, das vor allem auf variablen Arbeitszeiten für beide basiert. So lassen sich für sie Selbständigkeit und Familienleben verbinden.

Überstülpen oder gar als Allheilmittel verkaufen möchte sie ihr persönliches Familienmodell nicht. Wichtig ist ihr daher:

„Es gibt keine allgemeingültige Lösung. Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden.“

Unterstützung organisieren und offen individuelle Lösungen bleiben – das sei das Wichtigste.

 

Echte Vorbilder – wichtiger als Idealfiguren

Der Austausch mit anderen Frauen ist ihr in diesen Fragen eine wichtige Hilfe. Dabei empfindet sie einen Bruch zwischen der perfekten Social-Media-Welt und dem „echten“ Leben.

Ihre Erkenntnis:

„Man sieht online oft ein glänzendes Bild von Frauen oder Männern, die scheinbar alles schaffen. Aber das ist selten die ganze Realität.“

Vorbilder entstünden daher vor allem für Hannah durch ehrlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung.

Auf der Suche nach echten Vorbildern möchte Sie sich daher nicht von idealisierten Zerrbildern frustrieren lassen. Ein Satz, der ihr dabei immer geholfen habe, ist dieser, auch wenn es ihr selbst an Mut eigentlich kaum mangelt:

„Viele da draußen sind gar nicht besser als du – nur mutiger.“

Deshalb animiert sie immer wieder andere Frauen, eigene Projekte zu starten, Dinge auszuprobieren und sich vor allem selbst etwas zuzutrauen. Und das sei eigentlich ganz leicht:

„Einfach anfangen, und schauen, was daraus entsteht.“

 

Glaube als Konstante

Bei allem Ortswechsel und bei aller Initiative gibt es dann doch die eine Konstante, die alles trägt: Hannahs christlicher Glaube.

Besonders während ihres Austauschjahres in den USA wird ihr bewusst, dass dieser Glaube ein wichtiger Halt für sie ist.

„Ich habe gemerkt: Gott ist unabhängig von Ort und Situation da.“

Dieser Glaube sorgt für Gottvertrauen, und macht deshalb so mutig, weil Hannah weiß, dass sie ihren eigenen Wert nicht durch Leistung oder Erfolg selbst erwirtschaften muss. Sie weiß sich von Gott geliebt und angenommen, wie sie ist.

 

Dankbar bleiben für das, was man hat

Neugierig bleiben, Neues wagen, das wird das einstige Mädchen mit den Flip-Flops in Kamerun wohl immer. Aber es ist keine Strategie, die dazu zwingt, ständig etwas anderem hinterherzujagen, um eine Leere zu füllen.

Denn wie damals in ihrer Kindheit kann sie auch heute vieles wertschätzen, was sie bereits erlebt, geschafft und geschaffen hat. Hannah Brocksiepers Quintessens im faktor c-TV-Interview bei Michael vom Ende auf Hope TV lautet daher ganz schlicht:

„Immer wieder Neues wagen – und gleichzeitig dankbar bleiben für das, was man hat.“

 

👉 Erkenntnisse auf einen Blick – was wir von Hannah Brocksieper lernen können

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