„Angeschlagen, aber noch nicht geschlagen“ – groß prangte kürzlich diese Überschrift über einem Artikel in der Tageszeitung. Es ging um die Rolle der Kirchen, unter Druck von der Welt und der Gesellschaft im Großen, von der Politik im Kleinen. „Angeschlagen, aber noch nicht geschlagen“. Im Artikel standen Sätze wie „Wer betet, wird auffällig.“ Und „Christentum und Autoritarismus vertragen sich nicht.“, aber auch, dass in den Kirchen „eine Kraft steckt, die sich für das eigene Leben nutzen ließe.“  

Was hier über die Kirche geschrieben wurde, löste bei mir Nachdenken aus: Wäre solch eine Artikel-Überschrift nicht auch passend für die aktuelle Wirtschaft – und die Christinnen und Christen, die in ihr aktiv sind? 

Angeschlagene Wirtschaft 

Ja, die Wirtschaft ist in der Summe massiv angeschlagen und sucht, schlingernd, ihren Kurs. Viele Ursachen liegen in ihr selbst, in den menschlichen und organisatorischen Beharrungskräften, die einen Aufbruch verhindern. Vieles liegt aber auch an (welt)politischen Umständen, auf die sie nur begrenzt Einfluss hat. Manche Branchen wie z. B. die Zunft der Wirtschaftsübersetzer drohen wegdigitalisiert zu werden, manchen Branchen wie z. B. der metallverarbeitenden, der Möbel-Industrie oder der Landtechnik droht die Luft auszugehen, manche Branchen wie z. B. die Lebensmittelindustrie hält sich tapfer, weil Essen und Trinken immer gehen. Und, auch das muss der Vollkommenheit und der Ehrlichkeit halber gesagt werden, wittern manche Branchen wie z. B. die IT-Dienstleistungen Morgenluft und steigern Einsatz und Gewinn. Trotzdem gilt: In der Summe ist die Wirtschaft angeschlagen.  

Angeschlagene Christen in der Wirtschaft 

Und wenn wir auf die Christinnen und Christen in der Wirtschaft schauen, zeigt sich genau solch ein unterschiedliches Bild. Aber: Eine angeschlagene Branche muss nicht gleich angeschlagene Christen in ihr bedeuten. Bei manchen ist die Branche und ihr Unternehmen angeschlagen, aber sie selbst haben den Kopf „über Wasser“. Genauso gilt: Bei manchen steigen Einsatz, Umsatz und Gewinn, und trotzdem gehen sie als Christinnen und Christen fast unter. Fakt ist, dass es solche christlichen Schwestern und Brüder gibt, die angeschlagen sind. Und die Berichte von ihnen oder über sie häufen sich. Ich bekam es kürzlich eindrücklich erzählt – einem Unternehmer drohte das Ende seines Unternehmens und er überlegte sich auf der Brücke, ob er springen sollte. Was sich so leicht schreibt, beschreibt unaussprechliche Tiefen und Schmerzen der Seele, des Geistes und des Körpers.  

Aber noch nicht geschlagen? 

Angeschlagen, aber noch nicht geschlagen. Kann das tatsächlich möglich sein, dass eine angeschlagene Wirtschaft, Branche und eine angeschlagene Firma nicht automatisch angeschlagene Christinnen und Christen bedeuten muss? Und falls dem so ist, woran könnte es liegen? Gibt es Tipps, Tricks und Geheimnisse, um angeschlagen, aber noch nicht geschlagen zu sein? Viel wäre zu schreiben, von Work-Life-Balance, von seelischer Gesundheitspflege, körperlichem Ausgleich, guter Fachberatung und Unterstützungsangeboten von vertrauenswürdigen Menschen im eigenen Umfeld. 

Aber nicht geschlagen! 

Und ganz am Ende gibt es einen Hinweis, der in seine Tiefe, Weisheit und Ermutigung unüberbietbar ist. Im Neuen Testament gibt es eine bemerkenswerte Passage, in der der einflussreiche Paulus von Tarsus als der Gestalter des sich in alle Welt ausbreitenden Christentums in sein Herz blicken lässt. Sie ist nachzulesen seines zweiten Briefes an die Christen in der Wirtschafts- und Hafenstadt Korinth im heutigen Griechenland. Darin heißt es: „Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht“ (2. Kor. 4, 8). Es lohnt sich, die ganze Passage zu lesen, die gipfelt und endet mit dieser Überzeugung, dass Christinnen und Christen beschenkt sind mit dem „weiten Blick“, der weit über den Tag, das Leben und sogar die Welt hinausweist: „Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.  Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ (2. Kor. 4, 16 – 18) 

Wer sich in diesem Weitblick übt, kann daraus Kraft, Resilienz, Klarheit und Durchhaltevermögen ziehen. Angeschlagen, aber nicht geschlagen! 

 Michael vom Ende, im Januar 2026
Geschäftsführer faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft
www.faktor-c.org