Fünf Fragen an Prinz Constantin zu Salm-Salm
„Worin sollte ein Unternehmer oder ein Unternehmen 2026 klug investieren?“
In der neuen Serie, „Fünf Fragen an…“, befragen wir zukünftig Mitglieder von Faktor C und wollen vor allem ihre unternehmerische und wirtschaftliche Expertise für alle nutzbar machen. Davon versprechen wir uns einen neuen Netzwerkeffekt. Jeder profitiert von jedem.
Den Anfang im Januar macht Prinz Constantin zu Salm-Salm, Unternehmer, Weinbauer und Vermögensberater aus Walhausen bei Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz).
Immobilien – Risiken dieser Anlageklasse endlich sichtbar
Frage 1: Wie siehst du das Thema Immobilien aktuell?
Immobilienpreise sind deutlich zurückgekommen, und es würde mich nicht überraschen, wenn wir weitere Abschläge sehen. Der Druck auf dem Immobilienmarkt ist hoch, und ich bin nicht sicher, ob alle Bewertungsanpassungen bereits verarbeitet sind. Hinzu kommt eine zunehmende Regulierung, etwa durch Mietpreisbremse und Mieterschutz, die Investitionen komplexer und riskanter macht. Immobilien müssen heute sehr selektiv betrachtet werden. Ehrlich gesagt begrüße ich es, dass die Risiken dieser Anlageklasse endlich sichtbar geworden sind, nachdem Immobilien lange als vermeintlich sicheres Investment galten.
Kapital nicht unverzinst herumliegen lassen
Frage 2: Welche Rolle spielt Liquidität für Unternehmen und Unternehmer?
Liquidität ist immer wichtig. Meine Beobachtung ist jedoch, dass sehr viel Liquidität nicht arbeitet. Sowohl in Unternehmen als auch bei privaten Unternehmern liegt Kapital unverzinst auf Konten und wird durch Inflation kontinuierlich entwertet. In Deutschland haben wir strukturell das Problem, dass zu viel Kapital passiv bei Banken liegt. Viele wären überrascht, wie groß dieser Bodensatz an ungenutzter Liquidität tatsächlich ist. Dieses Kapital sollte am Kapitalmarkt angelegt werden. An Aktien führt dabei kein Weg vorbei.
KI – wer sich nicht kümmert, verliert Anschlussfähigkeit
Frage 3: Sollten Unternehmen 2026 in Digitalisierung, Automatisierung und KI investieren?
Ja, unbedingt, unabhängig von der Unternehmensgröße. Man muss sich intensiv mit KI beschäftigen, weil die Effizienzgewinne enorm sind. Ich vergleiche das gerne mit dem Lernen einer neuen Sprache. Wer sie nicht regelmäßig übt, wird sie nie beherrschen. Unternehmen sollten deshalb früh, tief und praxisnah einsteigen. Wer wartet, verliert wertvolle Zeit und Wettbewerbsfähigkeit.
Gute Mitarbeiter: das eigentliche Kapital – jetzt Nachfolge in Familienunternehmen sichern
Frage 4: Wie siehst du Unternehmensinvestitionen, Wachstum und M&A?
Für mich verlagert sich der Fokus von Investitionen immer stärker auf Menschen, auf gute Mitarbeiter, Führungskräfte und Partner. Wir haben eine junge, ambitionierte Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Mit diesen Menschen gemeinsam Wachstum, Projekte oder auch M&A umzusetzen, kann sehr sinnvoll sein. Gerade beim Thema Unternehmensnachfolge sehe ich aktuell eine Vielzahl an Chancen, vorausgesetzt, man traut sich und übernimmt Verantwortung.
Diversifizierter Vermögensaufbau auch außerhalb des eigenen Unternehmens unerlässlich
Frage 5: Was ist aus deiner Sicht der wichtigste Punkt in finanziellen Angelegenheiten für Unternehmer persönlich?
Der wichtigste Punkt ist, auf privater Ebene Vermögen aufzubauen, idealerweise breit diversifiziert. Das ist entscheidend für Nachfolgefragen, aber auch für Krisensituationen im Unternehmen. Ich sehe viele Unternehmer, die vollständig im eigenen Unternehmen investiert sind und weder für schwierige Phasen noch für einen Insolvenzfall vorbereitet sind. Deshalb rate ich klar dazu, außerhalb des Unternehmens vorzusorgen, etwa über eine professionelle Vermögensverwaltung oder eine saubere private Vermögensplanung. An Aktien führt dabei kein Weg vorbei, und zwar global investiert und nicht nur in Deutschland. Unternehmerisches Risiko braucht immer ein privates Sicherheitsnetz. Das gilt im Übrigen auch für Mitarbeiter, denn vielen ist nicht bewusst, dass für ihre Rente bislang noch kein Cent zurückgelegt wurde.