Fünf Fragen an Ania Lindner
Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen und diejenigen, die sie führen, im Jahr 2026 bei faktor c? Was bewegt sie, und was können sie an Erfahrungen weitergeben? Dazu haben wir für diesen Newsletter Ania Lindner, die im HR-Management des internationalen Lebensmittelkonzerns MARS arbeitet (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Schokoriegel), gebeten, unsere „Fünf Fragen an…“ zu beantworten. Zu ihr persönlich und zu ihrem Mann Stefan Lindner, der im Lebensmittelgroßhandel tätig ist, finden Sie in diesem Newsletter einen ausführlichen Artikel und natürlich auch seine Fünf Fragen.
Sie haben mehrere Jahre in England gearbeitet und jetzt schon lange in Deutschland. Welche Unterschiede gibt es?
Was Deutschland und das Vereinigte Königreich (UK) angeht, so ist einer der größten Unterschiede meiner Meinung nach die deutlich informellere Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im UK im Vergleich zu Deutschland und auch die unter Kolleginnen und Kollegen. Im UK duzen sich alle, und die meisten Büros sind als Open Space gestaltet. In Deutschland empfinde ich es meistens noch relativ formell. Viele Menschen sprechen sich mit „Sie“ an, und es gibt noch viele Einzelbüros. Gleichzeitig habe ich in Deutschland ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Chef und meinen Kolleginnen und Kollegen. Wir arbeiten in einem großes Open-Space-Büro, und einige von ihnen sind auch privat meine Freunde.
Ich empfinde Deutschland auch deutlich bürokratischer als das UK. Es gibt sehr viele Prozesse und Dokumente, die benötigt werden, insbesondere im Personalwesen. Im UK empfinde ich es etwas einfacher.
Es gibt auch arbeitsrechtliche Unterschiede zwischen Deutschland und dem UK. Grundsätzlich ist der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin in Deutschland etwas besser geschützt, zum Beispiel vor Kündigung, als im UK.
Die Unternehmenskultur wird für Menschen immer wichtiger. Inwieweit sollte sie in die Jobwahl miteinbezogen werden?
Ich glaube, die Unternehmenskultur spielt eine entscheidende Rolle. Daher empfehle ich jedem dringend, die Unternehmenskultur sorgfältig zu prüfen und sicherzustellen, dass sie mit den eigenen Werten übereinstimmt. Meiner Meinung nach ist dies unerlässlich, um sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen. Dazu gehören neben Transparenz Integrität, gegenseitiges Vertrauen, Umgang miteinander und viele weitere Aspekte, die jeder für sich prüfen sollte.
KI im Personalwesen (HR-Management): Welche Möglichkeiten bietet KI, wo ist sie aber auch nicht geeignet?
Künstliche Intelligenz (KI) ist in verschiedenen Geschäftsbereichen, einschließlich der Personalabteilung (HR), äußerst nützlich. Sie kann bei der Formulierung von Stellenanzeigen, dem Screening von Lebensläufen und dem internen Talentmanagement helfen, indem sie einen Überblick über Tausende von Talenten innerhalb eines Unternehmens bietet. Darüber hinaus kann KI durch einen Chatbot Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Beantwortung von Standardfragen im Zusammenhang mit HR behilflich sein. Es gibt noch viele weitere Bereiche, insbesondere administrative, in denen KI effektiv und effizient eingesetzt werden kann. Natürlich kann KI persönliche Gespräche nicht ersetzen. Vertrauen aufzubauen, menschliche Interaktionen zu fördern und ehrliche Gespräche zu führen, sind Dinge, die Menschen immer brauchen werden.
Fachkräftemangel: Wie versuchen Sie, junge Leute zu motivieren, welche Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsfelder gibt es?
Natürlich ist es für jedes Unternehmen wichtig, Nachwuchs zu fördern. MARS bietet Studierenden ein Praktikum während des Studiums und nach dem Studium ein Trainee-Programm sowie Direct-Entry-Möglichkeiten für Absolventen an. Unsere Programme decken verschiedene Bereiche ab, darunter Produktion, Supply Chain, Einkauf, Marketing und Vertrieb.
Was schätzen Sie am gegenseitigen fachlichen Austausch als Ehepaar, wovon profitieren Sie gegenseitig am meisten?
Ich schätze den Austausch mit Stefan sehr. Ich kann ihm voll und ganz vertrauen und weiß, dass die Informationen, die ich mit ihm teile, vertraulich behandelt werden. Stefans Hintergrund im Obst- und Gemüsehandel, im Mittelstand und als Geschäftsführer bringt eine einzigartige Perspektive in unsere Gespräche ein. Seine Erfahrung als Outsider ist besonders wertvoll, da er neue Ideen einbringt, die möglicherweise nicht entstehen würden, wenn ich mich nur mit Kollegen aus dem gleichen Unternehmen austauschen würde. Darüber hinaus schätze ich Stefans ruhige und durchdachte Art, die eine gute Balance zu meinem eigenen Ansatz darstellt.
Fünf Fragen an Stefan Lindner
Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen und diejenigen, die sie führen, im Jahr 2026 bei Faktor C? Was bewegt sie, und was können sie an Erfahrungen weitergeben? Dazu haben wir für diesen Newsletter Stefan Lindner, Geschäftsführer eines Lebensmittelgroßhändlers mit Spezialisierung auf Obst und Gemüse auf dem Frankfurter Großmarkt gebeten, unsere „Fünf Fragen an…“ zu beantworten. Zu ihm persönlich und zu seiner Frau Ania Lindner, die im internationalen Personalmanagement tätig ist, finden Sie in diesem Newsletter einen ausführlichen Artikel und natürlich auch die Fünf Fragen an Ania Lindner.
Wie stellen Sie im Frischegroßhandel sicher, dass die Produkte auch wirklich frisch beim Kunden ankommen?
Es geht bei der Auswahl der Lieferanten los, weiter über die Wareneingangskontrolle und die passende Lagerung (Bananen nicht zu kalt, Salat dagegen kalt und feucht). Und natürlich: Die Ware muss ich schnell drehen, sprich, zügig weiterverkaufen, dann ist der Bestand auch immer frisch.
KI im Frischegroßhandel: Welche Möglichkeiten bietet KI, wo schafft sie alte Jobs ab, wo entstehen neue durch KI?
Viele Szenarien sind denkbar. Bei Lieferanten: fotogestützte und von einer KI ausgewertete Wareneingangskontrollen, automatische Rechnungsprüfung. Bei Kunden: Bestellungen, die über eine KI in Aufträge für das Warenwirtschaftssystem übersetzt werden. Vielleicht geben unsere Kunden ihre Bestellungen irgendwann bei einem Bot ab. Der kann in Stoßzeiten mit mehreren Lieferanten gleichzeitig Kontakt aufnehmen, während wir bislang zeitaufwändig jeden einzelnen Lieferanten nacheinander kontaktieren müssen. Dabei geht es immer um Effizienz, z.B. durch weniger manuelles Eingreifen oder Reduzierung von Fehlern. Das ersetzt nicht zwingend bestehende Arbeitsplätze, hilf aber Wachstum besser zu managen.
Fachkräftemangel: Wie versuchen Sie junge Leute zu motivieren, welche Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsfelder gibt es im Frischegroßhandel?
Die Einstiegshürde ist sehr niedrig. Man braucht für den Start kein Fachwissen. Das kommt alles beim „Training on The Job“. Wir bieten Ausbildungen zum Groß- und Außenhandelskaufmann, Fachkraft für Lagerlogistik und Fachlageristen an. Als Weiterbildungen gibt dann noch die Möglichkeit, ein IHK-Zertifikat als Fruchthandelsexperte zu erreichen.
Wie gestalten Sie den Übergang im Familienunternehmen von der Leitung durch Ihren Vater auf sich? Wovon profitieren Sie gegenseitig am meisten, wo sind Sie sich einig, was machen Sie bei Meinungsverschiedenheiten?
Mein Vater hat natürlich viel mehr Erfahrung und weiß, wo er hinschauen muss. Ich hatte immer viel Freiheit, mich im Unternehmen einzubringen. Diesen Freiraum nutze ich und dafür bin ich sehr dankbar. Heißt aber nicht, dass wir immer einer Meinung sind. Jeder setzt seine Prioritäten selbst und die sind nicht immer deckungsgleich. Dann wird offen diskutiert.
Aus ihrer Sicht: Was schätzen Sie am gegenseitigen fachlichen Austausch als Ehepaar?
Ich schätze es, dass ein Austausch stattfindet. Ich glaube das nennt man Beziehung. Und das ist viel wert.