Fünf Fragen an Frank Lehmann

Vor welchen aktuellen Herausforderungen stehen die Mitglieder von Fak+or C und ihre jeweiligen Branchen? Wie gehen sie die Zukunft an zwischen KI und Fachkräftemangel, und wie behaupten sich die zumeist mittelständischen Unternehmen in einer zunehmend globalisierten Welt? Die „Fünf Fragen an unsere Mitglieder“ sollen Einblick gewähren und dabei helfen, gegenseitig voneinander zu lernen. Diesmal haben wir die Fünf Fragen an Frank Lehmann gerichtet, Geschäftsführer des Mineralbrunnenabfüllbetriebes Ensinger aus Baden-Württemberg.

1. Klimaneutralität ist eine Frage von Verantwortung: Die Mineralbrunnenbranche will mit ihrer Initiative „Klimaneutralität bis 2030“ die gesamte Prozesskette von der Wassergewinnung, über die Beschaffenheit der Flaschen bis hin zur Auslieferung die CO² Emission weitgehend klimaneutral gestalten. Warum ist dies Ihnen und Ihren Mitbewerbern so ein wichtiges Anliegen, dass Sie für dieses Ziel sogar zusammenarbeiten?

Für mich ist das eine grundsätzliche Frage von Verantwortung. Wir arbeiten mit einer natürlichen Ressource, die unsere besondere Beachtung und Pflege benötigt, gerade im Kontext des Klimawandels.

Die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, sind groß, und gemeinsam lässt sich besser damit umgehen. Außerdem ist die Zusammenarbeit in der Branche gerade in Bezug auf Nachhaltigkeit geübte Praxis, z.B. durch die gemeinsame Verwendung von Mehrwegflaschen und Getränkekisten.  

2. Glas und PET – beides kann sinnvoll sein: Was ist ökologisch sinnvoller – Flaschen aus Glas oder aus PET?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, da es auf die konkreten Umstände ankommt. Wird lokal eingekauft, sind Mehrweg-Glasflaschen eine gute Wahl, denn Sie werden gespült und können bis zu 50-mal wiederverwendet werden. Das gilt aber nur für sogenannte „Poolflaschen“, die von sehr vielen Mineralbrunnen in Deutschland gemeinsam genutzt werden. Sie sind ein echtes Erfolgsmodell, weil sie immer den kürzesten Weg zurück zum nächsten Mineralbrunnen finden.

Je weiter weg vom Brunnenbetrieb sich die Flaschen bewegen, desto ökologisch vorteilhafter sind PET-Flaschen, denn sie sind leicht, unzerbrechlich und verbrauchen beim Transport weniger Energie. Dasselbe gilt für die Herstellung der PET-Flaschen.

 

3. Ökologische Landwirtschaft als Wasserschutz und Wirtschaftsfaktor: Warum ist es für ein Mineralwasserunternehmen so immens wichtig, ökologische Landwirtschaft zu fördern und zu unterstützen? Das Unternehmen Ensinger, bei dem Sie tätig sind, hat neben fortlaufender Förderung 2019 sogar einen Umweltpreis in Höhe von 100.000 Euro ausgelobt.

Hier möchte ich nur für uns sprechen. Wir haben vor allem zwei wichtige Gründe dafür:

  1. Wir tun das aus Überzeugung, weil wir wissen, dass nur eine Reduzierung der anthropogenen Einträge auf unsere Felder unser Überleben langfristig sichert. Ökolandwirtschaft verursacht deutlich weniger Nitratbelastung, ebenso werden Hormone, Pflanzen- und Düngemittelrückstände vermieden und Belastungen durch Süßstoffe, Hormone und Antibiotika minimiert.
  2. Das wertvolle Tiefenwasser ist nicht nur unsere Lebensgrundlage, sondern auch unser Geschäftsmodell. Deshalb haben wir ein ureigenes Interesse, dass unsere Quellen langfristig geschützt werden. Wir haben das 2019 sozusagen als Initialzündung gemacht und konnten bisher drei Betriebe bei der Umstellung auf Ökolandbau nach Bioland e.V. unterstützen. Wir schauen immer, wo wir uns sinnvoll einbringen können.

 

4. Junge Nachwuchskräfte legen Wert auf Werte: Stichwort Fachkräftemangel. Wie gewinnen Sie junge Leute für Ihre Branche, welche Berufe sind vielleicht gar nicht im allgemeinen Bewusstsein, die man bei Ihnen erlernen und ausüben kann?

Wir bieten spannende Ausbildungsberufe in der Produktion, der Logistik und der Technik an. Unsere werteorientierte Firmenphilosophie und insbesondere unsere Nachhaltigkeitsausrichtung sorgen dafür, dass unsere Ausbildungsplätze meist sehr gefragt sind. Den jungen Leuten ist neben Vergütung und Life-Work-Balance eben auch wichtig, in einem Unternehmen zu arbeiten, mit dem sie sich identifizieren können. Aber natürlich gehen wir auch auf Ausbildungsmessen und sind auf Social Media aktiv.

 

5. Ressourcen schonen mit KI: Inwieweit kann Ihnen künstliche Intelligenz bei der Erreichung Ihrer Ziele weiterhelfen. Wo wird sie eingesetzt, und was erhoffen Sie sich ggf. für weitere Anwendungsgebiete?

Im Marketing beispielsweise arbeiten wir mit unterschiedlichen KI-Apps für die Projektplanung, die Texterstellung und für KI-generierte Bilder und Clips. Künstliche Intelligenz kann uns helfen, Abläufe besser zu verstehen und effizienter zu gestalten. Zum Beispiel kann sie bei der Überwachung von Produktionsprozessen unterstützen oder dabei helfen, Logistikprozesse zu optimieren. Dadurch lassen sich Ressourcen bewusster einsetzen und unnötige Ausfälle vermeiden. Mir ist dabei wichtig, dass wir solche Technologien verantwortungsvoll nutzen. Sie sollten uns helfen, sorgfältiger mit Energie, Materialien und letztlich auch mit den natürlichen Ressourcen umzugehen.