1. Du wendest dich auf deinem LinkedIn-Profil explizit an junge Frauen im Beruf mit Kindern, warum ist dir das Thema so wichtig?
Ich bin selbst mitten in dieser Lebensphase und merke: Statistiken über „Gender Pay Gap“ oder die „Teilzeitfalle“ frustrieren mich, aber bringen mich nicht weiter. Ich brauche konkrete Tipps, wie ich diese Phase gut meistern und genießen kann. Dabei helfen mir Vorbilder, deren Strategien, Einstellung oder auch die Kompromisse, die sie bewusst eingehen, ich mir abschauen kann. Weil ich so wenige davon kenne, möchte ich selbst Teil der Konversation sein. Dadurch lerne ich auch die Frauen kennen, die bereits über diese Themen sprechen.
2. Was muss in unserer Gesellschaft passieren, damit Frauen Beruf und Familie optimal zusammenbringen können?
Das Thema ist komplex und es gibt keine „one-size-fits-all“ Lösung. Aus meiner Sicht braucht es zum einen ein gesellschaftliches Umdenken. Kinder sind unsere Zukunft, deshalb geht uns das Thema alle etwas an. Die Frage ist also vielmehr, wie wir als Gesellschaft Beruf und Kinder optimal zusammenbringen. Die Verantwortung darf nicht bei „Frauen im Beruf“ liegen, sondern auch bei Männern, Arbeitgebern und den einzelnen Teams. Zum anderen brauchen wir strukturelle Anpassungen aus der Politik, beispielsweise in der Steuer-, Renten- und Elterngeldpolitik.
3. Welche Rolle sollten dabei die Männer spielen?
Eine ganz zentrale! Wir können den Wandel nur gemeinsam gestalten. Auch hier wünsche ich mir mehr männliche Vorbilder, die beispielsweise länger als zwei Monate Elternzeit nehmen, nicht alleine unter Frauen auf dem Spielplatz sind und ihren Teil der Verantwortung bei Erziehung, Haushalt und Mental Load übernehmen. Es ist schön zu sehen, dass sich in meiner Generation schon einiges bewegt, aber wir haben noch einen Weg vor uns.
4. KI ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Immer häufiger gibt es teure Schulungsangebote, die davon sprechen, dass man mit Hilfe einer KI ganze Marketingstrategien fahren kann, mit einem vollständig automatisierten Konzept, das von der Planung bis zur Durchführung der Kommunikation mit den Kunden sämtliche Marketingagenturen und Copywriter, sprich, Menschen, überflüssig macht. Was hältst du von diesen Angeboten?
Die KI kann gerade im Bereich Automatisierung und Datenanalyse eine enorme Effizienzsteigerung bringen. Das sehe ich als große Chance, auch für meine Agentur! Kreativität oder eine authentische, emotionale Verbindung zur Zielgruppe aufbauen kann sie nicht, bzw. nur mit dem richtigen Prompting. Das macht ein Mensch. Am Ende ist es immer die make-or-buy-decision des Kunden: Steure ich mithilfe von KI das Marketing (auch das und ggf. Kurse benötigen Zeit und Geld) oder engagiere ich jemanden, der das übernimmt.
5. Fühlst du dich als Marketingfrau von KI bedroht, wo lauern Gefahren, wo ist KI aber auch wirklich nützlich und was kann sie im Marketingbereich sinnvoll an menschlicher Arbeit ersetzen?
Nein, ich sehe die KI grundsätzlich als Chance: Die Welt hat sich schon immer verändert und es überleben die Unternehmen, die den Wandel erkennen und gestalten. Ich nenne die KI gerne meine „inselbegabte Mitarbeiterin“. Extrem gut in vielen Bereichen, aber ich muss sie führen und schulen. Gefahren sehe ich darin, wenn Ergebnisse blind übernommen werden, im Bereich von Urheberrechten oder wenn KI menschliche Beziehungen ersetzen soll.
Was meine Kunden an mir als Agentur schätzen ist, dass sie ein echtes Gegenüber haben, ich persönliche Erfahrungen einbringe, zwischen den Zeilen lese und ich ihnen nur das verkaufe, was gerade für sie relevant ist. Kaufentscheidungen werden immer auch von Emotionen gesteuert. In meinem Fall kaufen Kunden neben meiner Expertise das Gefühl, „gut aufgehoben zu sein“ – was sie auch sind 😉